Deutscher Bauernverband kürt Hof von Christian Pohlmann aus Rhenegge

Der "Ausbildungsbetrieb des Jahres" für Landwirte kommt aus Waldeck-Frankenberg

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Angehende Landwirte aus ganz Deutschland wollen bei ihm lernen: Christian Pohlmann, hier mit seinem Auszubildenden Stephan Horstrup, züchtet Milchvieh. Mehr als 300 Kühe gibt es auf seinem Hof.

Diemelsee. Handys, Zugfahrkarten oder Mietzuschüsse – mit solchen Geschenken werben Unternehmen in Deutschland um Auszubildende. Christian Pohlmann braucht das nicht. Zu ihm ins nordhessische Diemelsee-Rhenegge kommen Azubis aus ganz Deutschland.

Der Landwirt in dem 400-Einwohner-Dorf ist laut Bauernverband einer der besten Ausbilder in Deutschland. Dafür wurde sein Hof auf dem Deutschen Bauerntag in Wiesbaden als Ausbildungsbetrieb des Jahres ausgezeichnet.

Wer sich für eine Ausbildung auf Pohlmanns Hof entscheidet, wählt Abgeschiedenheit, Natur und 300 Kühe. Eine Großstadt in der Nähe gibt es nicht. 30 Minuten fährt man, um eine Autobahn zu erreichen. Doch das schreckt offenbar nicht ab. 35 angehende Landwirte, darunter sechs Frauen, hat der 54-Jährige in den vergangenen 29 Jahren ausgebildet. Sogar aus dem Allgäu, vom Bodensee und aus Österreich kamen Azubis nach Nordhessen.

„Wir hatten immer ausreichend Bewerbungen“, sagt Pohlmann. Zwei Azubi-Stellen gibt es auf dem Hof. Für die nächsten zwei Jahre seien schon alle Plätze vergeben. Die Abbrecherquote ist gering. „Nur zwei Auszubildende haben es hier nicht ausgehalten“, erklärt er.

Morgens um fünf Uhr geht es auf Pohlmanns Hof los: Traktor fahren, Jungvieh aufziehen, füttern und melken. Denn obwohl mittlerweile Maschinen vieles übernehmen, müssen die Azubis die Grundlagen kennen. Auch soziale Kompetenz ist Teil der Ausbildung: „Im Team zu arbeiten, müssen viele erst lernen“, sagt Pohlmann. Abends gegen 17.30 Uhr ist Feierabend. Ein Auszubildender bekomme 680 bis 780 Euro brutto.

Das Smartphone hat einen festen Platz im Berufsalltag der Landwirte. „Alle Daten haben wir auf dem Handy gespeichert“, sagt Pohlmann. Die Kühe beispielsweise sind mit Sendern versehen, die nicht nur die Position der Tiere melden. Gezählt werde auch das Wiederkäuen von Nahrung. Weicht das von der Norm ab, erkennt der Landwirt, dass etwas nicht stimmt.

Viele kommen vom Hof

Für den 19-jährigen Stephan Horstrup ist Landwirt ein Traumberuf. Auch seine Eltern haben einen Hof – wie die meisten Azubis, die zu Pohlmann kommen. Verwandte aus Nordhessen hatten Horstrup die Ausbildung in Rhenegge empfohlen – und er wurde nicht enttäuscht. Besonders der Umgang unter Kollegen sei gut.

Während der Zeit in Rhenegge wohnen und leben die Azubis bei Christian Pohlmann und seiner Frau. Für Horstrup ist das ein Vorteil: Man lerne mehr, wenn man abends mit am Tisch sitze.

Für die Azubis ist die Zeit auf dem Hof auch schnell wieder vorbei. Nach einem Jahr wird gewechselt, drei Jahre dauert die Ausbildung insgesamt. Von den Azubis auf Pohlmanns Hof hätten alle inzwischen einen eigenen Betrieb übernommen, sagt der Landwirt. Darauf sei er stolz. Er selbst muss sich keine Sorgen um seinen Hof machen: Sein 24-jähriger Sohn will den Betrieb übernehmen.  (dpa)

Quelle: HNA

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