Umsätze nicht wieder auf Normal-Niveau

Einzelhandel in Waldeck-Frankenberg leidet weiter unter Corona-Einschränkungen

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Verkaufsoffener Sonntag: In Frankenberg wollen zwölf Geschäfte des Kaufmännischen Vereins am 24. Mai von 13 bis 18 Uhr öffnen. Das ist wegen der Corona-Krise in Hessen derzeit ausnahmsweise erlaubt.

Die Hoffnung der Waldeck-Frankenberger Einzelhändler, nach dem Stillstand in der Corona-Krise schnell wieder viele Kunden zu bekommen, hat sich nicht bei allen erfüllt. Häufig liegen die Umsätze nach wie vor unter dem Niveau vor der wochenlangen Schließung.

Zwar gebe es Unterschiede je nach Sortiment, generell sei die Kundenfrequenz noch nicht auf dem Vorkrisen-Niveau, sagt Jürgen Tent, Vorsitzender der Korbacher Hanse. Das solle aber auch so sein, schließlich gelte es weiterhin, Menschenansammlungen zu vermeiden.

Eine bremsende Wirkung hatte nach Einschätzung von André Kreisz, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins in Frankenberg, die Einführung der Maskenpflicht: „Mit Beginn der Pflicht wurde zuerst ein Frequenzeinbruch deutlich, denn die Masken sind neu für unsere Kunden.“ Das bestätigt auch Jürgen Kommallein, Inhaber des Textilgeschäfts „Masc Fashion“ in Bad Arolsen. Er berichtet von einem Umsatzrückgang um 50 Prozent in der zweiten Öffnungswoche.

Anders sieht es in der Buchhandlung Buchland in Bad Wildungen aus. Die Umsätze hätten wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht, sagt Inhaber Bernhard Schäfer. Aus seiner Sicht war der Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Einzelhandelsläden richtig. „Wir brauchten das, um weiter zu überleben und um die Gehälter zu zahlen. Und ich glaube, dass durch alle Vorsichts- und Hygienemaßnahmen das Risiko absolut minimiert ist.“

Verkauf in Corona-Zeiten ist für die heimischen Einzelhändler schwieriger, aber immerhin möglich: Jürgen Kommallein, Inhaber von „Masc Fashion“ in Bad Arolsen.

"Wir haben mit massiven Ausfällen sowohl durch Schließung als auch durch die Beschränkungen zu kämpfen. Da wir über Wochen keinen Abverkauf hatten, die Ware aber bereits mit sechsmonatigem Vorlauf eingekauft wurde, sind unsere Bestände entsprechend sehr hoch", lautet die Zwischenbilanz von André Kreisz. 

Geschäfte dürfen sonntags öffnen

Unterschiedlich gehen die Städte mit dem ausgesetzten Verbot der Sonntagsöffnung um. In Frankenberg gab und gibt es am 17. und 24. Mai verkaufsoffene Geschäfte. Kreisz: „Zusätzliche Verkaufstage können die Ausfälle nicht kompensieren, aber jeder Umsatz ist hilfreich, um unseren lokalen Handel funktionsfähig zu halten.“

"Zusätzliche Verkaufstage können die Ausfälle nicht kompensieren, aber jeder Umsatz ist hilfreich, um unseren lokalen Handel funktionsfähig zu halten", sagt der Chef der Frankenberger Kaufleute. "Wichtig ist mir an der Stelle klarzustellen, dass es in nächster Zeit kein Stadtfest geben wird. Keine Buden, Fahrgeschäfte, Straßenmusik oder Rahmenprogramm. Die Geschäfte öffnen am Sonntag wie in der Woche auch. Der Kaufmännische Verein hat folglich auch kein „Marktrecht“. Jeder Betrieb ist einzeln dafür verantwortlich, die Vorschriften einzuhalten. Wir bieten damit einen zusätzlichen Einkaufstag und keine Festveranstaltung."

In Korbach bleiben die Geschäfte vorerst zu. „Wir sehen das momentan nicht als notwendig an“, sagt Jürgen Tent. „Zwar waren verkaufsoffene Sonntage in der Vergangenheit immer die umsatzstärksten Tage, aber immer in Kombination mit einem Markt“, erläutert der Hanse-Vorsitzende. 

Keine Events bis Ende September

Landkreis und Kommunen haben vereinbart, dass es zunächst bis Ende September keine Großveranstaltungen in Waldeck-Frankenberg geben wird. Unter anderem musste die Hanse das für Anfang September geplante Hanse-Festival absagen, in Frankenberg ist das Mai-Stadtfest der Kaufleute ausgefallen.

Und wie hat sich der Online-Handel während der Schließungen entwickelt? "Sicherlich sind Bedarfe während der Schließung auch online gedeckt worden", sagt André Kreisz. "Jedoch haben wir auch erfreuliche Gegenentwicklungen feststellen können. Lokal einzukaufen und die Region in allen Wirtschaftszweigen zu stärken, liegt vielen Kunden sehr am Herzen. Selbst einige regelmäßige Onlinekäufer haben bewusst während der Schließung auf nicht notwendige Einkäufe online verzichtet, um im Anschluss den lokalen Handel zu unterstützen."

Auf der Wehrweide in Frankenberg haben sich trotz Corona-Krise am Freitagabend etwa 100 Menschen getroffen, hauptsächlich Jugendliche. Die Polizei ermittelt nun wegen Verstößen gegen die Corona-Vorschriften.

Quelle: HNA

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