Bürgermeister Junghenn im Interview: "Die Schulden zurückfahren"

Allendorf-Eder. 4273 Allendorfer sind aufgerufen, am 14. August über die Wiederwahl von Claus Junghenn als Bürgermeister zu entscheiden. Der 51-Jährige (parteilos) bewirbt sich um eine dritte Amtszeit und ist einziger Kandidat. Im Interview spricht er über Erreichtes und neue Ziele.

Herr Junghenn, wann hat Sie zuletzt jemand aufs Kreuz gelegt?

Claus Junghenn (lacht): Das waren unsere Kampfsportler, beim Sport- und Kulturfest des SV Allendorf.

Claus Junghenn

Passiert so etwas auch schon mal im politischen Bereich?

Junghenn: Nein. Aufs Kreuz gelegt – das heißt ja immer auch, ein bisschen getäuscht worden zu sein. Wenn wir uns im Parlament schon mal gestritten haben, dann hat jeder seine Position vertreten – mit offenem Visier.

Es gibt zum zweiten Mal bei einer Bürgermeisterwahl in Allendorf keinen Gegenkandidaten. Wie kommt denn das?

Junghenn: Vielleicht ist es eine Bestätigung meiner Person. Bei den Kollegen, die Gegenkandidaten hatten – ich weiß es von Karl-Friedrich Frese und Heinfried Horsel – war die Vorbereitungszeit auf die Wahl schon intensiver zu betreiben. Ohne Gegenkandidaten ist es etwas einfacher.

Wie sieht denn Ihr Wahlkampf aus?

Junghenn: Ich habe Flyer drucken lassen, in denen ich ein bisschen Rückblick und Ausblick gebe. Am 4. August werde ich im Bürgerhaus eine zentrale Veranstaltung anbieten. Das soll es eigentlich gewesen sein.

Was kostet Ihr Wahlkampf? Wer bezahlt ihn?

Junghenn: Er kostet etwa 5000 Euro. Und das bezahle ich selbst.

Wenn Sie zurückblicken: Was haben Sie in den vergangenen sechs Jahren erreicht?

Junghenn: Ich möchte nicht nur auf die letzten sechs Jahre schauen, sondern auf die gesamte Amtszeit. Viele Dinge waren schon eingetütet, zum Beispiel das Neubaugebiet Homberg. Was mir persönlich viel Spaß gemacht hat, war die Geschichte Kunstrasenplatz. Das war mir auch ein persönliches Anliegen, weil ich selbst Fußballer bin. Auch der Radweg hoch nach Bromskirchen war eine sehr gelungene Investition.

Wie wirkt sich der demografische Wandel in Allendorf aus?

Junghenn: 2003 gab es in Allendorf noch 5762 Einwohner, 2010 waren es 5578. Die Zahlen sind noch relativ gut, weil wir natürlich durch Viessmann Zuwanderungen haben. Von der Gesamtstruktur sind wir konkurrenzfähig. Aber das wird schon eine Herausforderung werden für die nächsten Jahre.

Was kann man als Kommune dagegen tun?

Junghenn: Man muss Infrastruktur vor Ort schaffen: Krippen, Kindergärten. Ein schulisches Angebot muss da sein. In der politischen Diskussion ist im Augenblick das betreute Wohnen für Senioren. Man muss sich rundum gut aufstellen. Das Wichtigste ist, dass auch Arbeitsplätze dabei zur Verfügung stehen. Das ist unser Pfund, das wir noch haben. Die Firma Viessmann bietet am Ort ein gutes Angebot, auch für qualifiziertere Arbeitskräfte.

Welche Projekte stehen in der näheren Zukunft an? Der Kreisel B 253/B 236?

Junghenn: Ja - das wird ein wichtiges Thema. Die Zuschuss-Anträge müssen bis September auf den Weg gebracht werden, um möglicherweise im nächsten Jahr in die Bezuschussung zu kommen.

Ist es richtig, dass jetzt ein runder Kreisel geplant wird?

Junghenn: Ja. Zwischendurch hatte ein Planer das wegen Kurvenradien und vom Platz her in die Länge gezogen. Im Moment ist der Kreisel aber wieder rund.

Wird das weitere Geschäfte ins Einkaufszentrum locken?

Junghenn: Ich denke, dass es für das Einkaufszentrum insgesamt eine Aufwertung bedeutet, weil man dann direkt von der Bundesstraße in die Ringstraße fahren kann. Für die Flächen, die direkt anliegen, sind auch schon potenzielle Investoren da. Ich gehe davon aus, dass weitere Flächen dort noch interessanter werden für den Einzelhandel. Es wird wohl auch Verlagerungen geben.

Ein weiteres Projekt ist der Anbau an das Feuerwehrhaus...

Junghenn: Den wollen wir dieses Jahr noch einweihen. Wir wollen dort noch eine Fotovoltaikanlage mit einplanen.

Tennishalle?

Junghenn: Schwieriges Thema. Da läuft noch das in Auftrag gegebene Gutachten. Das Dach wird ein großes Thema sein. Ich kann dort als Gemeinde keinen Sportbetrieb betreuen. Da muss schon eine Initiative von den Vereinen kommen.

Betreutes Wohnen?

Junghenn: Da waren wir eigentlich schon ziemlich einig mit einem Träger. Dann haben wir uns jedoch wieder ein bisschen auseinander dividiert, weil wir andere Vorstellungen vom Standort hatten. Es läuft gerade die Auswertung einer Befragung unter allen über 75-Jährigen.

Wie geht es weiter mit dem Mittelzentrum Allendorf/Battenberg?

Junghenn: Es geht im Rahmen unseres Kommunalen Bündnisses im oberen Edertal weiter. Ich möchte nicht nur Allendorf und Battenberg nennen, weil wir inzwischen auch gemeinsam mit Hatzfeld und Bromskirchen auf einem sehr guten Weg sind, gemeinsam zu arbeiten. Aktuellstes Thema ist eine Zentralisierung der vier Standesämter.

Ihre bisherige Zusammenarbeit in den Bereichen Abwasser, Rechnungswesen oder Sportlerehrung in allen Ehren: Die Diskussion über eine Fusion von Battenberg und Hatzfeld hat aber doch gezeigt, dass Sie von einer gemeinsamen Kommune noch weit entfernt sind.

Junghenn: Ich bin weit davon entfernt, eine gemeinsame Kommune zu initiieren. Das wird ein Thema sein, das ganz am Ende einer Entwicklung stehen kann, in der wir im Moment noch sind. Ob das Battenberg ist, ob Hatzfeld, Bromskirchen oder wir: Primär schaut jeder zunächst auf seine eigene Gemeinde und versucht, dafür die besten Entscheidungen zu treffen. Das ist auch absolut legitim. Das ist die Aufgabe derjenigen, die dafür gewählt worden sind. Ehe es vielleicht irgendwann mal nur noch eine Kommune gibt, wird noch viel Wasser die Eder runterlaufen.

Haben Sie konkrete Ziele für Ihre nächste Wahlperiode?

Junghenn: Wir müssen mittelfristig unsere Schulden zurückfahren. Da sind wird uns im Gemeindevorstand einig. Das muss auf jeden Fall passieren, damit auch nachfolgende Generationen die Probleme lösen können, die aus der demografischen Entwicklung entstehen. Wir sagen natürlich auch nicht: Es gibt jetzt keine Investitionen mehr. Eine gesunde Abstimmung ist gefragt. Wenn wir mal was außer der Reihe zurückzahlen können, dann wollen wir das tun. Mein Ziel ist es, bis zum Jahr 2013 eine Million Euro Schulden weniger zu haben.

Bei der letzten Bürgermeisterwahl haben Sie 95 Prozent Ja-Stimmen erhalten...

Junghenn: Das war eine gute Zahl! (lacht)

Die spannende Frage bei nur einem Kandidaten ist die Wahlbeteiligung.

Junghenn: Natürlich. Logisch. Wenn 50 Prozent zur Wahl gingen – das wäre schon ein sehr gutes Ergebnis.

Von Thomas Hoffmeister

Quelle: HNA

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