Aus dem Artikelarchiv: HNA vom 7.11.2008

Christian Durstewitz schreibt über seinen Auftritt vor Dieter Bohlen

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Christian Durstewitz mit seiner Mutter Barbara

Mannheim/Frankenberg. Christian Durstewitz war Kandidat bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Zwei Runden durfte der 19-jährige Gymnasiast aus Frankenberg davon träumen, bei der RTL-Castingshow groß rauszukommen.

Heute - nach seinem Ausscheiden - erzählt Christian Durstewitz, wie es hinter den Kulissen der Show in Mannheim ablief. Und was Dieter Bohlen auf dem Weg zum Mittagessen tat.

Dienstag, mein großer Tag: Heute lerne ich den - sagen wir: bekanntesten Musikproduzenten Deutschlands - kennen. Dieter Bohlen. Mit meiner Gitarre starten wir um 9 Uhr mit dem Auto Richtung Mannheim, bis wir nach drei Stunden am Schloss ankommen, in dem mein Vorsingen stattfindet.

Wir warten, bis sich um viertel nach eins die Tür öffnet und ein Mann mit einer Namensliste heraustritt. Alle fünf Minuten werden zwei Kandidaten hereingebeten. Ich warte weiter. An meiner Seite eine Sängerin, die mit Minirock in der Eiseskälte auf ihren Durchbruch hofft. Ihr Name ist Fausta. Wir warten zusammen auf den Mann mit dem Headset. Plötzlich öffnet sich die Tür und nach zwei Bodyguards tritt die Jury heraus und geht auf eine Limousine zu, die sie zu einem Restaurant bringt. Wir bekommen prompt den Mittelfinger von Dieter Bohlen zugestreckt.

Endlich, als Letzter, darf ich ins Schloss. Ich komme in einen Wartesaal. Hier und dort hört man ein paar gute Musiker singen, anderswo Freaks, die mit Sicherheit verarscht werden sollen. Bevor das Casting anfängt, wird ein Intro mit allen Teilnehmern gedreht, in dem wir eine Gasse bilden, durch die Bohlen wie ein König schreitet.

Im Zehn-Minuten-Rhythmus kommen Kandidaten, meistens weinende Mädchen, die entweder wegen ihrer Kleidung oder ihres Übergewichtes von Bohlen fertiggemacht wurden. Dann stürzt ein Kandidat herunter, den ich aus der letzten Staffel kenne.

 Alle Kameras werden sofort  zur Treppe beordert, um die Beschimpfungen aufzuzeichnen, die er Bohlen eine Viertelstunde lang an den Kopf wirft. Ich möchte mich einsingen, und bevor ich die erste Strophe gesungen habe, sind drei Kameras auf mich gerichtet.

Als ich fertig bin, klatscht der gesamte Saal, doch ich bin mir inzwischen sehr unsicher geworden. Als Letzter werde ich nach oben gebeten, es ist inzwischen halb acht. Ich treffe wieder auf Fausta.

Sie hat es geschafft, sie hält den Recall-Zettel in ihren Händen. Ich betrete den Saal, stehe prompt vor der Jury. Alles ist so anders, überhaupt nicht wie im Fernsehen. Riesen-Kamerakräne und eine fahrbare Kamera drehen permanent ihre Kreise um mich. Doch ich bin alles andere als nervös, bis mich ohne ein Wort meinerseits Dieter Bohlen ermahnt, gelassener aufzutreten. Ich bin wie vor den Kopf gestoßen.

 Ich singe meine Liebeslieder – und schaue Nina Eichinger in der Jury in die Augen. Sie will, dass ich weiterkomme. Doch Bohlen glaubt, dass Pop nicht das richtige Genre für mich ist. Volker Neumüller sagt anfangs nichts, erst als ich ein eigenes Lied vortrage, fährt er aus der Haut und beschimpft mich. Ich muss ohne gelben Zettel nach Hause, dafür aber um eine Erfahrung reicher. Und ich würde es wieder machen.

Quelle: HNA

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