Carina Rüddenklau stammt aus Laisa

Coronavirus: Deutsche berichtet aus Shanghai: "Fühle mich hier sicher"

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In Shanghai: Carina Rüddenklau unterzieht sich einem Schnelltest, mit dem vor Fähren, Wohnkomplexen und Einkaufszentren überprüft wird, ob man Fieber hat, also mit dem Corona-Virus infiziert sein könnte. 

Das Coronavirus ist für die Menschen in Waldeck-Frankenberg (noch) weit weg. Carina Rüddenklau, gebürtig aus Laisa, lebt und arbeitet in China und hat uns berichtet, welche Auswirkungen das Coronavirus auf den Alltag in China und ihr Berufsleben hat.

Carina Rüddenklau arbeitet für einen global tätigen Wirtschaftskonzern. Seit 2,5 Jahren ist sie für diesen in China, lebt mit ihrem Mann Lars in Shanghai, der mit 24 Millionen Einwohnern größten Stadt des Landes. 

Am Flughafen

Sie sei erst vor wenigen Tagen mit ihrem Mann aus dem Urlaub in Russland zurück nach Shanghai gekommen. Einen Tag später hat Russland wegen des Virus’ seine Grenze zu China geschlossen. Am Flughafen gab es „die üblichen Sicherheitschecks und zusätzlich wurde ein Formular eingefordert, auf dem man versichert hat, dass man keine üblichen Symptome des Virus’ bei sich selbst wahrgenommen hat, sowie Aufnahme der Reiseroute und Reisezeiten“, erzählt die 37-Jährige. „Wichtig, aber nicht aufwendig“, sagt sie.

Es sei zwar wegen des „Ernsts der Lage“ mehr Personal am Flughafen gewesen und auch in Schutzkleidung, für sie sei dies aber „entsprechend und ausreichend“ gewesen.

In der Stadt

„Die lokalen Behörden sprechen Empfehlungen für Selbstschutzmaßnahmen aus“, berichtet Carina Rüddenklau. Und die aktuelle Ausbreitung des Virus’ in Shanghai zeige aus ihrer Sicht „deutlich den Erfolg der Maßnahmen, denn aktuell sprechen wir bei über 24 Millionen Einwohnern von knapp 200 Infizierten“, so ihr letzter Kenntnisstand von Anfang dieser Woche.

Die Uferpromenade „The Bund“ ist an Feiertagen von Menschen massen bevölkert, weil man von dort Sicht auf die Skyline Shanghais hat. Wegen des Corona-Virus ist der Bereich derzeit aber wie ausgestorben. „Hier trifft man nur ein paar Mutige“, sagt Carina Rüddenklau.

Lebensmittel seien ganz normal in Geschäften verfügbar, auch Restaurants haben geöffnet. Es sei auf den Straßen und Plätzen und insgesamt in der Stadt aber deutlich weniger los als üblich. Das liege zum einen daran, dass am 25. Januar das chinesische Neujahrsfest war, der wichtigste Feiertag des Landes, und viele noch im Urlaub bei ihren Familien seien. „Und viele halten es mit der Isolation sehr streng und verlassen die Häuser nur für das Nötigste. Das war bei unserem ersten Spaziergang zurück in Shanghai schon sehr seltsam. Für mich ist das auch aktuell das spürbarste Indiz des Virus’.“

Sie schätzt, dass 90 Prozent der Menschen in der Stadt mit Mundschutz unterwegs seien. Dass derzeit zusätzlich an Fähren, vor Einkaufszentren und Wohnkomplexen mit einem Schnelltest an der Stirn Fieber gemessen wird, um eine Infektion auszuschließen, „finde ich völlig in Ordnung“, sagt Carina Rüddenklau. Sie und ihr Mann wohnen in einem Hochhaus im 27. Stock.

Im Beruf

„Es gibt aus meinem Unternehmen ganz klare Handlungsrichtlinien und Möglichkeiten, uns hier vor Ort zu schützen“, berichtet Rüddenklau. Sie ist für die Firma als Managerin für die Vertriebsplanung für Asien, Afrika und den Mittleren Osten verantwortlich.

„Aktuell arbeite ich von zu Hause im Homeoffice, denn in Shanghai sind die Büros bis zum 9. Februar geschlossen. Zum einen, weil die Ferien durch das Virus um eine Woche verlängert wurden, zum anderen, um die Vorkehrungen für einen sicheren Büroalltag zu treffen: Bereitstellung der durch die WHO empfohlenen Schutzmasken und Desinfektionsmittel.“

Die Kommunikation

„Die Kommunikation gerade in China und auch durch meinen Arbeitgeber waren sehr gut, es wurde schnell informiert und auch Entscheidungen zum Umgang mit dem Virus getroffen“, sagt Carina Rüddenklau. Sie sehe eher ein geringes Risiko, sich in Shanghai mit dem Virus zu infizieren – nicht höher, als in Deutschland eine Grippe zu bekommen.

Das, was diese Frau trägt, Mundschutz und Hygiene-Handschuhe, sei „das aktuelle Outfit der Einwohner Shanghais“, sagt Carina Rüddenklau.

„Das unbekannte Virus ist natürlich ein Angst-Faktor, und allein durch die Bevölkerungszahl und -dichte ist eine Verbreitung in China schnell möglich. Aber ich denke, wir sprechen hier nicht vom Ende der Welt. Respekt und Vorsicht sind angebracht, Panikmache hilft uns sicher nicht.“

Deshalb sei sie auch von so mancher Berichterstattung „schon sehr irritiert“ gewesen, sagt sie – auch aus Deutschland. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO habe bereits von einer „Infodemie“ gesprochen, einer Überschwemmung an irreführenden Informationen über das Virus.

„Was es aktuell braucht, ist eine Orientierung an Fakten, Wissenschaft und respektvoller Solidarität“, findet Carina Rüddenklau. Sie fühle sich in China jedenfalls „sicher, gut informiert und gut aufgehoben.“ 

Wegen Coronavirus: Studierende in Bad Sooden-Allendorf fürchten sich um Familien in China.

Auch ohne bekannten Infektionsfall in Waldeck-Frankenberg hat das Virus Auswirkungen auf Firmen im Landkreis.

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