Frankenberg: Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ in Ederberglandhalle aufgeführt

Boshafter Boulevard mit viel Tiefsinn

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- Frankenberg (ahi). Der „Gott des Gemetzels“ ist einer der großen Theatererfolge der vergangenen Jahre und auch das Publikum in der voll besetzten Ederberglandhalle konnte sich der Magie des unlängst von Roman Polanski verfilmten Stücks nicht entziehen.

Das Stück beginnt als politisch korrekte Wortklauberei und mündet in einem Kampf jeder gegen jeden, bei dem alte Rechnungen, Rechthaberei und eine Flasche Rum eine gewichtige Rolle spielen. Dabei scheint anfangs alles so klar, der elfjährige Ferdinand hat seinem gleichaltrigen Mitschüler Bruno ohne Vorwarnung mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen und dabei auch einen Nerv verletzt. Die kultivierte Veronique (Jacqueline Macaulay) ist ein Muster an politischer Korrektheit und hat als Mutter des Opfers die Eltern des Täters eingeladen, um versicherungstechnische Fragen zu klären.

Und so stehen sie sich anfangs reserviert gegenüber, das jüngere Gastgeberpärchen und die Gegenpartei: Der Anwalt Alain (Matthias Fuhrmeister) und seine Frau, die Anlagenberaterin Annette (Anne Stiebich). Und den beiden Gästen ist auf Anhieb anzusehen, dass die Karriere sehr lange Vorrang vor dem Kinderkriegen gehabt hat, mit entsprechenden Seitenhieben bei der Klärung der Schuldfrage. Doch beim Ausfüllen des Formulars sind Veronique und ihr Mann Michel (Adnan Maral) erst einmal nur zu gern dazu bereit, das böse Attribut „bewaffnet“ durch „ausgestattet mit einem Stock“ zu ersetzen, um bei Kaffee und Kuchen (Clafoutis) freundschaftlich die Fronten zu klären, ohne allzu kleinlich zu wirken.

Michel zeigt sich gar von seiner väterlichen Seite, als er erzählt, wie er den nachtaktiven Hamster seiner Tochter Camille ausgesetzte habe, damit der arme, verletzte Bruno wenigstens schlafen könne. Ein klarer Fehler, denn im weiteren Verlauf wird jedes Eingeständnis von der jeweiligen Gegenseite als Argument genutzt und die Fronten wechseln permanent im Verlauf der anderthalb Stunden Spieldauer.Über die Feinheiten dieser unterhaltsamen anderthalb Stunden lässt sich noch lange grübeln und schmunzeln, ein Höhepunkt in der laufenden Spielzeit des Kulturrings Frankenberg war dieser „Gott des Gemetzels“ allemal.

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