Schausteller Jörg Grünberg kommt seit 15 Jahren zum Frankenberger Pfingstmarkt

Der "Breakdance" bleibt ein Renner

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Beim Aufbau ist Muskelkraft erforderlich. Jörg Grünberg beschäftigt fünf Mitarbeiter, bei Bedarf zusätzliche Aushilfen.Foto: Mark Adel

Frankenberg - Ein „bürgerliches“ Leben wollte Jörg Grünberg nie führen. Er hat es vier Jahre lang probiert und sich dann für seine wahre Berufung entschieden. Der 47-Jährige ist Schausteller mit Leib und Seele, sein Breakdance schon seit 15 Jahren eines der Zugpferde beim Frankenberger Pfingstmarkt.

„Vasili, mach erst den Bolzen rein.“ Jörg Grünberg verfolgt mit wachem Blick die Handbewegungen seiner Mitarbeiter. Mit Sonnenbrille im Gesicht und Zigarette in der Hand steuert er den Kran, der die scheinbar wahllos durcheinanderliegenden Teile des Breakdance vom Lkw-Auflieger auf den Boden hebt. Grünberg kennt jede Schraube und jedes Kabel des Fahrgeschäfts.

Der 47-Jährige aus Neukirchen im Knüll ist schon in der fünften Generation Schausteller. Seine Eltern besaßen ein Kinderkarussell, Schießbuden, ein Kettenkarussell und eine Losbude. Er und sein Bruder wuchsen damit auf. „Unser Vater machte uns drei Auflagen: Wir mussten die Realschule abschließen, einen Lkw-Führerschein machen und eine Lehre abschließen. Dann durften wir entscheiden, was wir machen wollen“, sagt der 47-Jährige.

Sein Bruder entschied sich gegen den Schaustellerberuf, er dafür. Die Maschinenbau- und Elektrikerlehre legte den Grundstock für das technische Verständnis für die Fahrgeschäfte, und er lernte auch mal das Leben abseits der Volksfeste kennen. „Die Lehre hat mich geformt“, sagt er. „Ich bin mir nicht zu schade, auch mal selbst anzupacken.“

Er mag das Leben unterwegs. „Es ist jede Woche das Gleiche und doch anders.“ Mit 23 Jahren hat er mit Unterstützung seiner Eltern sein erstes Fahrgeschäft gekauft, einen sogenannten Hopser. Während seine Eltern sich eher auf hessische Veranstaltungen beschränkten, war Jörg Grünberg bald in ganz Deutschland unterwegs.

Dieses Leben mag er, auch wenn für Kirmesromantik oft die Zeit fehlt. „Beim Aufbau kann es schon mal ruhiger sein.“ Seit Dienstag ist er da, am Mittwoch stand der Breakdance - und gestern bestand er erfolgreich den Testlauf. Übrigens ohne Jörg Grünberg in der Gondel: „Ich fahre seit Jahren nicht mehr. Das überlasse ich meiner Frau und meinem Sohn.“

Beim Pfingstmarkt wird es ab heute spät. Die Arbeitstage beginnen um 9 Uhr und enden irgendwann in der Nacht. Sein Fahrgeschäft gehört zu denen, die tagsüber Familien und abends die Jugendlichen anziehen und deshalb - im Idealfall - stets umlagert sind.

1994 kaufte Grünberg den Breakdance, nachdem er ein solches Fahrgeschäft zuvor einige Wochen gemietet hatte. 1,4 Millionen Mark investierte er damals, die gleiche Summe ist das Gerät heute in Euro wert. Auch, weil Grünberg immer wieder investiert - vor allem in die Sicherheit. „Die geht vor“, sagt er. Völlig verhindern lassen sich Unfälle nicht - etwa, wenn alkoholisierte Besucher in die fahrenden Gondeln stürzen. Da helfen auch die immer strenger werdenden Richtlinien zur Sicherheit nicht. 32 Mitfahrern bietet der Breakdance Platz.

Sein Geschäft ist ein rollendes Unternehmen. Jörg Grünberg beschäftigt fünf Mitarbeiter, mit Frau und Sohn lebt er in einem 70 Quadratmeter großen Wohnwagen - eine Sonderanfertigung mit abgetrenntem Kinderzimmer. In der Nacht zu Dienstag beschäftigt er zusätzliche Aushilfen, denn der Abbau muss besonders schnell gehen: Ab Donnerstag steht sein Breakdance schon auf dem Kiliansmarkt in Korbach. Auf drei Sattelaufliegern wird der 70 Tonnen schwere Breakdance transportiert.

Der Pfingstmarkt gehört für den Schausteller zu den schönsten Festen in Deutschland, „obwohl Frankenberg eher klein ist. Aber das Einzugsgebiet ist riesig“. Er hofft auf gutes Wetter - „ideal sind 25 Grad und ein bewölkter Himmel“. Regen kann den Umsatz um die Hälfte drücken, „und die Fixkosten bleiben ja. Schlimmstenfalls lege ich drauf“. Grünberg und seine Frau besitzen Wohnungen in Neukirchen und München. In diesem Winter ist die Familie aber erstmals gar nicht aus dem Wohnwagen ausgezogen: Ende Dezember traf sie zu Hause in Neukirchen ein, im März begannen die ersten Veranstaltungen. „Da lohnt das Ausräumen nicht.“ In dieser Zeit werden die Fahrgeschäfte - neben dem Breakdance besitzt Grünberg noch ein großes Kettenkarussell - gewartet und gepflegt. Seine Frau, die aus einer Münchener Schaustellerfamilie stammt, hat es mit in die Ehe gebracht.

In diesem Jahr ist Jörg Grünberg erstmals beim Münchener Oktoberfest mit dem Breakdance zu Gast. Der Zusage war ein umfangreiches Aufnahmeverfahren vorausgegangen. Sohn Jörg junior, der nur auf „JJ“ hört, ist fünf und schon eifrig dabei. Demnächst wird er die fahrende Schule besuchen. Die nächste Generation? „Wenn er das mal will“, sagt Jörg senior.

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