Christian Durstewitz bringt exklusives Mixtape heraus

Butterbrot statt Sushi

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Christian Durstewitz mit seiner Band, mit der er das „Mixtape“ mit dem Titel „Welt Zoo“ eingespielt hat. Bis auf ihn stehen alle mit Tiermasken auf der Bühne – ein Symbol für die Vielfalt und die Unterschiede, aber auch für die Verrücktheit in der Welt. Foto: pr

Frankenau - Altenlotheim / Münchhausen - "Welt Zoo" ist kein neues Album, sondern ein exklusives Mixtape, sagt Christian Durstewitz, "weil es weder von einem Produzenten produziert wurde, noch von einem richtigen Toningenieur gemischt wurde". Stattdessen ist die CD bei ihm zuhause und in Berlin bei seinem Gitarristen entstanden.

Es ist kein Album, das im Fernsehen oder im Radio beworben wird. „Weil ich noch studiere und das auch wirklich fertigmachen will, wollte ich nur etwas von mir hören lassen und den Fans etwas mitgeben, das mal etwas anderes ist.“ Zudem ist „Welt Zoo“ auch musikalisch nicht so, wie es ein großes Label gern gehabt hätte, sagt der Musiker: „Die Sachen, die wir gemacht haben, wären mit einer Plattenfirma nie entstanden“, betont Christian Durstewitz.

Nicht mal das Coverfoto stammt von einem professionellen Fotografen - das haben er und seine Band mit Selbstauslöser mit einem Handy gemacht. „Das war mir ganz wichtig: Wenn man so was macht, dann muss man‘s auch durchziehen“, sagt er und lacht.

Live-Atmosphäre zum Mitnehmen nach einem Konzert - das wollte Christian Durstewitz auf CD bannen. Deshalb ist ein Live-Mitschnitt mit darauf, der qualitativ nicht besonders gut sei, „aber die Stimmung ist so toll“, sagt er begeistert.

Die CD wird es weder in Läden, noch im Internet oder zum Download geben. Nur bei den Live-Auftritten wird man sie kaufen können (siehe Kasten). Die Lieder sollen auch gar nicht in die Charts einsteigen. „Das soll was Exklusives sein, wenn jemand zum Konzert geht und das Gefühl davon mitnehmen will.“ Zudem seien die Stücke auch nicht auf Radiotauglichkeit hin produziert.

Erstmals singt Christian Durstewitz auf dem Album auf Deutsch. Lediglich ein Bonus-Titel ist auf Englisch. „Da hatte ich Lust drauf, und ich habe gerade so viel zu erzählen. Und früher mit meinem „Bap-alapalabo“ - er bezieht sich auf seinen bekanntesten Titel „ssjsjsjsjsjsj“ - „da steckte ja nicht so viel dahinter“. Er grinst fröhlich. Auf „Welt Zoo“ allerdings betrachtet er die Welt aus einer kritischen Perspektive, wenn er sich auch in lockere, witzige Worte verpackt und seine gute Laune nicht verliert.

Das Attentat auf „Charlie Hebdo“ oder Pegida brachten ihn zum Nachdenken: „Ich hatte das Gefühl: Was ist denn hier eigentlich los? Das kann doch nicht euer Ernst sein? Ist die Welt denn ein Irrenhaus geworden?“ Das sei die Kernaussage der CD: „Dass ich in einer Welt lebe, in der irgendwie alle durchdrehen.“

Er sei damit aufgewachsen, die Welt in allen Facetten kennenlernen zu dürfen, habe viele verrückte Bekannte und gute Freunde, die homosexuell sind. Obwohl er in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen sei, kenne er diese Schranken nicht, die er noch immer bei anderen Menschen feststelle.

Auf die Vielfalt der Welt beziehen sich auch die Tiermasken, die seine Bandmitglieder auf der Bühne tragen. „Das sind Tiere, die aus den unterschiedlichsten Gegenden kommen und nie zusammen leben würden, aber trotzdem gemeinsam Spaß auf der Bühne haben.“

Und auch ein Liebeslied für die Region hat er geschrieben: „Nach Hause“. Mittlerweile da hat der Musiker, der Altenlotheim vor einigen Jahren deutschlandweit bekannt gemacht hat, ein kleines Häuschen mit großem Garten in einem Ortsteil von Münchhausen. „Da kann man schön laut sein. Wenn wir proben, stört es niemanden“, freut er sich.

Nachdem er viel Zeit in Berlin und Köln verbracht habe, sei ihm klar: „Nordhessen ist einfach das Schönste“. Der Text von „Nach Hause“ sei „der ehrlichste den ich auf der CD habe. Er ist auch meiner Familie gewidmet.“ Darin heißt es, dass er keinen Bock mehr auf Sushi in der Großstadt hat, sondern lieber ein Butterbrot von Oma will. Das passe auch zu dem, was er als Musiker will: die kleinen Bühnen, auf denen er mit dem Publikum interagieren kann.

Denn obwohl - oder gerade weil - Christian Durstewitz auf der ganz großen Bühne mit „Unser Star für Oslo“ deutschlandweit bekannt wurde, sagt er: „Ruhm brauch‘ ich nicht. Das hat mir nie Spaß gemacht. Es war immer komisch, wenn mich die Leute erkannt haben, daran habe ich mich nie gewöhnt.“ Nur der Grand Prix würde ihn noch immer reizen.

Der 25-Jährige komponiert viel Musik, oft für Fernsehproduktionen und Serien, aber auch für Künstler aus Österreich. Seine Cousine aus Innsbruck hat gemeinsam mit ihrer besten Freundin an der Harfe einer Castingshow gewonnen. „Da helfe ich mit Kompositionen fürs neue Album“.

Damit verdient er sich seinen Lebensunterhalt, während er in Marburg Biologie und Chemie auf Lehramt studiert. Musik wolle er nicht unterrichten: „Ich glaube, dann vergeht mir die Lust an der Musik.“ Stattdessen habe er ein Hobby, dass er immer noch irgendwann zum Beruf machen könne, aber auch einen richtigen Beruf, der ihm Spaß macht.

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