Corona im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Kurzarbeit: Führungsteam bei Viessmann verzichtet zugunsten unterer Lohngruppen

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Kurzarbeit ist auch bei Viessmann angesagt. Doch die Fertigung (Bild) läuft normal weiter.

Wegen Corona sind zurzeit viele Unternehmen auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg von Kurzarbeit betroffen. Bei Viessmann in Allendorf verzichtet das Führungsteam nun auf einen Teil seines Einkommens zugunsten unterer Lohngruppen.

Allendorf-Eder – Auch beim größten Arbeitgeber im Landkreis – dem Allendorfer Unternehmen Viessmann – ist seit Donnerstag infolge der Corona-Krise Kurzarbeit angesagt. Wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage bestätigte, sind rund 1000 der 4400 Mitarbeiter am Stammsitz in Allendorf betroffen, und zwar aus den Bereichen Marketing, Personalwesen und Finanzabteilung.

Kurzarbeit gilt jedoch nicht für die Fertigung. Dort werden wie bisher Klima- und Energielösungen hergestellt. „Viessmann ist als systemrelevantes Unternehmen eingestuft. Wir sorgen auch in Corona-Zeiten mit dafür, dass Krankenhäuser beheizt werden und die Kühlkette von Lebensmitteln in Supermärkten nicht unterbrochen wird“, sagte der Sprecher.

Nahezu alle Bürojobs seien ins Homeoffice ausgegliedert worden. Insgesamt arbeiteten derzeit etwa 2200 Mitarbeiter von zu Hause aus.

Ein interner Krisenstab wurde eingesetzt, um die Produktion unter erschwerten Bedingungen aufrechtzuerhalten und den Mitarbeitern größtmöglichen Schutz zu bieten. Dazu gehören beispielsweise die Desinfektion aller Durchgangsbereiche, die räumliche Trennung von Arbeitsgruppen in kleinste Teams und strenge Hygieneregelungen in den Mitarbeiterrestaurants.

Nicht alle rund 1000 Mitarbeiter sind gleichermaßen von Kurzarbeit betroffen. „In der Regel geht es um eine Reduzierung von 30 bis 50 Prozent“, so der Unternehmenssprecher. Kurzarbeit bedeutet grundsätzlich, dass Mitarbeiter ohne Kinder 60 Prozent ihres Nettogehaltes bekommen, Mitarbeiter mit Kindern 67 Prozent. Nach intensiven Gesprächen mit den Betriebsräten wurde bei Viessmann eine sozial gerechtere Lösung gefunden. „Wir stocken die unteren Lohngruppen auf mindestens 1450 Euro netto für Mitarbeiter ohne Kinder und 1500 Euro für Mitarbeiter mit Kindern auf. Die Aufstockung wird durch teilweisen Gehaltsverzicht der Führungsmannschaft finanziert“, sagte der Viessmann-Sprecher.

Das Unternehmen wolle seiner gesellschaftlichen Verantwortung für die Region gerecht werden, betonte Thomas Heim, Vertriebschef (CSO) bei Viessmann. Er hob die enge Partnerschaft des Unternehmens zum Fachhandwerk hervor und lobte den „großartigen Teamgeist, den wir auch in der Mannschaft seit Wochen beobachten können“. Die getroffene Kurzarbeitsregelung gilt zunächst für zwei Monate.

Hintergrund

Das Unternehmen Viessmann – Anbieter von Energie- und Klimalösungen – beschäftigt weltweit rund 12 300 Mitarbeiter, davon etwa 4400 am Stammsitz in Allendorf-Eder. Im Jahr 2019 wurde ein Umsatz von 2,65 Milliarden Euro erwirtschaftet. An der Spitze des Familienunternehmens stehen Prof. Dr. Martin Viessmann (Vorstandsvorsitzender) und dessen Sohn Maximilian Viessmann zusammen mit Joachim Janssen und Dr. Ulrich Hüllmann.

Von Thomas Hoffmeister

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Quelle: HNA

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