Interview: Pfarrer Schullerus zu Konfirmanden und Religionsunterricht

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Spielt auch gerne auf der Gitarre: Bottendorfs Pfarrer Konrad Schullerus musiziert für seine Konfirmanden. Er ist der Meinung, dass Musik zur Aufmerksamkeitsteigerung bei den jungen Menschen beiträgt.

Bottendorf. Bottendorfs Pfarrer Konrad Schullerus betreut 26 Konfirmanden in seiner Kirchengemeinde. Die HNA sprach mit Schullerus unter anderem über dessen Art, den Konfirmandenunterricht so zu gestalten, dass die Kinder und Jugendlichen Interesse für kirchliche und religiöse Themen entwickeln.

Herr Pfarrer Schullerus, waren Sie ein guter Konfirmand?

Konrad Schullerus: Da mein Vater mein Konfirmator war, war ich an eine gewisse Disziplin gebunden. Ich war sicher fleißig, aber nicht immer brav. Ich habe nie über die Stränge geschlagen. Aber wo es angebracht war, Kritik zu üben, habe ich es getan.

Wie gestalten Sie heute den Unterricht für Ihre Konfirmanden, um die jungen Menschen für Kirche und Religion zu begeistern?

Schullerus: Ich versuche, die Themen bei den jungen Menschen lebensweltlich zu verhaften, in dem ich diese mit den Erfahrungen der jungen Menschen in Verbindung bringe. Der Unterricht ist immer dann gut gelungen, wenn man den Konfirmanden nicht nur Wissen vermittelt, sondern ihnen auch für den weiteren Glaubensweg etwas mit auf den Weg gegeben hat, mit dem sie viel anfangen können.

Was meinen Sie damit?

Schullerus: Ich bringe die Konfirmanden nicht an einen Punkt, an dem sie stehen bleiben. Es ist nicht so, dass ich ihnen Wissen, beispielsweise zu den zehn Geboten vermittele, und das Thema dann als abgeschlossen betrachte.

Gilt das für alle Ihre Konfirmanden?

Schullerus: Klar. Jedoch unterscheiden sich die Konfirmanden stark voneinander. Für einige ist die Auseinandersetzung mit christlichen Themen eine Erstbegegnung. Andere sind christlich schon so sehr durchsozialisiert, dass sie ganz andere Dinge für sich aus dem Konfirmandenunterricht mitnehmen.

Wenn einige Konfirmanden erst in Ihrem Unterricht zum ersten Mal mit christlichem Wissen konfrontiert werden, stellt sich die Frage: Werden in der Schule nicht ausreichend religiöse Themen behandelt?

Schullerus: Das kann man pauschal nicht sagen. Es gibt hervorragende Religionslehrer, die auch abseits vom Lehrplan christliche Themen auf eine fantastische Weise jungen Menschen näherbringen. Ich kenne auch Kollegen, die mir sagten, dass es der Religionsunterricht in der Schule war, der sie zum Theologiestudium gebracht hat. Allerdings wird oft auch strikt nach Lehrplan verfahren. Ist das der Fall, habe ich, wenn die Konfirmanden bei mir im Unterricht sind, den Eindruck, dass das Wissen irgendwie versickert ist.

Also ist es aus Ihrer Sicht besser, wenn man sich vom geltenden Lehrplan löst? 

Schullerus: Ich würde den Lehrplan gewaltig ausmisten, da ist einfach viel zu viel Zeug drin, was man nicht unbedingt als Stoff durchnehmen müsste.

Von Philipp Daum

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Quelle: HNA

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