Frankenberg

Bürgermeisterkandidat Hansen will „Streetworker“ und neue Räume für Jugendliche

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- Frankenberg (jos). Sollte Nicolas Hansen zum Bürgermeister gewählt werden, will er neben dem Jugendhaus zusätzliche Räume für junge Leute schaffen und einen „Streetworker“ einstellen.

Mehr als 50 junge Leute habe er am Samstagabend auf dem Gelände des Frankenberger Bahnhofs angetroffen, schildert Nicolas Hansen gegenüber der FZ. Das sei eine „nicht zu vernachlässigende Größenordnung“, so der Bürgermeisterkandidat. Er ist der Auffassung, dass die Stadt mehr für diese Jugendlichen tun sollte. Deshalb will er im Falle einer Wahl zum Bürgermeister zwei konkrete Projekte umsetzen:

  1. Die Stadt sucht nach geeigneten Räumen, die die Jugendlichen selbst gestalten und renovieren. Es gibt andere Öffnungszeiten als im Jugendhaus. Die Verwaltung übernehmen die jungen Leute selbst, unterstützt von der Stadt. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir so vielen jungen Menschen eine bessere Freizeitgestaltung ermöglichen. Eine Art Prävention und Jugendarbeit im Sinne der Familienstadt mit Zukunft“, erklärt Hansen. Vielleicht finde sich zusätzlich ein interessierter Gastronom, der in den neuen Räumen seine Zielgruppe entdeckt. Vorrangig sollte der Wirt alkoholfreie Getränke ausschenken.
  1. Frankenberg bekommt einen „Streetworker“, der sich regelmäßig um die Jugendlichen kümmert, die „nicht nur am Bahnhof weiter hinten, sondern auch an anderen Stellen unterwegs und bereits auf einem sehr kritischen Wege sind“. Es gebe keinen Notstand in Frankenberg, deshalb reiche ein Streetworker aus. „Allerdings halte ich es für dringend erforderlich, dass wir Erwachsenen mit den Jugendlichen sprechen“, erklärt Hansen. Über einen Streetworker ließen sich aus seiner Sicht „Übergriffe wie Sachbeschädigungen“ eher vermeiden. „Ich glaube, dass wir so einigen jungen Menschen doch noch helfen können, den richtigen Weg zu finden“, erklärt der Bürgermeisterkandidat.

Häufig werde nach Möglichkeiten gesucht, die Stadt so zu gestalten, wie es für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen gut ist. „Im Falle der Jugendlichen ist es ganz einfach, denn hier müssen wir nicht nach Lösungen suchen, sondern bekommen von ihnen die Ideen serviert“, schildert Hansen und berichtet von seinen Gesprächen am Samstag mit den Jugendlichen am Bahnhof. Mit großer Offenheit habe sich eine Gruppe von 14 jungen Leuten mit ihm unterhalten. Auf seine Frage, warum sie sich am Bahnhof treffen, hätten die Jugendlichen geantwortet: „Wo sollen wir denn sonst hin?“ Das Jugendhaus sei für die Gruppe keine Option, denn es schließe bereits um 20 Uhr, und außerdem sei die Betreuung – so die Jugendlichen – eher auf Jüngere ausgelegt.

Die Discotheken seien nicht das, was die Jugendlichen wollen, berichtet Hansen. Allerdings würden sie dem „Casa Mia“ nachtrauern, das vor einiger Zeit geschlossen hat. Dort hätten sich die jungen Leute häufig mit anderen Jugendlichen getroffen. Auf Nachfrage hätten die junge Leute einen konkreten Wunsch geäußert, so Hansen: Ein Raum, einfach nur zum Aufhalten und Reden. Besonders im Winter mangele es an Treffmöglichkeiten. „Es wird so viel getan für kleine Kinder, aber kaum etwas für Jugendliche“, habe ein Mädchen gesagt. „Nicht böse, sondern eher enttäuscht“, erklärt Hansen. Er ist sich sicher: „Die jungen Menschen sind bereit, sich zu engagieren und mitzuarbeiten, zum Beispiel bei der Gestaltung der Räumlichkeiten.“

Keiner der 14 Jugendlichen habe Alkohol dabei gehabt, schildert Hansen. „Wir tun nichts Böses, und vor uns muss sich auch niemand fürchten“, habe ein freundlicher Hinweis der Jugendlichen gelautet. Weiter hinten am Bahnhof seien hin und wieder ein paar Leute anzutreffen, die „auch mal anders drauf sind“. Auch auf diese Gruppe ist Hansen am Samstag zugegangen. Dort sei es alleine im Tonfall schon aggressiver zugegangen, berichtet der Bürgermeisterkandidat. „Ich stelle fest, dass an einem Ort unterschiedliche junge Menschen unterwegs sind, denen man auch unterschiedlich begegnen muss.“ Deshalb habe er sich die beiden beschriebenen Projekte „Streetworker“ und „zusätzliche Räume“ überlegt. Hansens Fazit nach den Gesprächen am Bahnhof: „Wenn wir wissen wollen, was die Jugend bewegt, dann müssen wir mit ihr sprechen.“

Bis zur Bürgermeisterwahl am 27. September will Hansen allerdings nicht nur mit Jugendlichen in Kontakt treten. Für die nächsten sieben Wochen hat er sich 7000 Frankenberger Haustüren vorgenommen. „Wen ich nicht auf irgendeiner Veranstaltung ansprechen kann, den treffe ich hoffentlich an seiner Haustür und habe dort die Möglichkeit, mich vorzustellen.“

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