FZ-Serie: Erste große Proben der „kleinen“ Orchesterklasse an der Edertalschule

Bühnenluft geschnuppert

+

Frankenberg - Die neue Orchesterklasse der Edertalschule findet durchs gemeinsame Musizieren zusammen.

Gerade acht Wochen sind sie nun an der Edertalschule und gewöhnen sich noch ein. Erst im Sommer waren sie noch „die Großen“ in der Grundschule, jetzt sind sie „die kleinen Neuen“. Neu, ja. Aber klein? Da sitzen 22 selbstbewusste Schüler mit ihren Instrumenten auf der Bühne der Kulturhalle und proben mit ihrem „Dirigenten“ und Leiter Martin J. Fischer zum ersten Mal ein Lied nach Noten.

Sie setzen jetzt schon Töne und Rhythmus zusammen, sie hören konzentriert aufeinander, sie musizieren miteinander und singen dazu. Und das ist schon „ganz großes Kino“.

Dieses erste Stück heißt „This Land is your Land“, Martin Fischer hat das alte amerikanische Volkslied für die Orchesterklasse so arrangiert, dass es nur auf leeren Saiten gezupft oder mit zwei verschiedenen Tönen geblasen werden kann - und es klingt beeindruckend. Die jungen Gymnasiasten wundern sich über sich und strahlen.

Der Einblick in den Alltag der neuen Orchesterklasse fünf der Edertalschule zeigt, wie das Bildungsangebot der Edertalschule in Zusammenarbeit mit der Frankenberger Musikschule erfolgreich umgesetzt wird. Was bereits im zehnten Jahr praktiziert wird, dient nicht nur der Nachwuchsförderung für das große Jugendsinfonieorchester. Die Kinder bekommen eine musikalische Ausbildung, die der Persönlichkeitsentwicklung dient und sich nicht selten auch auf andere Felder der Schulausbildung auswirkt.

Der Grundstein dafür wird bereits durch den Musikunterricht und viele Zusatzangebote wie Musik-, Flöten-, Chor- oder gar Musical-AGs in den zuführenden Grundschulen gelegt. Auch die Musikschule bietet viel an zum Thema musikalische Früherziehung. Darüber hinaus haben manche Kinder schon privaten Instrumentalunterricht gehabt oder sind in Posaunen- oder Kinderchören der kirchlichen Gemeinden engagiert.

Doch wie kommen die Schüler in die Orchesterklasse? Was sind die Voraussetzungen?

Die Vorbereitungen starten im Januar mit einem ersten Erfahrungsaustausch zwischen Musiklehrern der Grundschulen des Frankenberger Landes und der Edertalschule.

Der erste Berührungspunkt der Viertklässler mit der laufenden Orchesterklasse fünf ist der „Tag der offenen Tür“ an der Edertalschule im Februar. Dabei informieren die Musiklehrer die Eltern, deren Kinder haben zum ersten Mal die Möglichkeit, mit den musizierenden Fünftklässlern „auf Tuchfühlung zu gehen“. Mit der Anmeldung im März/April zur weiterführenden Schule wird das Interesse an der Orchesterklasse unverbindlich abgefragt.

Im Mai organisiert das Gymnasium einen Informationstag speziell zum Thema Orchesterklasse für Kinder und ihre Eltern. Mit der Musikschule werden viele inhaltliche und technische Fragen thematisiert. Und auch die bestehende Orchesterklasse ist wieder dabei und zeigt die bisherigen Ergebnisse ihrer Ausbildung. Selbst Kinder ohne instrumentale Vorkenntnisse sind oft so fasziniert, dass sie sich spontan für die Orchesterklasse anmelden, die Frist läuft aber noch bis Anfang Juni. Die Anmeldung ist freiwillig, aber verbindlich für zwei Jahre.

Voraussetzung für den Eintritt in die Orchesterklasse ist eine Gymnasialempfehlung der Grundschule. „Es hat sich in den neun Jahren gesammelter Erfahrungen die Erkenntnis ergeben, dass die Mehrbelastung der Orchesterklassen-Kinder nur durch die Fähigkeiten geleistet werden können, die ein Gymnasialkind im Allgemeinen ausmachen: Selbstständigkeit, Belastbarkeit, Ausdauer und Konzentration“, sagt der Leiter des Jugendsinfonieorchesters, Markus Wagener. „Denn die Kinder bewältigen neben der musikalischen Ausbildung den normalen Schulalltag mit vollem Stundenplan, Hausaufgaben und Klausuren in Zeiten von G8“ - also des umstrittenen „Turbo-Abiturs“ nach acht statt neun Schuljahren.

Schließlich wird Mitte Juni das lang ersehnte Schreiben versandt: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihr Kind aufgenommen wird ...“

Zu Beginn des neuen Schuljahres durchlaufen die Schüler der Orchesterklassen einen „Schnuppertag“, nach dem alle zur Verfügung stehenden Instrumente verteilt werden - die FZ berichtete.

Die Kinder haben dann drei statt der üblichen zwei Stunden Musikunterricht, von denen je eine Stunde regulärer Musikunterricht, der Instrumental-Unterricht in Kleingruppen und eine Stunde „Orchesterprobe“ ist. Damit hat die Orchesterklasse schon von der fünften Klasse an mindestens einmal Nachmittagsunterricht. Bedingung ist zudem das Erlernen eines neuen Instrumentes, damit alle Schüler die gleichen Voraussetzungen haben. Der Unterricht wird von Lehrern der Musikschule in der Edertalschule und der Ortenbergschule erteilt.

Das Instrument wird für zwei Jahre ausgeliehen. Die Kosten hierfür betragen monatlich 34 Euro für Unterricht, Instrumenten-Ausleihe und -Versicherung. Vorteil ist, dass die Kinder den Instrumentalunterricht während der Schulzeit erhalten, somit sind keine zusätzlichen Fahrten notwendig.

Die für den „Schwerpunkt Musik“ übliche Ausbildung wird auf eine längere Sicht angelegt: Die ersten beiden Jahre als Orchesterklasse bilden die „Grundausbildung“, die die Schüler für den Eintritt ins Jugendorchester vorbereiten. Nach weiteren zwei Jahren sind die Kinder durch Instrumentalunterricht, weiteres Üben und die Erfahrungen im Jugendorchester so weit, dass sie die kleine Aufnahmeprüfung für den Eintritt ins Jugendsinfonieorchester schaffen.

Fürs Leben geprägt

Die Eindrücke durch regelmäßige Proben, kleine Auftritte, große Konzerte, Konzertreisen und Probenfreizeiten, das Zusammenspiel und der Zusammenhalt des Orchesters, gepaart mit der musikalischen Ausbildung prägen für das Leben. Nicht selten schlagen die jungen Musiker nach dem Abitur eine musikalische Karriere ein und studieren Musik. Oft geben sie jüngeren Schülern in ihrer Freizeit Instrumentalunterricht und nehmen auch weiterhin private Stunden. Davon sind die Kinder der Orchesterklasse fünf jetzt noch weit entfernt, aber an einem sind sie schon ganz nah dran: an der Musik und daran, „Bühnenluft zu schnuppern“.

von Dorothea Wagener

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare