Amtsinhaber ist am 28. Oktober einziger Kandidat

Bürgermeisterwahl in Hatzfeld: Dirk Junker im Interview

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Bürgermeister Dirk Junker steht am Denkmal mit dem gallischen Hahn zur Städte-Partnerschaft zwischen Hatzfeld und Cloyes in Frankreich.

Hatzfeld. Vor sechs Jahren standen fünf Namen auf dem Wahlzettel, diesmal ist es nur einer: Dirk Junker ist bei der Bürgermeisterwahl am 28. Oktober in Hatzfeld der einzige Kandidat.

Woran das liegen könnte, haben wir den parteilosen Amtsinhaber im Interview gefragt. Es sei ein Zeichen, sagt er, dass er nicht alles falsch gemacht habe. Und dennoch ist nicht alles optimal gelaufen in seiner ersten Amtszeit, wie er zugibt.

Herr Junker, bei Ihrer ersten Wahl vor sechs Jahren hatten Sie vier Gegenkandidaten. Waren Sie in Ihrer ersten Amtszeit so überzeugend, dass jetzt niemand mehr gegen Sie antritt?

Dirk Junker:Ich war auch überrascht. Andererseits ist das ein Zeichen, dass ich nicht alles falsch gemacht habe und dass die Bevölkerung zufrieden ist, auch wenn man es nicht allen recht machen kann. Ich denke, ich habe einiges auf den Weg gebracht.

Die Parteien und Bürgerlisten wirken zur Bürgermeisterwahl teilnahmslos. Auch in Stadtverordneten-Sitzungen kommen wenige Anträge der Fraktionen, es ist wenig Eigeninitiative erkennbar. Was ist los mit der Hatzfelder Politik?

Junker: Ich arbeite mit allen Fraktionen offen und konstruktiv zusammen. Initiativen der Fraktionen werden schon im Vorfeld besprochen, zum Beispiel in der Wasserversorgung. Sachverhalte werden in Vorbereitung auf die Parlamentssitzung in den Ausschüssen intensiv diskutiert. Ich hoffe, dass durch das Dorfentwicklungsprogramm zusätzliche Initiativen kommen, auch aus der Bevölkerung. Bürgerbeteiligung ist für eine Demokratie wichtig.

Auch von Ihnen hat man bisher noch nichts zur Bürgermeisterwahl gehört. Machen Sie keinen Wahlkampf?

Junker: Doch, ich mache Wahlkampf, es werden auch noch Flyer verteilt. Ich versuche, durch meine Arbeit zu überzeugen. Hierzu bin ich oft unterwegs und versuche, immer für die Bürger erreichbar zu sein – in den Bürgersprechstunden, die ich seit 2013 in allen Stadtteilen anbiete, über Terminvereinbarungen oder telefonisch. Dies ist viel zweckmäßiger als jetzt eine Wahlkampfveranstaltung.

Sie sind immer erreichbar, wohnen aber nach wie vor in Rennertehausen. Muss ein Bürgermeister nicht vor Ort wohnen, um auch nach Feierabend mitzubekommen, was in seiner Stadt passiert, was die Menschen bewegt?

Junker:Mir persönlich hat das noch keiner vorgeworfen. Ich bin oft in Hatzfeld, auch an Wochenenden und nach Feierabend, falls ein Bürgermeister den überhaupt hat. Ich glaube, da gibt es keinen Grund für Beschwerden.

Sie wollen die Wähler durch Ihre Arbeit überzeugen. Welche Erfolge haben Sie nach sechs Jahren vorzuweisen?

Junker: Eine wesentliche Herausforderung war die Wasserversorgung. Ich denke, dass die Versorgung unserer Stadtteile 2020/2021 langfristig sichergestellt ist. In Zusammenarbeit mit der Möllenbachschule werden wir mit der Kindertageseinrichtung ein Konzept entwickeln, um die Förderung unserer Kinder zu verbessern. Nach der 675-Jahr-Feier in Hatzfeld ist auch der Zusammenhalt unter den Stadtteilen viel offener geworden; das Bürgerengagement hat sich deutlich verbessert. Seit 2013 haben wir ausgeglichene Ergebnishaushalte und erfüllen die Schutzschirmauflagen. Es ist uns gelungen, innerhalb von fünf Jahren fast 4,9 Millionen Euro Kassenkredite abzubauen. So können wir jetzt am Investitionsprogramm der Hessenkasse teilnehmen und erhalten 750 000 Euro. Einen Betrag, den wir in die Sicherung der Wasserversorgung gebührenzahlerentlastend investieren wollen.

Gibt es auch Dinge, die nicht gut gelaufen sind?

Junker:Ein Punkt ist sicherlich der Tourismus, die Vermarktung des Ederradwegs – da müssen wir nochmal ran. Die Sackpfeife hat ein enormes Einzugsgebiet: Eines meiner Ziele ist, hier einen Mountain-Bike-Trail hinzubekommen. In der Verwaltung hätte ich die Digitalisierung gerne schneller umgesetzt. Und beim Seniorenheim wäre ich gerne früher am Start gewesen, das lag aber am bisherigen Bauvorhabenträger.

Der neue Investor für das Seniorenheim hat seine Pläne vor Kurzem im Parlament vorgestellt. Wie sicher sind Sie, dass in Hatzfeld 2020 ein Seniorenheim eröffnet?

Junker: Ich war mir noch nie so sicher wie jetzt, dass es den Betrieb aufnehmen wird. Der Investor hat sich die Grundstücke gesichert und schon eine hohe Summe in das Projekt investiert. Auch aufgrund seiner Erfahrung ist davon auszugehen, dass das Projekt jetzt umgesetzt werden kann. Der Bau des Seniorenheims trägt zur Erhaltung der Infrastruktur bei, wie Arzt, Zahnarzt, Apotheke und Geschäften. Dies ist ein wesentliches Interesse, das ich gemeinsam mit den Fraktionen verfolge.

Eines Ihrer Ziele war auch, das Bürgerhaus in Hatzfeld zu einem Gemeindezentrum zu machen, damit es öfter genutzt wird. Warum sind Sie da nicht weitergekommen?

Junker: Das ist eine Erfahrung, die ich machen musste: dass Ideen in einer öffentlichen Verwaltung nicht ganz so schnell umgesetzt werden können, wie ich das erhofft hatte. Das Bürgerhaus hat aber Potenzial. Ein Konzept, es zu einem regionalen Bildungs- und Kulturzentrum auszubauen, habe ich schon, wir werden es sicherlich im Dorfentwicklungsprogramm umsetzen können.

Hatzfeld ist dieses Jahr in die Dorfentwicklung aufgenommen worden. Haben Sie auch dafür schon Konzepte?

Junker: Ich habe schon Vorstellungen für Projekte, die will ich aber über die Arbeitsgruppen und die Steuerungsgruppe einbringen. Es sollen keine Vorgaben gemacht, sondern Ideen gemeinsam mit den Bürgern entwickelt werden. Weiterhin müssen wir als Wohnort attraktiver werden und uns für die nächsten 15 Jahre gut aufstellen. Wir haben gute Voraussetzungen dafür.

Im Oberen Edertal bereiten Allendorf und Bromskirchen mit einer Machbarkeitsstudie derzeit die Fusion der beiden Gemeinden vor, über die letztlich die Bürger abstimmen sollen. Wie finden Sie diese Bestrebungen zu einer Fusion? 

Junker: Grundsätzlich ist das die Entscheidung der beiden Gemeinden. Es gibt eine Untersuchung über die negativen Auswirkungen von Gebietsreformen, der ich zustimme: Danach haben sich die versprochenen finanziellen Erwartungen nicht erfüllt. Mit Präsenz vor Ort ist viel mehr zu erreichen und durch rechtzeitige Maßnahmen kann Geld gespart werden. Und eine Fusion ist ein Demokratieverlust. Ich finde es aber wichtig, den Bürgerservice und die Parlamente vor Ort zu erhalten, damit sich die Bürger vor Ort für ihren Ort einbringen können. Das ist ein großer Trumpf auf dem Land. In meinen Augen ist es aber auch wichtig, das, was kommunal gemeinsam erledigt werden kann, gemeinsam zu erledigen. Dafür würde sich beispielsweise ein Dienstleistungszentrum anbieten, das Aufgaben für mehrere Kommunen übernimmt.

Und wie lange wird die Stadt Hatzfeld noch eigenständig bleiben? 

Junker: Das kann ich heute nicht sagen. Mein Ziel ist es, die Eigenständigkeit auf Dauer zu erhalten. Das liegt aber nicht nur in unserer Hand. Es kann aber durch geschickte interkommunale Zusammenarbeit erreicht werden.

Zur Person

Dirk Junker (51) ist seit dem 1. Mai 2013 Bürgermeister von Hatzfeld und damit Nachfolger von Uwe Ermisch (SPD), der 24 Jahre lang im Amt warund dann nicht mehr kandidiert hatte. 

Junker wurde am 18. November 2012 in der Stichwahl zum Bürgermeister gewählt. Der Kandidat der BL Hatzfeld hatte sich in der ersten Wahl am 4. November 2012 gegen die Konkurrenten Werner Keller (CDU), Eckhard Wenzel (SPD) und Oliver Zissel (BL Holzhausen) durchgesetzt und die Stichwahl gegen Ralf Schärer (BL Reddighausen) mit 53,2 Prozent gewonnen. 

Junker war zuvor Truppenfachlehrer bei der Bundeswehr in Munster (Lüneburger Heide). Er und seine Frau Jeannette haben zwei Söhne, 10 und 12 Jahre alt. Die Familie wohnt in Rennertehausen. Seine Hobbys sind Radfahren und Lesen. 

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