Erste Mitgliederversammlung nach dem Wahl-Debakel und ohne die Engelhardts

CDU braucht einen starken Mann

499203-20120316091500.jpg

Frankenberg - Es rumort weiter in der Frankenberger CDU: Bei der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend wurden Rücktrittsforderungen an die Vorstände von Partei und Fraktion laut.

Einig sind sich die Christdemokraten darin, dass die 17 Prozent, die Bernd Bluttner bei der Bürgermeisterwahl erreicht hat, ein katastrophales Ergebnis sind. Uneinig ist man sich indes über die Konsequenzen, die nach dem Debakel vom 26. Februar zu ziehen sind. Es gibt Stimmen, die den Rücktritt der kompletten Führungsmannschaft fordern, um damit einen klaren Schnitt zu signalisieren. Es gibt aber auch Mitglieder, die zumindest rein personell keine Veränderungen wollen.

Rücktrittserklärungen blieben am Donnerstagabend aus. Allerdings wurde vereinbart, dass Ende April erneut eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden soll. Ob es dann zu Vorstandswahlen kommt, blieb offen. Die Schuldzuweisungen für das Wahl-Debakel jedenfalls gingen gestern Abend munter hin und her. An der Diskussion beteiligt waren auch diejenigen CDU-Mitglieder, die im Wahlkampf offen bekundet hatten, Rüdiger Heß zu unterstützen.

Das Kernproblem der Frankenberger CDU liegt auf der Hand und ist den Akteuren schon lange klar: Nach dem Weggang von Bürgermeister Christian Engelhardt fehlt den hiesigen Christdemokraten ein starker Mann. Und auch die Ehefrau des Ex-Bürgermeisters, Daniela Engelhardt, hat eine beträchtliche Lücke hinterlassen. Die Engelhardts haben der Stadtverordnetenfraktion und der Parteiführung die politische Arbeit leicht gemacht: Sie gaben den Weg vor und arbeiteten die Strategien aus.

Und jetzt? Die CDU stellt zwar nicht mehr den Bürgermeister, führt aber immer noch die Koalition im Stadtparlament an. Just dafür brauchen die Christdemokraten einen starken Mann oder eine starke Frau. Denn derzeit ist von den Junior-Partnern im Parlament, den Grünen, mehr wahrnehmbar als von der CDU, die sich fast drei Wochen nach der Wahl noch immer in der Schockstarre befindet. Spötter bezeichneten Uwe Patzer, den Fraktionschef der Grünen, unlängst als den wahren Frankenberger CDU-Chef. Und der Erste Stadtrat Willi Naumann, ebenfalls Mitglied der Ökopartei, hat sich als stellvertretender Bürgermeister längst Respekt und Sympathien erarbeitet. Bei der CDU indes mangelt es an Führung, sagen Kritiker des Vorstands.

Ob es an der Spitze der Fraktion einen Wechsel gibt, darüber werden die Stadtverordneten der CDU am Samstag beraten. Der gescheiterte Bürgermeisterkandidat Bernd Bluttner indes erklärte bei der Mitgliederversammlung, er werde seine Arbeit im Magistrat fortsetzen.

Eine offizielle Erklärung zur Mitgliederversammlung war am Donnerstagabend noch nicht zu bekommen. Parteichef Rainer Hesse verwies darauf, dass sich der Vorstand heute in einer Pressemitteilung erklären werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare