Frankenberg

Wie der Boss kein „Pfeifenmann“ wird

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- Frankenberg (schä). Während auf dem halben Kontinent beim Europapokal der Fußball rollte, nahmen die Mitglieder des Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen in Nordhessen (AFK) am Donnerstag beim „Auswärtsspiel“ von Dr. Markus Merk anregende Steilpässe des Ex-Schiedsrichters und gefragten Referenten auf.

Manch einer der rund 70 geladenen Gäste im Hotel „Sonne“ war vielleicht froh, nur der „Schiedsrichter“ einer mittelständischen Firma zu sein. Der Alltag als Entscheidungsträger eines Unternehmens erschien jedenfalls in einigen Belangen erstrebenswerter als der eines Fußball-Schiedsrichters, wenn man den Erzählungen von Markus Merk zuhörte.

Die wenigsten wohl mochten tauschen mit dem weltweit bekanntesten Schiedsrichter, wenn er – von 80 000 Stadionbesuchern, 900 Millionen TV-Zuschauern, 100 Fernsehkameras und 1200 Journalisten beäugt, im Weltmeisterschaftsfinale Elfmeter für die einen oder gegen die anderen pfeift und sich kaum einer sicher ist, ob’s stimmt. Auch im Betrieb muss mitunter in Sekunden eine Entscheidung getroffen werden, gaben einzelne AFK-Mitglieder beim lockeren Tischgeplauder zu und konnten sich wohl auch deswegen gut hineinversetzen in die Rolle des Entscheiders.

„Jeder von uns musste sich im Leben schon so oft entscheiden – für etwas und gleichzeitig gegen etwas anderes. Im Idealfall entsteht dadurch eine Win-Win-Situation“, sagte Klaus Gantner zur Begrüßung. Und am Ende war sich der Vorsitzende des Arbeitskreises sicher: „Es war keine Fehlentscheidung, Herrn Merk nach Frankenberg zu holen.“ Fehlentscheidungen spielten­ auch in den vorangegangenen­ gut 60 Minuten eine Rolle: Wie man damit umgeht, dass es wichtig ist, sich darüber zu ärgern, wie sie einen dennoch weiterbringen – nur eines der Schlagworte, mit denen Merk Parallelen zwischen seiner – seit 2006 vergangenen – Entscheidungswelt und dem Berufsalltag von Unternehmern und Mitarbeitern zog.

Und das Publikum hörte aufmerksam und respektvoll zu und gewann den Anleitungen etwas ab; vielleicht auch, weil der gerade zum „Weltschiedsrichter des Jahrzehnts“ gewählte Pfälzer sich, wie er sagte, in der öffentlichsten aller Entscheidungswelten profiliert hat. „Das betrachte ich als meinen größten Erfolg.“ Als Schiedsrichter habe er sich nie gesehen, eher als Spielmanager, verriet er. Und zeigte, dass er das „Spiel“ mit dem Publikum sehr gut managt. Mit stets motivierend betontem Vortrag – völlig ohne Textvorlage sprechend – nahm er die Zuhörer mit durch sein Leben als Schiedsrichter, Abenteurer und sozial engagierter Zahnarzt. Vom Fußballplatz, vom Nordpol, vom Waisenhaus in Indien aus spielte er mit untermalenden Fotos und Einblendungen Steil- und Querpässe ins Berufsleben – ab und zu mit etwas zu viel Selbstverliebtheit und Eigenlob, aber ohne dabei den „Wirtschaftsguru“ zu geben.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 12. März.

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