Nachhaltigkeit wird 300 Jahre

Burgwald war vor 300 Jahren kahlgeschlagen

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Forstamtsleiter Eberhard Leicht setzt in seiner Arbeit die Nachhaltigkeit um, die Hannß Carl von Carlowitz vor 300 Jahren in seinem Buch geprägt hat.

Burgwald-Bottendorf - Der Begriff der Nachhaltigkeit ist 300 Jahre alt und wurde in der Forstwirtschaft begründet. Hannß Carl von Carlowitz schrieb 1713, dass nur so viel Holz geschlagen werden darf, wie nachwächst.

Den Burgwald hat das Umdenken fortschrittlicher Förster gerettet. Bei einem Spaziergang durch die größte hessische Waldfläche ist es für den Laien kaum spürbar: Vor 300 Jahren war dort kein Wald mehr. Bäume standen meterweit auseinander, es gab kein Blätterdach, Gras breitete sich aus.

Förster lesen die Geschichte aus den Bäumen: Nur wenige 300 Jahre alte Eichen stehen im Burgwald, besonders in den Randgebieten wachsen viele Fichten, unter denen sich langsam eine neue Generation Buchen Platz schafft. Wie ernst es tatsächlich um den Burgwald stand, rekonstruiert Forstamtsleiter Eberhard Leicht auch aus alten Aufzeichnungen: Vor 300 Jahren schrieb Hannß Carl von Carlowitz über haushälterischen Waldanbau. Er prägte den Begriff der Nachhaltigkeit und vertiefte den Gedanken, dass der Mensch mit Ressourcen verantwortungsbewusst umgehen müsse. „Er hat ein Set an Instrumenten zusammengestellt, die erklären, wie man einen Wald aufforsten kann“, erklärt Leicht. Durch die Köhlerei etwa seien Wälder ausgeplündert gewesen. Die Grundsätze von Carlowitz gelten laut Leicht noch heute, seien aber über die Jahrhunderte verfeinert worden.

Die Philosophie der Nachhaltigkeit hat Carlowitz nicht erfunden, lediglich den Begriff geprägt. Leicht erklärt, dass bereits in der Forstordnung der Landgrafschaft Hessen 1535 festgeschrieben war, dass niemand Holz ohne Erlaubnis des Försters schlagen dürfe. „Das hat aber nicht verhindert, dass der Burgwald vor 300 Jahren forstwirtschaftlich am Boden war.“ Aus Aufzeichnungen des Oberjägermeisters Ludwig von Einsiedel weiß Leicht, dass im Burgwald 1734 etwa 70 Kubikmeter Holz auf einem Hektar standen. Heute seien es 340 Kubikmeter. „Das zeigt eine riesige Aufbauleistung“, sagt Leicht. Mit Eichen allein sei das nicht möglich gewesen, da durch die intensive Nutzung dem Waldboden zu viele Nährstoffe entzogen wurden. „Ludwig von Wildungen hat die Weichen für den systematischen Aufbau des Burgwalds gestellt.“ Er habe Ende des 18. Jahrhunderts große Heideflächen mit Kiefern aufforsten lassen, die noch heute das Bild des Burgwalds prägen. Dann folgte eine Zeit, in der die „kurhessische Mischsaat“ ausgebracht wurde: Die Eichen, Fichten und Lärchen, die daraus erwuchsen, seien noch in manchen Waldgebieten zu sehen.

Einen zweiten Aufschwung bekam der Burgwald, als er 1866 von der preußischen Forstverwaltung übernommen wurde. Die Preußen forsteten nicht nur auf, sondern sorgten dafür, dass die Menschen ihre Tiere nicht im Wald weiden ließen und kein Laub für die Ställe aus dem Wald holten. So bekam der Boden wieder wertvolle Nährstoffe.

Weil die Burgwalder Förster ihrem Wald weniger entnehmen, als nachwächst, hat sich laut Leicht stetig ein großer Holzvorrat aufgebaut. „Große Zuwächse wird es jetzt nicht mehr geben“, sagt Leicht. Aber Tannen möchten die Förster gerne noch im Burgwald anpflanzen. „Das wird ein zusätzlicher Akzent in Richtung Vielfalt.“

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