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Blütenstaub treibt Autofahrer in Frankenberg in die Waschanlagen

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Jörg Hoch wäscht sein Auto selbst im Waschpark Frankenberg. Es geht schnell und ist preiswerter, säubert aber nicht so gründlich wie in der Waschanlage.
Jörg Hoch wäscht sein Auto selbst im Waschpark Frankenberg. Es geht schnell und ist preiswerter, säubert aber nicht so gründlich wie in der Waschanlage. © Johannes Rützel

Wenn sich im Frühjahr gelber Blütenstaub auf Fenstern, Autos und Gartenmöbeln ablagert, dann blüht es in der Natur. Dieses Jahr fällt der Blütenstaub besonders auf, denn es regnet kaum.

Frankenberg – „Regen wäscht den Blütenstaub aus der Luft“, erklärt der Frankenberger Biologe Gerhard Kalden. Doch wenn es trocken ist, werden die Pollen vom Wind weit getragen. Derzeit blühen vor allem Birken, Erlen und Fichten, die Buchen folgen in den kommenden Tagen. Entgegen einer landläufig verbreiteten Auffassung hat der Raps mit dem Blütenstaub nichts zu tun. Denn Rapspollen sind schwer und klebrig, werden über Insekten verbreitet und nicht über den Wind. „Ende kommender Woche könnte das Schauspiel schon wieder vorbei sein“, sagt Biologe Kalden.

Weil die Pollen dieses Jahr weit fliegen, werden besonders viele Bäume reich befruchtet und tragen dann dementsprechend viele Früchte. Wenn die Früchte zu Boden fallen, ist das ein Festmahl für Wildtiere. Daher sprach man früher auch von einem Mastjahr, einem Jahr, in dem die Wildtiere eben von der Natur „gemästet“ wurden, weil sie besonders viel zu äsen hatten. Sichtbar werden die Auswirkungen des Pollenflugs aber jetzt schon: an den Autowaschanlagen.

Autowaschanlagen in Frankenberg sind gut besucht

Der Autopflegepark in Frankenberg beispielsweise war am späten Donnerstagvormittag gut besucht – derzeit ist das beste Waschprogramm im Angebot, für 13 statt 16 Euro.

2018 hatte es schon mal ein Jahr mit auffällig viel Blütenstaub gegeben, erinnert sich der Betreiber Hermann Mückstein. Ein Auto nach dem anderen wird von seinem Mitarbeiter Matthias Ramp in die Waschstraße gelotst. Die Autos der Kunden werden zweifach vorbehandelt: Im ersten Schritt mit einem Lösemittel, in einem zweiten mit einer Seifenlösung aus dem Hochdruckreiniger. Der Blütenstaub sei hartnäckig, erklärt Matthias Ramp: „Ohne Dreck- und Fliegenlöser bekommt man den Staub in der Waschstraße gar nicht ab.“

Matthias Ramp vom Autopflegepark Frankenberg deutet auf ein vom Blütenstaub verschmutztes Auto.
Matthias Ramp vom Autopflegepark Frankenberg deutet auf ein vom Blütenstaub verschmutztes Auto. © Johannes Rützel

Kurzerhand demonstriert er es an dem weißen Fahrzeug einer Kundin, sprüht etwas Löser auf eine Seite der Motorhaube, die andere lässt er unbehandelt: Zum Vorschein kommt eine strahlend weiße Fläche neben der gelbbraun verschmutzten. In der Waschstraße folgt die mechanische Reinigung mit weichen Stofflappen, so entfernen Ramp und seine Kollegen alle Rückstände.

Matthias Ramp bestätigt, dass die Nachfrage nach Autowäschen derzeit besonders hoch ist. Stammkunden, die sonst alle sieben bis 14 Tage kämen, sehe er nun öfter. Für die Autofahrer ist der Service komfortabel, denn sie müssen während der gesamten Autowäsche ihr Auto kein einziges Mal verlassen.

Einigen Kunden reicht aber auch die einfachere Selbstbedienungswäsche. Jörg Hoch aus Frankenberg ist das erste mal in diesem Frühjahr in der Waschanlage: „Zuhause darf man ja gar nicht mehr Auto waschen.“ Für den Hochdruckreiniger zahlt er etwa 5 Euro und fährt schnell wieder vom Hof, denn seine Frau brauche das Auto, sagt er. Auch andere Kunden haben es eilig, kommen zwischendurch mal rasch vorbei, haben ihren Hund oder die Einkäufe im Kofferraum.

Betreiber klagen über Ersatzteilmangel für Waschanlagen

Die Waschplätze für die eigenhändige Autowäsche sind nicht nur in Frankenberg beliebt. Während 2021 zur Blütezeit wegen des Regenwetters wenig los war, kämen dieses Jahr manche Kunden zwei bis drei Mal pro Woche, berichtet der Betreiber einer weiteren Selbstbedienungswaschanlage in der Region, der namentlich nicht genannt werden möchte. Wie schon beim Sahara-Staub im März laufe das Geschäft derzeit ganz gut. Wie in vielen Branchen fehlten aber auch an Waschstraßen Ersatzteile, die Lieferzeiten beliefen sich oft auf mehrere Monate oder würden gar nicht mehr exakt angegeben, beklagt er. Eine Waschbox musste er bereits dauerhaft schließen. Von Johannes Rützel

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