Alte Waldbewirtschaftung bleibt modern

Mit dem Brabanter im Wald

Frankenau-Louisendorf - Mit einem Kaltblut im Wald arbeiten: Was wie eine Szene für einen historischen Film wirkt, hat mit Nostalgie wenig zu tun. Im Revier des Louisendorfer Försters Jürgen Bachmann kommt derzeit ein Brabanter für das naturnahe Pflanzen von Buchen zum Einsatz.

Ruhig, beinahe stoisch zieht der Brabanter seine Runden durch das kleine Waldgebiet auf dem Ebersköppel bei Gellershausen. Der Kaltblüter zieht hinter sich eine Furche durch den lockeren Waldboden, alle paar Zentimeter plumpst eine Buchecker aus einem gesondert hergestellten Pflug in die Rinne.

„Das ist eine sehr, sehr naturnahe Art, Bäume zu pflanzen“, sagt Robert Schmidt aus Sohra in Sachsen. Der Forstunternehmer lenkt seinen Brabanter durch das schwer zugängliche Waldstück auf dem Ebersköppel, umkurvt Lärchen, zieht den Pflug durch Heidelbeeren. „Mit Nostalgie hat das nicht viel zu tun“, sagt Schmidt - auch wenn es so aussehen mag: ein Mann, ein Pferd, ein Wald. Doch der Sachse ist auf diese Art der Waldbewirtschaftung spezialisiert - viele wie ihn gibt es nicht mehr in Deutschland.

Beauftragt hat ihn und sein Pferd das Frankenberger Forstamt. „Die Idee ist mir im vergangenen Frühjahr gekommen“, erinnert sich Jürgen Bachmann, Revierförster von Louisendorf. Bei einer Fachexkursion wurde er auf die umweltschonende Art der Waldbewirtschaftung aufmerksam. „In die Bestände dürfen wir ohnehin nicht mit schweren Maschinen einrücken“, erklärt sein Referendar Jérôme Metz. Um die Buchen zu setzen, wäre also klassische Handarbeit gefragt gewesen - oder eben der Brabanter.

„Hier auf dem Ebersköppel geht es bei dem Einsatz ganz klassisch um Naturschutz“, erläutert Carsten Müller vom Naturpark: Im Rahmen des Naturschutz-Großprojektes soll ein Lärchenbestand im Laufe von Jahrzehnten nach und nach in einen Buchenbestand umgewandelt werden. Gleich nebenan steht ein alter Hutewald. „Das ist für viele Arten hochinteressant“, erklärt Bachmann: Früher wurden Bucheckern, das Laub und auch das Holz der Hutewälder genutzt. Durch das regelmäßige Entnehmen von Ästen und kleineren Stämmen sind keine geraden, für Bauholz geeigneten Bäume gewachsen, sondern urwüchsige Kreaturen, gespickt mit Löchern und Höhlen. „Wir wollen versuchen, langfristig diese Art von Nutzung nachzuahmen“, sagt Bachmann.

Und dazu gehört eben auch, die Bäume nicht gezielt zu setzen, sondern den biologischen Lebensrhythmus von Anfang an nachzubilden. Nicht jede der in die Furche gefallenen Bucheckern wird aufgehen. „Und die stärksten Pflanzen werden sich durchsetzen“, sagt Robert Schmidt. Die Samen stammen allesamt von Bäumen aus der unmittelbaren Nachbarschaft. „So stellen wir sicher, dass schon die Mutterbäume gut an die hiesigen Bedingungen angepasst sind“, erläutert Bachmann.

Rund 20 Kilogramm Eckern werden an diesem Tag in dem Waldstück ausgebracht - etwa 200 Kilogramm sind es im Bereich des Louisendorfer Reviers in der gesamten Saison. Um sie zu ernten, werden unter stark tragenden Bäumen im Herbst Netze ausgelegt. Eckern, Stöcke, Steine - vieles liegt nach sechs Wochen auf diesem Netz. In einer „Windfege“ werden störende Bestandteile entfernt, dann die Eckern eingelagert.

Bevor die Eckern schließlich wieder gepflanzt werden, müssen sie aus dem Winterschlaf erwachen: Leichte Feuchtigkeit signalisiert den Frühling. Schließlich kommen die Früchte wenige Stunden vor der Aussaat für 60 Minuten in einen Wasserbottich. „Das ist besonders wegen der derzeit geringen Niederschläge wichtig“, sagt Referendar Metz.

20 Kilogramm Eckern - das würde für einen kompletten Buchenwald reichen. Doch es geht um die Schaffung eines Mischwaldes. „Auf Verbissschutz verzichten wir bewusst und setzen stattdessen auf die Masse der Pflanzen“, sagt Revierleiter Bachmann. Haben die ersten Buchen die kritische, fraßgefährdete Wuchszone verlassen, soll damit begonnen werden, den Lärchenbestand auszudünnen. „Später stehen hier neben den Buchen vereinzelte Lärchen, mal eine Tanne oder eine Eiche“, sagt Bachmann. Denn in der Forstbewirtschaftung hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: „Mit Mischwald sind wir am besten für den Klimawandel gerüstet“, weshalb Monokulturen durchbrochen werden. Mittelfristig setzte man daher auf die Buche, die Douglasie, die Fichte und die Weißtanne.

Und dabei geht es nicht immer nur - wie auf dem Gellershäuser Ebersköppel - um den reinen Naturschutz: In den nächsten Tagen ist der Brabanter auf weiteren Flächen des Louisendorfer Reviers im Einsatz. Die werden wirtschaftlich genutzt, sind aber für ein Tier leichter zugänglich als für Menschen oder gar Maschinen.

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