Frankenberg

„Dann müssen wir die Küche schließen“

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- Frankenberg (sg). Dem warmem Mittagessen in der Mensa der Ortenbergschule droht das „Aus“. Die Schulleitung kämpft an drei Fronten.

Im Konvektomaten zerläuft der Käse über der duftenden Salami-Pizza, der Obstsalat ist fertig zubereitet, der grüne Salat in Glasschüsseln angerichtet – Zeit fürs Mittagessen an der Ortenbergschule. Die Haupt- und Realschüler aus der Jahrgangsstufe acht probieren, was sie am Vormittag zubereitet haben: Im Wahlpflichtunterricht haben sie sich im Fach Hauswirtschaft für das Projekt Schulmensa entschieden. Mit zwei Schülern aus der neunten Klasse bereiten sie im neuen Schuljahr unter der Leitung von Giesela Gaul das warme Mittagessen für ihre Mitschüler zu.

Am Montag haben sich die sechs Achtklässler im Kurs erstmals zusammengefunden, diese Woche lernen sie noch Grundbegriffe des Kochens, Warenkunde, die Abläufe oder das Saubermachen. Die beiden Neuntklässler waren schon voriges Schuljahr dabei. Ab nächster Woche wird es ernst fürs Team: Dann wird ausgegeben, was es in der Küche zubereitet hat. Wieder einmal scheint die Ortenbergschule mit ihrem Modell weit vorn zu sein. Kein Caterer liefert der Mensa Essen nach dem Motto „Hauptsache billig“, die Schüler kochen frisch, täglich gibt es zwei Gerichte zur Auswahl. Laktosefrei? Vegetarisch? Kein Schwein für Moslems? Alles kein Problem für das flexible Team, Schüler und Lehrer brauchen nur ihre Wünsche anzukreuzen bei der Vorbestellung des Essens mindestens einen Tag vorher. Und so ganz nebenbei qualifiziert sich das Team fürs Berufsleben: Für ihren Einsatz erhalten die Schüler ein Zertifikat der Kasseler Industrie- und Handelskammer zur Berufsorientierung.

Doch während die kochenden Schüler in der Mensa ihre Pizza probieren, grübeln Rektor Erhard Wagner und Konrektorin Cornelia Schönbrodt im Verwaltungstrakt, wie sich dieses Modell aufrechterhalten lässt. Außer Frage steht, dass das Team in der Küche die Ausgabe schmackhafter Gerichte jeden Mittag organisiert bekommt, schließlich läuft das Projekt schon seit Jahren, Giesela Gaul leitet das Team im fünften Jahr und hat viele Erfahrungen gesammelt. Aber es läuft eben nicht so, wie es sollte. Mehr noch: „Es sieht nicht so aus, als ob wir das Angebot auf Dauer halten können“, bilanziert Wagner. „Wenn das so weitergeht, müssen wir die Küche schließen.“

Mehr lesen Sie in der FZ vom Mittwoch, 17. August

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