Corona im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Neue Wege in der Corona-Krise: Buchhändler kommen jetzt auch mit dem Rad zum Kunden

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Für Rüdiger Richter von der Frankenberger Buchhandlung Gernot Hykel ist das Ausliefern von Büchern mit dem Fahrrad auch eine sportliche Herausforderung.

Die Buchhändler in Frankenberg gehen mit der Corona-Krise besonders kreativ um, damit ihre Kunden auch weiterhin reichlich Lesestoff erhalten.

Waldeck-Frankenberg - Nicht alle sind Bücherwürmer, die täglich Lesefutter brauchen. Es gibt auch Leute, die immer behaupteten, zum Lesen keine Zeit zu haben. Jetzt ist plötzlich für alle genug Zeit da! Und für manchen wird Lesen zum Trost bei erzwungener Einsamkeit.

Aber: Die Buchläden sind zu. Doch auch in Frankenberg arbeiten die Buchhändler hinter verschlossenen Ladentüren weiter und entwickeln neue Ideen, damit der Weg vom Buch zum Kunden nicht abreißt, und wenn er mit Rucksack und Fahrrad zurückgelegt werden muss.

Corona in Waldeck-Frankenberg: Buchläden in ihrer Existenz bedroht

Dabei spüren die Buchhändler zurzeit eine Welle von Sympathie von alten und neuen Kunden, denen bewusst ist, dass es bei wochenlanger Schließung auch um die wirtschaftliche Existenz der regionalen Buchläden geht. „Kunden riefen spontan an, wünschten ‚dem gesamten Team Gesundheit’ auf der Facebookseite, bestellten Titel und orderten Bücher-Gutscheine, die sie erst in besseren Zeiten einlösen wollen“, berichtet Inge Jakobi, die einen der wenigen inhabergeführten, sonst publikumsstarken Läden in der Frankenberger Fußgängerzone betreibt. „Es sind die Fixkosten, die unsere Existenz bedrohen“, sagt sie.

Buchhändlerin Inge Jakobi füllt sie derzeit und lässt sie vor die Haustür stellen. In der Hand hält sie das letzte Exemplar „Die Pest“ von Albert Camus, ein Klassiker aus dem Jahr 1947, der in den vergangenen Tagen ständig nachgefragt wurde.

Inge Jakobi wie auch ihr Buchhändlerkollege Rüdiger Richter von der Firma Gernot Hykel in der Bahnhofstraße machen bei verschlossenen Türen geregelten Dienst wie sonst während der Öffnungszeiten und sind telefonisch zu erreichen. Beide Buchhandlungen bieten den Versand als Online-Shop oder die Zustellung von Büchern bis zur Haustür an, wobei das Internet in diesen Zeiten eine immer wichtigere Rolle spielt. „Auch unsere Grossisten strengen sich an, dass wir alles pünktlich liefern können“, berichtet Rüdiger Richter.

Corona in Waldeck-Frankenberg: Buch-Bringdienst als Chance für Buchhändler

Der 49-Jährige sieht den neuen Buch-Bringdienst sogar ganz sportlich. „Ich drehe meine Runden, und das tut gut!“ Mit dem Rucksack voller Bücher auf dem Buckel radelt er meilenweit, stellt Büchertaschen mit Rechnung an den Haustüren ab. Buchhändlerin Inge Jakobi lobt ihre Mitarbeiterin Johanna Behr, die sich dafür von Fahrradhändler Alexander Fiedler extra neue Reifen aufziehen ließ und schon mal bis Viermünden radelt. „Sie ist unsere eilige Johanna“, sagt Inge Jakobi begeistert.

Natürlich werde bei dem Bringdienst auf Sicherheitsabstand zu den Kunden geachtet. Rüdiger Richter hat per Rad einen 88-jährigen Herrn im Ederdorf beliefert, der schon auf dem Balkon auf sein Buch wartete. Mit einem langen Greifarm, den er sonst zwischen den Ladenregalen benutzt, reichte er das Buch hinauf. „Ich habe seine Dankbarkeit gespürt“, sagt Richter. Und dafür tritt er jetzt bei seinen täglichen Fahrten gleich nochmal so gern in die Pedalen.

Von Karl-Hermann Völker

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Quelle: HNA

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