28-Jähriger erklärt, warum "Kickern" mehr als ein Kneipenspiel ist

Der Bromskircher Niklaas Westermann ist ein Meister im Tischfußball

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Niklaas Westermann aus Bromskirchen ist deutscher Vizemeister im Tischfußball

Bromskirchen. Der Bromskircher Niklaas Westermann ist ein Fußballstar. Im Tischfußball. Der 28-Jährige ist Deutscher Vizemeister im Doppel geworden, vergangenes Jahr war er Meister im Einzel. Die HNA hat ihn zu einem Testspiel herausgefordert. 

Zu unserem kleinen Testspiel am Kickertisch bringt Niklaas Westermann eine Dose Möbelpflege mit. „Wenn das Lager gut geschmiert ist, kann man beim Schuss Geschwindigkeiten bis 50 km/h erreichen“, sagt er und sprüht die Stangen des Tischs ein. Beim Tischfußball macht Niklaas Westermann keiner was vor. Der 28-jährige Bromskircher ist einer der besten Spieler in Deutschland. 2016 wurde er Deutscher Meister im Einzel, dieses Jahr Zweiter im Doppel.

Der Tisch

„Die Tischqualität beim Kicker ist wichtiger als die Platzverhältnisse beim echten Fußball“, sagt Niklaas. Größe, Bälle und die Abstände der Stangen und Spieler („Puppen“) sind genormt. Die elf Puppen sind im System 1-2-5-3 auf vier Stangen aufgereiht. Vom Weltverband sind aber unterschiedliche Tische zugelassen.

Die Regeln

Ein Spiel geht je nach Wettbewerb bis 5 oder 6 und über drei bis fünf Gewinnsätze. „Das kann schon mal eine Stunde dauern“, sagt Niklaas. Zu Spielbeginn wird der Ball nicht durch das Loch in der Seitenwand eingerollt, sondern wie beim echten Fußball im Mittelkreis einer Figur an den Fuß gelegt. Und es gibt auch Fouls: Wenn man zum Beispiel die gegnerische Stange berührt oder mit der eigenen zu hart gegen die Seitenwand schlägt. Deshalb gibt es auch beim Tischfußball Schiedsrichter. Allerdings keinen Videobeweis.

Die Technik

„Drillern ist nicht erlaubt. Die Stange darf nur ein Mal um 360 Grad vor oder zurückgedreht werden“, sagt Niklaas. Dass man trotzdem hart und überraschend schießen kann, zeigt er beim 1:0 – schnell und ansatzlos versenkt er den Ball aus der 5er-Reihe im Tor. „Das war der Jet, mit dieser Technik mache ich die meisten Tore“, verrät er: Während ein Spieler den Ball am Fuß hat, wird die Stange mit dem Handgelenk in einer Bewegung zur Seite gezogen und gleichzeitig zum Schuss gedreht. „Schnelligkeit und Reaktionsvermögen sind wichtig“, sagt Niklaas. „Technisch sind viele auf hohem Niveau, man muss auch gut im Kopf sein.“

Die Taktik

Das Stellungsspiel sei sehr wichtig, vor allem in der Abwehr. Hat der Gegner den Ball, stellt Niklaas seine beiden Abwehrreihen so auf, dass sie möglichst viel des Tores abdecken. Mit beiden Händen geht er dann vorne an die 5er- und die 3er-Reihe. Hat er selbst den Ball, versucht er, ihn von Reihe zu Reihe nach vorne zu passen. Er kann ihn aber auch platziert von hinten über die Bande ins Tor schießen, wie er beim 2:0 eindrucksvoll zeigt. „Es ist gut, wenn man nicht so leicht auszurechnen ist“, sagt Niklaas. Er ist eher Stürmer – wie im echten Fußball.

Das Training

Als Niklaas 2008 mit Tischfußball begonnen hat, hat er jeden Tag zwei bis drei Stunden trainiert. „Man macht unheimlich schnell Fortschritte.“ Er übt dann zum Beispiel zigmal, den Ball an der Abwehr vorbei ins Tor zu schießen. Heute fährt er ein Mal pro Woche zum Training nach Gießen. „Die Technik hab ich drin, ich muss sie nur abrufen.“ Niklaas spielt beim VfB Rodheim in der 1. Bundesliga. Dafür hat er seine eigene Karriere als Fußballer zurückgestellt. „Es ist aber ein Vorteil, dass ich selbst Fußball spiele.“

Unser Spiel

Niklaas und ich haben uns schon mal im echten Fußball gegenübergestanden, im Kreispokalfinale 2011. Ich beim A-Ligisten Laisa/Berghofen, er beim Verbandsligisten FC Ederbergland. Damals haben wir beim 1:4 gut mitgehalten, diesmal bin ich chancenlos. 5:1, 5:1 gewinnt Niklaas die beiden Sätze. Bei meinem ersten Tor lenke ich ihn mit einer Frage ab, das zweite ist ein Zufallsglückstreffer, den selbst er nicht verhindern kann. Gut, wenn man nicht so leicht auszurechnen ist.

Die Deutsche Meisterschaft

Hat alles im Griff: Niklaas Westermann aus Bromskirchen ist einer der besten Tischfußballspieler in Deutschland. Wir haben ihn zu einem Testspiel im Eder-Bowlingcenter in Frankenberg getroffen. Foto:  Paulus

Bei den Deutschen Meisterschaften im Tischfußball, die seit einigen Jahren immer im Center-Parc in Medebach ausgetragen werden, ist Niklaas Westermann in diesem Jahr Zweiter im Doppel geworden. Sein Partner war Oke Harms aus Berlin. Im vergangenen Jahr hat Niklaas im Einzel sogar den Deutschen Meistertitel gewonnen. „Das war für mich selbst überraschend, weil ich nicht zum Favoritenkreis gehörte“, sagt der 28-jährige Bromskircher. Bei der WM dieses Jahr in Hamburg ist er Achter geworden. Sein Ziel ist, mit der Nationalmannschaft bei der WM 2019 in Spanien dabei zu sein. „Dafür muss ich nächstes Jahr einige Turniere spielen, auch im Ausland. Viele Turniere auf hohem Niveau sind sowieso das beste Training“, sagt er.

Zur Person

Niklaas Westermann (28) stammt aus Hallenberg und wohnt in Bromskirchen. Er arbeitet als Versuchsingenieur für Forschung und Entwicklung bei der Firma Viessmann in Allendorf. Fußball hat er beim FC Ederbergland, bei der SG Nuhnetal und beim TuS Medebach bis zur Verbandsliga gespielt. 2008 hat er mit Tischfußball begonnen, dafür ist er beim Fußball kürzergetreten; heute spielt er beim TSV Bromskirchen in der A-Liga. Sein Tischfußball-Verein ist der Bundesligist VfB Rodheim/Horloff bei Hungen im Kreis Gießen.

Quelle: HNA

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