Apothekerverband bittet um Verständnis

Corona-Test: Frau ärgert sich, dass sie nach Grund gefragt wurde

Kostenlose Corona-Schnelltests kann man in Apotheken machen lassen. Eine Frau hat sich geärgert, dass sie dort einen Grund für den Test angeben sollte. (Symbolbild)
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Kostenlose Corona-Schnelltests kann man in Apotheken machen lassen. Eine Frau hat sich geärgert, dass sie dort einen Grund für den Test angeben sollte. (Symbolbild)

Muss ich einen Grund angeben, wenn ich in einer Apotheke oder woanders einen kostenlosen Corona-Test machen lasse? Wir haben nachgefragt.

Waldeck-Frankenberg - Sie habe den Service der kostenlosen Corona-Tests schon drei Mal in einer Apotheke in Anspruch genommen, berichtet Carolin Richter aus Allendorf-Rennertehausen. „Leider mit schlechten Erfahrungen: In einer Apotheke treffe ich auf genervte Mitarbeiter, die sich lautstark bei ihren Kollegen über die vielen Anmeldungen zu den Testungen beschweren.“

Am meisten ärgere sie, dass sie bisher jedes Mal nach dem Grund für den Test gefragt wurde: „Haben Sie einen Termin beim Friseur oder wollen Sie die Oma im Altersheim besuchen?“, habe man sie gefragt. Das seien triftige Gründe, um sich für den Test anmelden zu dürfen, so die Aussage in der Apotheke.

Corona-Test in der Apotheke: Mitarbeiter fragten nach dem Grund

„Mir war nicht klar, dass ich private Gründe nennen muss und dann die Apothekerin über die Dringlichkeit oder Wichtigkeit meines Abstriches entscheiden darf“, sagt Carolin Richter. „’Ist es für die Arbeit?’, wurde ich beim letzten Mal gefragt, ’sonst könnte ja Hinz und Kunz kommen!’ – Ja genau, Hinz und Kunz dürfen kommen oder habe ich das jetzt falsch verstanden?“, sagt sie.

Und als sie für die folgende Woche wieder einen Termin zum Test machen lassen wollte, fragte man sie, ob sie jetzt jede Woche kommen wolle. „Nein, jetzt nicht mehr“, sagt Richter. „Gott sei Dank bieten auch andere Einrichtungen im Landkreis die Bürger-Schnelltests an.

Apothekerverband meldet sich zu Wort: Corona-Test-Angebot „kaum kostendeckend“

„Im Grundsatz ist es richtig, dass die Bürger ohne Angabe von Gründen ein Anrecht auf Tests haben“, sagt Katja Förster, Pressesprecherin des Hessischen Apothekerverbandes. „Es trifft jedoch auch zu, dass die Apotheken ihr Testangebot freiwillig unterbreiten und nicht verpflichtet sind, Tests anzubieten. Daher sehe ich es als anerkennenswert, dass schätzungsweise 300 Apotheke in Hessen Bürgertests anbieten. Sie können so dazu beitragen, symptomfreie positive Patienten zu identifizieren und Infektionsketten zu unterbinden.“

Katja Förster, Pressesprecherin Hessischer Apothekerverband.

Förster erläutert, dass die Bürgertests für die Apotheken „kaum kostendeckend“ seien, da Kosten unter anderem für Personal, zusätzliche Räume, Schulungen, Hygienemaßnahmen und Organisation anfallen. Auf die Bezahlung dieser Dienstleistung müssten müssen die Apotheken oftmals bis zu sechs Wochen warten. „Dennoch sehen die Apotheken es als ihren heilberuflichen Auftrag, zur Eindämmung der Pandemie beizutragen“, sagt Förster.

Und sie erinnert daran, dass die Tests nur ein Baustein im Pandemie-Beitrag der Apotheken seien – neben der Herstellung von Desinfektionsmittel, der Ausgabe kostenfreier Masken an einzelne Bevölkerungsgruppen und der sehr aufwändigen Versorgung der niedergelassenen Arztpraxen mit Covid-19-Impfstoffen.

„Alle diese Aufgaben sind zusätzlich zur üblichen Aufgabe der Apotheken, nämlich der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.“

Katja Förster, Pressesprecherin Hessischer Apothekerverband

„Diese Aufgaben erfüllen die Apotheken seit vergangenem Jahr mit hohem Engagement, meist unter Leistung zahlreicher Überstunden. Alle diese Aufgaben sind zusätzlich zur üblichen Aufgabe der Apotheken, nämlich der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.“

Viele Menschen kamen grundlos zum Corona-Test - Apotheken bitten um Verständnis

Nach Rückmeldung einiger Apotheken hätten in den Anfangstagen der kostenfreien Bürgertests zahlreiche Menschen ihr Testangebot „einfach so, weil es ihnen zustünde“, in Anspruch genommen, ohne einen konkreten Anlass zu haben. Dazu gingen in vielen Apotheken täglich mehrere hundert Anrufe mit Anfragen nach Tests ein, Apotheken berichten von knapp 200 Tests binnen weniger Stunden, für die bis zu sechs Mitarbeiter eingebunden waren.

Viele Apotheken in Hessen bieten einen kostenlosen Corona-Test an. (Symbolfoto)

Manche Apotheken hätten sich daher entschlossen, nur noch solchen Bürgern Tests mit Terminvergabe anzubieten, die hierfür einen wichtigen Anlass haben. Die Kapazitäten der Apotheken ließen oft kein anderes Vorgehen zu.

Förster: „Wir freuen uns daher, wenn die Bürger für die Belastung der Apotheken Verständnis zeigen und ihren besonderen Service dann in Anspruch nehmen, wenn es hierfür berechtigte Anlässe gibt. Anders lässt sich die Arbeitsbelastung oftmals kaum stemmen.“

Corona-Test: Teststellen dürfen nicht nach dem Grund fragen, so der Landkreis

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg erläutert auf Nachfrage, dass sich jeder seit Anfang März grundsätzlich ein Mal pro Woche kostenlos auf das Coronavirus schnelltesten lassen dürfe – „beispielsweise, um Angehörige in Pflegeeinrichtungen zu sehen, den Frisör zu besuchen oder auch ganz ohne jeglichen Anlass“. Seit vergangener Woche verpflichtet der Bund zudem auch Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice sind, Corona-Tests anzubieten.

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„Grundsätzlich haben Teststellen für kostenlose Bürgertests keinen rechtlichen Anspruch darauf, zu erfahren, aus welchem Grund jemand einen Test dort machen möchte“, sagt Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner. Um zu verhindern, dass Arbeitgeber durch die öffentlichen Teststellen ihre eigene Testpflicht vernachlässigen und um sicherzustellen, dass in den Anlaufstellen für die privaten Bürgertests auch eben diese gemacht werden, kann es vorkommen, dass einige Anbieter sich bei den Testwilligen nach dem Grund des Tests erkundigen. Rechtlich ist jedoch niemand verpflichtet, darüber Auskunft zu geben.“ (Jörg Paulus)

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