Kirchengemeinde von Bottendorf und Willersdorf

Bottendorfs Pfarrer will mit anpacken

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Burgwald-Bottendorf - Langsam kommt er in seiner neuen Kirchengemeinde an: Pfarrer Konrad Schullerus schaut noch, beobachtet und lernt. Denn die kirchlichen Abläufe in Bottendorf und Willersdorf haben ihre Besonderheiten. Aber er packt auch schon kräftig mit an.

„Es gibt so viel Neues. In der letzten Zeit gab es außergewöhnlich viele Festgottesdienste. So langsam kehrt erst die Normalität ein.“ Konrad Schullerus ist seit sechs Wochen Pfarrer der Bottendorfer Kirchengemeinde. Das wirkliche „Ankommen“ zieht sich unterdessen noch ein wenig: Konrad Schullerus wohnt mit seiner Frau Petra und den beiden Söhnen noch nicht in seiner neuen Gemeinde – das Pfarrhaus wird derzeit noch renoviert. Untergekommen ist er zunächst in einer Wohnung in Willersdorf, in einer Dachgeschosswohnung mit dem Charme eines schwedischen Ferienhauses, wie Schullerus sagt.

Im September kann er mit seiner Familie – die in wenigen Wochen Zuwachs erwartet – wahrscheinlich nach Bottendorf ziehen und sich einrichten. Bis dahin ist aber noch viel zu tun: Sein Vorgänger Pfarrer Reinhold Schott hat immerhin mehr als 20 Jahre im Pfarrhaus gewohnt. Das Gebäude wird derzeit nicht nur energetisch saniert, sondern bekommt auch teilweise neue Böden und frische Farben an die Wände. Aber Schullerus schaut nicht tatenlos zu und wartet, bis sein Haus bezugsfertig ist: Er ist ein Mann der Tat und wo er helfen kann, packt er an. Den Handwerkern will er dabei nicht in die Arbeit eingreifen: „Die können das viel besser als ich“. Das hindert ihn aber nicht daran, mit Brecheisen und Schutzhelm im Keller zu stehen und er alten Decke und der dahinter liegenden Glaswolle zu Leibe zu rücken. Auch sonst hilft er und bringt sich mit seiner Arbeitskraft ein. „Man lernt sich schneller kennen, wenn man nach getaner Arbeit den Staub gemeinsam mit einem Bier runterspült“, sagt der Pfarrer.

Noch ist Schullerus mitten in der Kennenlern-Phase. Zuvor sorgte er als Pfarrer im hessischen Borken für seine Schäfchen. „Hier ist vieles anders und nach und nach muss ich mir die einzelnen Felder erarbeiten.“ Das fange schon bei den Gottesdiensten an: Es gebe mindestens fünf verschiedene Möglichkeiten für den Pfarrer, diese zu beginnen. Doch festgelegt wird sich auf eine – die kann von Gemeinde zu Gemeinde variieren. „Der Gottesdienst ist ein Ritual, in dem die Menschen innere Ruhe finden sollen.“ Daher seien stets wiederkehrende Abläufe wichtig.

Die Beerdigungen, Trauungen und Taufen laufen auch nach anderen Regeln als an Schullerus‘ früherer Wirkstätte. „Der Kirchenvorstand hat das Recht, den Ablauf dafür festzulegen“, erklärt der Pfarrer. In Bottendorf werde ein Verstorbener etwa am Friedhof aufgebahrt, dann gehe die Trauergesellschaft gemeinsam ans Grab und anschließend zu einer Gedenkfeier in die Kirche. In Borken habe man die Gedenkfeier in der Friedhofskapelle abgehalten – der Weg führte gar nicht mehr in die Kirche. „Das hier ist für mich anders und neu, aber auch schön.“

Ganz neu sei für ihn der Kindergarten, der in Bottendorf in kirchlicher Trägerschaft ist. Wegen des neuen Anbaus und der baldigen Haushaltsverabschiedung der Kirchengemeinde habe er sich sehr schnell in dieses Thema einarbeiten müssen. „Vorher hatte ich einen Haushalt von 26.000 Euro. Hier haben wir 650.000 Euro“, erzählt er. Davon müsse er aber auch Lohn für Erzieherinnen und Geld für den Unterhalt der Gebäude bestreiten. „Dann muss man schon sehen, wie man die Kinderarbeit unterstützt und den Posaunenchor finanziell fördert“ – einen Posaunenchor, der deutlich mehr als 100 Mitglieder habe, daneben die Kirchenchöre. Und dann gibt es in Bottendorf noch den Männergesangverein, den Frauenchor und den Musikzug. „Diese Gemeinde hat eine unglaubliche, vielfältige Musikalität“ – das hat der neue Pfarrer sehr schnell gelernt.

„So langsam bekomme ich eine Ahnung von dem, was ich wissen sollte“, sagt Schullerus. Einiges wisse er schon, bei anderen Dingen habe er viele Menschen um sich, die er fragen könne. „Ich brauche für einen Vortrag einen Beamer“, nennt er ein Beispiel. Dass die Kirchengemeinde einen besitzt – das habe er schon rausgefunden. Jetzt muss er nur noch wissen, wer ihn hat. „Ich habe aber schon eine Vermutung und frage da nach. Ansonsten weiß diejenige aber sicher, wo er ist.“ Schullerus bringt seinen eigenen Stil ein Schullerus hat nicht nur Zeit, sich die bisherigen Abläufe anzuschauen. Er steckt auch schon in den Vorbereitungen: Bald kommt sein drittes Kind zur Welt, dann hat er erst einmal Urlaub.

„Danach geht es Schlag auf Schlag“ – ab dem 30. September folgen sehr wichtige kirchliche Feiertage dicht aufeinander: Erntedank, Totensonntag und schließlich die Adventszeit. Nicht mehr unendlich viel Zeit, zumal Schullerus allein an einer Predigt einen ganzen Tag arbeitet. „Für den Gottesdienst am Heiligen Abend muss ich auch noch einiges erfragen. Aber ich weiß schon, dass der Kindergottesdienst ein Krippenspiel aufführt.“ Noch etwa vier Monate will Schullerus sich Zeit geben, um seine Gemeinde näher kennen zu lernen. Dann werde er sich mit dem Kirchenvorstand besprechen: Welche Ziele beide haben und wie sie gemeinsam einen Weg für die Zukunft finden, wie die Arbeit ablaufen soll und wie Schullerus sich einbringen kann. „Ich bin nicht Pfarrer Schott. Ich habe meinen eigenen Stil und wir werden sehen, wie ich meine Spuren ziehen kann.“

Seinen eigenen Stil zeigt er jetzt schon: „Wenn ich auf einen Seniorennachmittag gehe, dann nehme ich mein Akkordeon mit“ – dann will er dort musizieren und mit den Senioren singen. Mitgebracht hat der 40-Jährige auch seine beiden Handpuppen: Trini und Tatis. Seine Frau unterstützt ihn und spielt in den Familiengottesdiensten oder bei Besuchen im Kindergarten die intelligente und brave Trinis. Schullerus selbst spielt Tatis – wie er selbst sagt, ein Junge, der aus einem kirchenfernen Milieu stammt und etwas frecher ist. Die Idee mit den Puppen hat er vom früheren Rosenthaler Pfarrer Hans-Georg Hentschel. Ihn kennt er aus der Wehrdaer Trinitatisgemeinde. „Die Menschen hier finden Trini und Tatis sehr gut“, schildert Schullerus seinen Eindruck. Bei der Einweihung des Kindergarten-Anbaus hatten er und seine Frau mit den beiden ein Anspiel über lebendige Steine gezeigt.

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