Streit auf der Frankenberger Bahnbrücke

"Das Steinewerfen haben wir richtig übel genommen"

Marburg - Drei junge Männer haben vor fast einem Jahr zwei Polizisten in Frankenberg beleidigt und mit Wackersteinen beworfen. Gestern wurden sie vor dem Marburger Amtsgericht verurteilt.

Mit einer Gruppe von etwa 15 Leuten saßen die drei Angeklagten am 19. April 2011 auf der Bahnbrücke in Frankenberg. Wie sie schilderten, kamen ein junger Mann und seine Freundin die Gleise entlang. "Ich habe denen zugerufen, dass sie gehen sollen, weil ich mit denen nichts zu tun haben will", sagte der 19-jährige Angeklagte, der seit Juli vergangenen Jahres eine Jugendstrafe absitzt.

Der Mann sei umgekehrt, die Frau sei weiter gegangen. "Ich lass mir doch von so Pissern nichts sagen", habe sie gesagt. Daraufhin ging der 19-Jährige auf sie zu und beleidigte sie. Deren Freund kam zu Hilfe und griff nach Aussage des 19-Jährigen zuerst an - er selbst habe sich nur gewehrt und im Sturz vor die Brust des Angreifers getreten. Die Frau rief daraufhin die Polizei.

Weil weder die Frau noch ihr Freund als Zeugen geladen werden konnten - laut Richter Cai Adrian Boesken ist die Frau ohne festen Wohnsitz und auch der Mann konnte nicht ausfindig gemacht werden - ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Körperverletzung gegen den 19-Jährigen fallen. Denn auch eine unbeteiligte Zeugin konnte nicht genau sehen, was passiert ist. "Die standen alle drei so dicht beisammen." Der Konflikt sei aber vom 19-Jährigen ausgegangen, der aggressiv auf das Mädchen zugelaufen sei und sie beschimpft habe.

Verurteilt wurden die drei Angeklagten, weil sie die von den verschwundenen Zeugen herbeigerufene Polizeibeamten beleidigt und angegriffen hatten. Wie die Polizisten aussagten, riefen sie den 19-Jährigen zu sich. Er rief zurück: "Seit wann kommt der Knochen zum Köter?" und bewegte sich nicht aus der Gruppe. Als die Beamten ihn holen und mitnehmen wollten, wand er sich aus deren Griff.

Schließlich konnten sie ihn packen und gingen mit ihm Richtung Streifenwagen. Die Gruppe - allen voran die 18- und 22 Jahre alten Mitangeklagten - beschimpften die Polizisten daraufhin und versuchten, den Festgenommenen von den Beamten wegzuzerren. Mit Schlagstock und Pfefferspray trieben die beiden Polizisten die Gruppe zurück, bevor die dem 19-Jährigen Handschellen anlegen und ihn mit zum Wagen nehmen konnten.

Während sie sich von der Gruppe entfernten, begannen die beiden Mitangeklagten mit faustgroßen Steinen aus dem Gleisbett nach den Polizisten zu werfen. "Sie haben nicht getroffen. Was heute gut für sie ist", sagte der Vorsitzende Richter.

Der 18-Jährige erklärte, dass er die Polizisten nicht angreifen wollte. Er habe mit ihnen reden und erklären wollen, was zuvor vorgefallen war. "Ich wollte mich nicht gegen zwei Polizisten wehren und meinen Freund losreißen", sagte er aus. Steine habe er aus Wut über den Einsatz des Pfeffersprays geworfen. "Sie hätten auf ihrem Hintern sitzen bleiben sollen", wies Boesken ihn zurecht. "Zu der Party waren Sie nicht eingeladen".

Die Polizisten forderten Verstärkung an und nahmen die Steinewerfer ebenfalls fest. Bei den anstehenden Kontrollen stellte sich nicht nur heraus, dass alle drei betrunken waren, sondern zwei von ihnen zudem Haschisch konsumiert hatten.

Die drei Angeklagten entschuldigten sich gestern bei den angegriffenen Polizisten und zeigten sich in ihren Schlussworten reumütig. Sie wollten keinen Alkohol mehr zu trinken, keine Drogen mehr nehmen und das eigene Leben mit Schulabschluss und Jobsuche in den Griff bekommen.

Der gefährliche Angriff auf die Polizisten wurde vom Gericht dennoch streng geahndet: "Das Steinewerfen haben wir ihnen richtig übel genommen", sagte Boesken in seiner Urteilsbegründung. Für den 18-Jährigen gab es daher eine Woche Jugendarrest, eine Geldbuße in Höhe von 1000 Euro und eine verpflichtende Suchtberatung.

Sieben Monate Freiheitsstrafe bekam der 22-Jährige, der nicht mehr nach Jugendstrafrecht belangt wurde. Seine Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er muss zusätzlich 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Weil er Polizisten bei einer späteren Kontrolle unter anderem als "Kartoffeln" betitelt hatte - dies wurde gestern mit abgehandelt - bekam er zusätzlich eine Geldstrafe von 400 Euro. Der 19-Jährige, der derzeit eine Strafe von elf Monaten in Rockenberg absitzt, bekam zusammengefasst eine Haftstrafe von 13 Monaten.

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