Frankenau

„Das kann einen nur wild machen“

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- Burgwald-Frankenau (jos). Die Frankenauer werden immer wütender auf das Darmstädter Regierungspräsidium und das Wiesbadener Sozialministerium. „Minister Grüttner hat das zu verantworten“, sagte Bürgermeister Björn Brede im Hinblick auf den Transport der potenziell an Q-Fieber erkrankten Schafe nach Frankenau. Noch immer habe das Ministerium seine Fragen nicht beantwortet. „Das kann einen nur wild machen.“

Der Abend in der Kellerwaldhalle sollte ursprünglich allein der sachlichen Information der Bürger dienen. Doch spätestens als Bürgermeister Björn Brede die rund 120 Besucher aufruft, ihre Fragen zu stellen, wird die Stimmung aufgeheizter. Dazu trägt auch der Frankenauer Rathauschef selbst bei – er bringt seine Wut wortstark zum Ausdruck und schimpft immer wieder über die Entscheidungsträger in Darmstadt und in Wiesbaden. „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen“, ruft Brede den Frankenauern zu und berichtet, dass das Stadtparlament eine Resolution verabschieden wolle. Darin sollen auch weitere Fragen an das Sozialministerium formuliert werden, das sich auf einen „Hilferuf“ der Stadt Frankenau nicht gemeldet habe.

Auf Nachfrage der WLZ-FZ erklärt Susanne Andriessens, Sprecherin des Sozialministeriums: „Wir haben die ganze Zeit über intensiv mit der Stadt Frankenau kommuniziert.“ Einen Tag vor dem Transport der Schafe nach Frankenau habe es ein Telefonat gegeben, in dem der Leiter der Gesundheitsabteilung im Ministerium gegenüber Kreisbeigeordnetem Deutschendorf und Bürgermeister Brede „alle Fragen hinreichend beantwortet hat“, so die Sprecherin.

Mit dieser Aussage aus dem Ministerium konfrontiert, wächst bei Björn Brede die Wut immer weiter. In dem genannten Telefonat sei nur erklärt worden, dass die Anordnung aus Korbach, nach der die Schafe nicht nach Frankenau gebracht werden sollten, keine Bestandskraft habe. „Unsere schriftlich gestellten Fragen an das Sozial­ministerium wurden bis heute nicht beantwortet. Man lässt uns einfach im Regen stehen“, schimpft Brede.

Auf weitere konkrete Fragen der WLZ-FZ verweist die Sprecherin von Sozialminister Grüttner auf das Darmstädter Regierungspräsidium. Von dort aus gibt es zwar Antworten – doch die lässt Bürgermeister Brede schlichtweg nicht gelten. Während der zuständige Sachbearbeiter aus Darmstadt erklärt, dass die Verbringung der Schafe nach Frankenau alternativlos gewesen sei, pocht Brede darauf, dass Schäfer Holger Backhaus doch auch in Herborn einen Stall besitze, in dem die trächtigen Schafe hätten untergebracht werden können. „Wenn in einem Stall ja angeblich keine Gefahr besteht, wäre das doch möglich gewesen“, betont Brede.

Zu drastischeren Mitteln haben unterdessen gestern Frankenaus Ortsvorsteher Alexander Kaufmann und SPD-Stadtverordneter Hilmar Werner gegriffen: Sie fuhren zur Frankenberger Polizei, um dort eine Strafanzeige gegen Sozialminister Stefan Grüttner protokollieren zu lassen – wegen versuchter fahrlässiger Körperverletzung. Was sie sich davon versprechen? „Dass Herr Grüttner merkt: Mit uns kann man nicht alles machen“, sagt Kaufmann. Im nächsten Schritt wollen er und Werner sich direkt an die Marburger Staatsanwaltschaft wenden. Wer die beiden in diesem Vorhaben mit einer Unterschrift unterstützen will, meldet sich telefonisch: Kaufmann ist unter 0163/4759340 zu erreichen, Werner unter 06455/649.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Freitag, 15. September

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