Mathéo hat eine eine Cerebralparese

Dalwigksthaler Familie will ein behindertengerechtes Auto für ihren Sohn

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Es wird eng: Neben dem Platz von Mathéo sieht man auch die Kindersitze seiner beiden Schwestern Josefine (6 Jahre) und Kiara (2 Jahre). Im Kofferraum steht der Rehabuggy, der passt nur auseinandergebaut ins Auto. 

Dalwigksthal. Die Familie Koller aus Dalwigksthal wünscht sich ein neues, behindertengerechtes Auto. Denn wenn Mathéo und seine Familie einen Ausflug unternehmen wollen, ist das eine logistische Herausforderung.

Neben Snacks, Jacken, zwei Geschwistern und Eltern müssen nämlich auch ein Rollstuhl, ein Rehabuggy und eine Lagerhilfe ins Auto gepackt werden. „Der Platz reicht vorne und hinten nicht“, sagt seine Mutter Lidia Koller. Das ist nötig, da Mathéo aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt eine Cerebralparese hat. 

„Das heißt, sein Nervensystem und seine Muskulatur sind gestört. Er leidet außerdem unter starker Epilepsie und einer Sehstörung“, erklärt Mutter Lidia. Mathéo wurde am 24. April 2013 per Not-Kaiserschnitt geboren: „Da atmete er schon nicht mehr. Der Arzt musste ihn reanimieren“, erinnert sich Lidia Koller. Er überlebte, doch die Nieren arbeiteten nicht richtig, Mathéos kleiner Körper wurde von Krämpfen geschüttelt. „Er kämpfte um sein Leben, für sich und uns“, ist Lidia Koller überzeugt. Und tatsächlich, Mathéo erholte sich. „Die ersten Lebensmonate wirkte er wie ein ganz normales Neugeborenes. Wir hofften, er wird ganz gesund.“

Doch schon drei Monate später zeigten sich die ersten Probleme. Infolge des Sauerstoffmangels hatte sich Narbengewebe auf der Brücke zwischen Groß- und Kleinhirn gebildet. Viele seiner Probleme sind neuronal. Was Mathéo irgendwann möglich ist und wie er sich entwickeln wird, sei noch nicht absehbar, so Lidia Koller.

Mit vier Jahren kann Mathéo inzwischen fast frei sitzen und sich etwas fortbewegen. Allerdings nur kurz, ansonsten ist er auf die Stabilisierung von Rehabuggy, Gehtrainer oder Begleitpersonen angewiesen. Mathéo kommuniziert mit Gesten und Lauten. Das klappt normalerweise gut, wenn er aber frustriert ist, schmeißt er sich hin, beißt und zieht an Haaren. „Das macht das Autofahren mit drei Kindern in Kindersitzen nebeneinander schwierig. Zusätzlich macht er oft auch unkontrollierte Bewegungen und haut dann aus Versehen andere“, sagt Lidia Koller. Ein weiteres Problem: Sie hat sich einen Lendenwirbel angebrochen und soll nur bis 15 Kilo heben. „Mathéo wiegt jetzt 13,5 Kilo. Ich habe Angst davor, was passiert, wenn er schwerer wird.“

Der Alltag der Familie wird von Therapien und Arztbesuchen geprägt. Die sind im ländlichen Waldeck-Frankenberg oft nur mit dem Auto erreichbar. Wegziehen möchte die Familie nicht, Lidia Koller ist in ihrem Haus in Dalwigksthal aufgewachsen, ihre Eltern leben nebenan und die finanzielle Situation der Familie mit einem Alleinverdiener ist angespannt, sie bezahlt einen Kredit ab.

Ein neues Auto mit viel Stauraum, bei dem eine Rampe und ein Rollstuhlhaltesystem eingebaut werden, würde den Alltag der Familie erleichtern. Die Fahrten zu Ärzten und Kita würden einfacher. Ihr jetziges Auto, ein VW Touran, sei zu klein und zu alt für diesen Umbau. Sie habe verschiedene Stiftungen und den Verein „Mobil mit Behinderung“ um Unterstützung gebeten. Mehrfach habe sie den Hinweis erhalten, dass ein solcher Umbau nur lohnend sei, wenn er an einem neuen Auto vorgenommen werde. Dafür wollen sie jetzt Spenden sammeln. „Es fällt uns sehr schwer, um Hilfe zu bitten, doch wir wollen für unseren Sohn ein gutes Umfeld schaffen, und wissen nicht mehr weiter“, sagt Lidia Koller.

Die Familie hat bereits Kostenvoranschläge eingeholt. Eines der günstigsten Modelle, ein Citroën Jumper, würde knapp 26 000 Euro kosten. Die Umbauten würden noch einmal 12 000 Euro kosten. Der Verein „Mobil mit Behinderung“ sammelt für die Familie Spenden auf einem extra Spendenkonto. Die Bankdaten: Mobil mit Behinderung e.V., Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE4166020500 0008711300, BIC-Code: BFSW DE33KRL, Betreff: Matheo.

Der Antrag wird beim Landkreis bearbeitet 

Die Familie Koller hat beim Landkreis Waldeck-Frankenberg einen Antrag zur Unterstützung beim Umbau des Autos gestellt. Zum Antrag und zur allgemeinen Antragstellung, sagt Kreissprecherin Petra Frömel: „Der Antrag ist bei uns am 20. Oktober eingegangen. Erwerb und Umbau von Kraftfahrzeugen im Rahmen der Eingliederungshilfe bedürfen immer einer sehr umfangreichen Überprüfung. 

Daher wird, um unnötigen Schriftverkehr zu vermeiden, zunächst ein Gespräch mit den Antragstellern gesucht, in dem Fragen geklärt werden. Der genaue Bedarf ist zu ermitteln. Dazu gehört insbesondere, für welche Lebensbereiche ein Hilfsmittel, beziehungsweise ein solches Fahrzeug erforderlich ist. 

Mit der Familie Koller wird zeitnah ein solches Gespräch vereinbart werden, bei dem dann auch erörtert wird, welche Unterlagen zur Entscheidung des Antrags noch erforderlich sind. Die Höhe der tatsächlichen Kostenübernahme hängt davon ab, in welchem Umfang ein Umbau oder der Erwerb eines neuen Fahrzeugs erforderlich ist, damit der behinderte Mensch am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen kann. Des Weiteren ist auch das Einkommen und Vermögen der Antragsteller in eine Bedarfsberechnung einzubeziehen und zu prüfen ob auch andere Beträge wie Spenden zur Verfügung stehen oder gestellt werden.“

Quelle: HNA

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