NVV erklärt, warum Busse im Winter manchmal nicht fahren

Busausfälle bei Schnee und Eis: „Der Fahrer entscheidet“

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Rutschige Fahrt: Im Frankenberger Land sind in der jüngsten Vergangenheit zwar keine Schul- und Linienbusse im Graben gelandet – so wie dieser aus Düsseldorf –, Schnee und Glätte sorgen aber auch bei uns immer wieder für Verspätungen und Ausfälle.

Frankenberger Land. „Es liegen ein paar Zentimeter Schnee“, berichtete vergangene Woche ein Leser aus Reddighausen und wunderte sich, dass der Schulbus seiner Enkelkinder an dem Morgen nicht fuhr. Das ist in diesem Winter bereits einige Male vorgekommen. Auch in anderen Orten.

Wir haben uns deshalb von Pressesprecherin Sabine Herms vom zuständigen Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) mal erklären lassen, wie es zu solchen Busausfällen und Verspätungen kommt.

Ihre Antworten beziehen sich auch auf Linienbusse, die auch zu Schulzeiten unterwegs sind, da der NVV zwischen diesen Bussen nicht unterscheide. Eine offizielle Statistik über Ausfälle und Verspätungen wie bei der Deutschen Bahn gebe es beim NVV und den Busunternehmen allerdings nicht.

Frau Herms, welche Gründe gibt es ganz allgemein dafür, dass Schulbusse nicht fahren oder zu spät kommen?

Sabine Herms: Während des Winters sind Eis- und Schneeglätte sowie nicht geräumte Straßen die Hauptursachen von Verspätungen und Ausfällen. Als Grundsatz für die Fahrer gilt immer Sicherheit vor Pünktlichkeit. Der Fahrer entscheidet, ob er die Fahrgäste sicher von A nach B bringen kann, ohne sich oder andere zu gefährden.

Gibt es für diese Entscheidung festgelegte Kriterien?

Herms: Die Busfahrer handeln nach dem gesunden Menschenverstand, sie tragen die Verantwortung für alle Fahrgäste. Unfälle mit Fahrgästen sollen und müssen vermieden werden. Leib und Leben dürfen die Fahrer nicht aufs Spiel setzen. Daher entscheidet das Personal, ob gefahren werden kann.

Wir hören oft, dass sich Leute wundern, warum Schulbusse – Zitat: „bei dem bisschen Schnee“ – nicht fahren. Ist Schnee für Busse so ein großes Problem?

Herms:Schnee und Eis sind dann problematisch, wenn die Fahrbahnen nicht gestreut oder geräumt sind. Das trifft Busse genauso wie Pkw. Sämtliche Busse im NVV sind mit Winterreifen ausgerüstet, das ist gesetzliche Vorschrift. Und: Die Linienbusse sind in einem Umlauf unterwegs. Daher kann es sein, dass der Weg des Busses schon im Vorfeld der betrachteten Fahrt durch Eis und Schnee behindert wurde und hier die Verspätung entstanden ist.

Müsste der Winterdienst der Kommunen und Straßenmeistereien aus Ihrer Sicht besser arbeiten, damit die Busse besser durchkommen?

Herms:Dazu sollten sie die Straßenmeistereien befragen. Wünschenswert wäre eine vorrangige Räumung von Buslinien.

Wo im Frankenberger Land sind die größten Problemstrecken im Winter für die Busse?

Herms:Alle Steigungsstrecken und Gefällstrecken sind problematisch. Gleiches gilt aber auch für Autos und insbesondere Lkw, die quer stehen oder rutschen und so andere gefährden.

Von wo und wann starten eigentlich die Schulbusse im Frankenberger Land? Kommen die aus dem Depot in Bottendorf, vom Sitz des Busunternehmens ALV in Marburg oder vom Wohnort des Busfahrers?

Herms: Die Linienbusse für Frankenberg starten für den Schulverkehr zwischen 4 und 6 Uhr im Linienverkehr, die ersten Fahrten beginnen in der Regel bereits um 5 Uhr vom Betriebshof Bottendorf aus. Dort beginnen die allermeisten Fahrten, einzelne Fahrten aber auch von anderen Standorten aus, zum Beispiel vom Bahnhof in Frankenberg.

Wegen des Linienfahrplans können Schulbusse vermutlich morgens nicht einfach früher losfahren. Oder doch?

Herms: Es handelt sich um Linienbusse, die in einem Umlauf eingesetzt werden, so dass jede Veränderung Auswirkungen auf den jeweiligen Fahrplan, andere Verbindungen und Anschlüsse an weitere Busse oder Züge hat.

Wahrscheinlich hat jeder Schüler morgens schon mal vergeblich an der Bushaltestelle auf den Bus gewartet. Wie lange sollte man warten, bevor man nach Hause geht?

Herms: Die Landkreise haben dafür einen Rahmen vorgegeben. Bitte fragen Sie dazu beim Landkreis nach. Nicht jeder verspätete oder ausgefallene Bus bedeutet automatisch schulfrei.

(Anmerkung der Redaktion: Laut der EWF, die im Landkreis für die Schülerbeförderung verantwortlich ist, gibt es keine feste Regelung dafür, aber folgende Empfehlung: Schüler sollten bis zu 30 Minuten auf einen Bus warten, dann der Schule Bescheid sagen und versuchen, den nächsten Bus zu nehmen).

Gibt es keine Möglichkeit, über Busausfälle oder -verspätungen schnell per Handy-App oder Internet zu informieren?

Herms: In der Regel finden sich die Infos, wenn die Verkehrsunternehmen sie weitergeben, in unserer Online-Auskunft im Internet beziehungsweise App oder sie sind über unser Servicetelefon zu erhalten (siehe unten).

Man sieht immer wieder Busse, die auf Parkplätzen stehen. Sind auch Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer ein Problem in der Schülerbeförderung? Oder anders gefragt: Könnte man die ruhenden Busse in der Zeit nicht sinnvoller einsetzen?

Herms: Ruhezeiten sind gesetzliche Vorgaben, die nicht unterlaufen werden dürfen. Im Gegenteil: Verstößt ein Verkehrsunternehmen dagegen, sind Strafen fällig. Bei der Planung wird darauf immer geachtet, dass die Busse wirtschaftlich eingesetzt werden. Wir als NVV haben selbst kein Interesse, Leerfahrten zu produzieren, da das nur Kosten bedeutet.

So erreichen Sie den NVV: Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) ist für Kunden unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800/939-0800 zu erreichen – und zwar täglich von 5 bis 22 Uhr, freitags und samstags bis Mitternacht. www.nvv.de

Quelle: HNA

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