Ewikon investiert in Zukunft

"Champions-League" der Heißkanäle

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Wolfgang Kubis ist einer von derzeit 228 Mitarbeitern des Frankenberger Heißkanal-Herstellers Ewikon. In der Endmontage der Hettich-Tochter kontrolliert er ein fertiges Werkzeug mitsamt dessen Heißkanälen.Foto: Malte Glotz

Frankenberg - Das Frankenberger Unternehmen Ewikon investiert 3,5 Millionen Euro in neue Technik und weitere zwei Millionen in Anbau und eine umfassende Renovierung - als Investition in eine erfolgreiche Zukunft.

Viel wurde gebaut in den vergangenen Jahren: Seit Herbst 2011 war das Gelände des Frankenberger Heißkanal-Herstellers Ewikon oftmals eine große Baustelle. Außen wurde angebaut, innen wurde umgebaut, neue Maschinen wurden eingebaut. „Insgesamt haben wir etwa 1200 Quadratmeter an Fläche hinzugewonnen“, sagt Geschäftsführer Martin Wilhelmi: 650 Quadratmeter neue Büros, 350 Quadratmeter Sozialräume, ein Archiv und ein ständig auf 23 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit klimatisiertes Qualitätsmanagement. „Das brauchen wir, weil bei einigen Produkten die Toleranzen so gering sind, dass andere Temperaturen schon ein anderes Prüfergebnis verursachen“, erklärt Peter Braun, ebenfalls Geschäftsführer.

Jetzt sind die meisten Bauarbeiten weitgehend abgeschlossen. Noch sind ein paar Handwerker im Haus, das Foyer soll zudem noch einmal komplett restauriert werden. Doch darüber hinaus ist die Firma „nicht nur technisch, sondern jetzt auch endlich von den Räumlichkeiten und der Ausstattung her“, auf dem neuesten Stand, wie Wilhelmi es sagt. Vorzeigbar wäre ein anderes Wort dafür. So vorzeigbar, dass Ewikon heute und morgen nach einem Jahr Umbaupause wieder sein Heißkanal-Forum veranstaltet.

Treff der Heißkanal-Branche

„Es ist das 15. Forum im 14. Jahr“, sagt Wilhelmi und lacht. Sein Kollege Braun ergänzt: „Unser Forum gilt als Branchentreff, auf den die Kunden warten“. Geladen sind Kunden von Ewikon sowie Lieferanten der Kunden. Auch ein Ingenieur der Kasseler Universität spricht. Hinzu kommen neben Eröffnungsworten von Firmeninhaber Andreas Hettich Vorträge und Vorstellungen aus dem Hause Ewikon selbst. „Es geht natürlich auch darum, das Unternehmen vorzustellen“, erklärt Braun. „Den Gästen sollen Perspektiven der Kunststoff-Verarbeitung aufgezeigt werden“, ergänzt Wilhelmi.

Bestandteil des Heißkanal-Forums sind auch Führungen durch das frisch renovierte Frankenberger Werk, ebenso wie durch jenes von Hettich direkt nebenan. Das Schwesterunternehmen ist laut Wilhelmi nicht nur ein wichtiger Kunde, sondern zugleich eine Art „Testlabor“: Neu entwickelte Produkte aus dem Hause Ewikon finden ihren ersten Einsatz oftmals direkt nebenan. Für die Besucher der Messe dürfte es besonders interessant sein, die Innovationen der Frankenberger im alltäglichen Einsatz zu sehen - darauf zumindest hoffen Wilhelmi und Braun. „Dort wird täglich bewiesen, dass die Systeme funktionieren“, sagt Braun.

Umsatzsprünge seit 2009

Neben Hettich zählt das Unternehmen weitere Größen der Kunststoff-Branche zu seinen Kunden: Bosch, Playmobil, deutsche und ausländische Autohersteller wie etwa Toyota, deren Zulieferer und viele Unternehmen, die wiederum Kunststoff-Produkte für ihre Kunden herstellen. 228 Menschen sind derzeit bei dem Unternehmen beschäftigt, davon 220 am Standort Frankenberg. „Die übrigen sind für Ewikon im Ausland tätig“, erklärt Wilhelmi. Eigene Mitarbeiter, aber auch Partnerunternehmen übernehmen den Vertrieb in der ganzen Welt. 32 derartige Vertretungen hat das Unternehmen. Als Hauptabsatzmärkte - nach Deutschland mit mehr als 50 Prozent des Umsatzes - benennen Braun und Wilhelmi Nordamerika, China und Japan. „Länder mit vielen Menschen haben eine große Verpackungs- und medizintechnische Industrie. Da ist Ewikon erfolgreich“, sagt Wilhelmi.

Die drei Märkte seien es auch gewesen, die nach dem Rekord-Jahr 2011 auch 2012 einen weiteren, wenn auch kleineren Zuwachs ermöglicht hätten. „In Westeuropa hat das Geschäft gelitten“, sagt Wilhelmi. Dennoch gehen die Geschäftsführer das Jahr 2013 optimistisch an: „Die Ertragslage ist gut. Das Unternehmen hat stabile, hohe Auftrags-Eingänge, einen hohen Auftrags-Bestand. Ewikon ist voll ausgelastet“, sagt Wilhelmi zufrieden.

Möglich sei diese gute Situation in einem zumindest in Europa wirtschaftlich angespannten Umfeld besonders wegen der Anpassungen im Jahr 2009. Damals zeigte die Umsatzkurve nach unten. „Durch Kurzarbeit haben wir die Mitarbeiter gehalten“, erinnert sich Wilhelmi. Die Flaute wurde genutzt, um das Personal konsequent zu schulen, weiter in Maschinen zu investieren. „Das hat es uns erlaubt, nach der Krise voll durchzustarten“, sagt Martin Wilhelmi. Bei gleicher Mitarbeiterzahl sei der Umsatz von 2009 auf 2010 um 25 Prozent gesprungen. Es wurde weiteres Personal eingestellt, der Umsatz stieg bis 2011 nochmals um 25 Prozent und liegt seither bei mehr als 30 Millionen Euro.

Weltweit in den „Top 10“

Im Vergleich zu anderen heimischen Industrieunternehmen mag das nicht wie viel aussehen - in der Branche der Heißkanal-Hersteller aber sieht sich Ewikon weltweit in den „Top 10“: „Das ist gewissermaßen die Champions-League der Heißkanäle“, scherzt Wilhelmi. So ein Erfolg, zeigt sich Peter Braun sicher, sei nur möglich, weil die Produkte des Frankenberger Herstellers „gut im Markt eingeführt“ seien, das Unternehmen einen Namen habe, der auch an Universitäten ziehe und die Produkte innovativ seien. „Probleme haben die Hersteller, die Heißkanäle von der Stange herstellen“, sagt er. Dass Ewikon so ein Hersteller nicht ist, wollen die beiden während des 14. Heißkanal-Forums auf dem frisch hergerichteten Werksgelände belegen.

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