Frankenberger Lebenshilfe feiert 50-jähriges Bestehen

"Das Wissen um das Geleistete macht stark"

Sie sind Mitglieder des Lebenshilfevereins seit der ersten Stunde: Von der Bundesvorsitzenden Ulla Schmidt (l.) und Vorsitzendem Helmut Klein (r.) erhielten Maren Schäfer, Dr. Hans-Hermann Diedrich, Heike Fleck stellvertretend für die Frankenberger Bank, Willi Reese, Ludwig Heil und Manfred Greis (v.l.) für die Viessmann-Werke Urkunde und Goldene Ehrennadel.Fotos: Gerlinde Himmelmann

Frankenberg - In Frankenberg setzen sich seit 50 Jahren engagierte Menschen für das Wohl von Menschen mit Behinderung ein. Viele Gäste haben mit der Frankenberger Lebenshilfe Geburtstag gefeiert.

„Von Spielnachmittagen für Kinder mit Behinderung in den 1950er-Jahren bis zum Aufgabenfeld der Lebenshilfe in heutiger Zeit liegt eine stetige Weiterentwicklung und Veränderung der Zielsetzungen“, erklärte Helmut Klein, Vorsitzender des Frankenberger Lebenshilfevereins. „Ich muss gestehen, ich bin etwas nervös, mit so vielen Gästen hatte ich nicht gerechnet“, gab er zu Beginn der Veranstaltung zu. „Aber ihr Kommen signalisiert die Akzeptanz und Unterstützung unserer Ziele.“

„Die Lebenshilfe ist eine Institution in Frankenberg“, stellte Bürgermeister Rüdiger Heß fest. Er berichtete von Besuchen in Wohngruppen und Werkstätten, von Gesprächen mit den Menschen dort. „Die Lebenshilfe steht für Integration“, bestätigte er und erinnerte an den außergewöhnlichen und stets gut besuchten Weihnachtsmarkt der Lebenshilfe.

Landrat Dr. Reinhard Kubat zollte größten Respekt für die geleistete Arbeit. „Allen, die diese Arbeit mit Menschen mit Behinderung leisten, ihr segensreiches Wirken verdient höchste Anerkennung.“

Im Interview mit Moderatorin Gwendolin Jungblut gab LH-Mitglied Daniela Schwaiger eine „Binnensicht“. Sie habe von der LH viel Unterstützung erhalten, bezeugte sie. „Zuerst habe ich im ‚Brotgarten‘ gearbeitet, und nun bin ich seit drei Jahren auf einem Außenarbeitsplatz in einem Bio-Supermarkt am Frankenberger Untermarkt. Ich bin froh, dass es die Lebenshilfe für Leute wie mich gibt.“ Am besten gefallen ihr die Sportangebote, sagte sie und berichtete weiter von einer Reise nach Afrika und der Besichtigung der dortigen Werkstätten.

„Aus der Fürsorge in die Teilhabe“ ist der Tenor im Festbeitrag der ehemaligen Gesundheitsministerin und heutigen Bundesvorsitzenden der LH, Ulla Schmidt. „Inklusion auf allen Ebenen“, forderte sie, „das geht nur, wenn die Stadt Frankenberg und das gesamte Landratsamt mitarbeiten.“ Der Elternverband stehe auf drei Säulen - ehrenamtliches Engagement, professionelle Kräfte, Mitspracherecht behinderter Menschen - führte sie aus. „Zum ersten Mal in der Geschichte der LH decken wir den gesamten Lebenskreis der Menschen ab, wir haben die erste Generation im Rentenalter. Lassen Sie jetzt nicht nach in Ihrem Engagement“, rief sie den Gästen zu.

Einen Blick auf „Schlaglichter zu 50 Jahren Lebenshilfe-Arbeit“ in der Region Frankenberg gab der Vorsitzende Helmut Klein. „Auf Anregung des niederländischen Pädagogen Tom Mutters gründete sich 1958 in Marburg der Verein ‚Lebenshilfe für das behinderte Kind‘. Es hat dann noch sieben Jahre gedauert, bis wir hier in Frankenberg auch so weit waren und der Elternverein sich gründete.“ Damals waren Behinderte in der Öffentlichkeit kaum sichtbar, so galt es zuerst, das Vertrauen der Eltern zu gewinnen, sagte er rückblickend. „Wir begannen mit Spielnachmittagen und Halbtagskindergarten, später kamen Bastelstuben für Jugendliche und Erwachsene hinzu. Freizeiten an der Nordsee und in den Bergen waren eine weitere Entwicklungsstufe und die Anschaffung des ersten eigenen VW-Busses gar ein Meilenstein. Damit war es uns möglich, die Menschen in die Werkstatt zu fahren, die damals noch in Rennertehausen war.“

Klein erklärte den Wandel des Aufgabenfeldes des Vereins, verdeutlichte es an den Logos der jeweiligen Epoche. Von der „Lebenshilfe für das behinderte Kind“ über „Lebenshilfe für Behinderte“ bis hin zum aktuellen Namen „Lebenshilfe“ mit dem eher abstrakten Logo. „1975 wurde das ‚Lebenshilfewerk Frankenberg‘ gegründet. Wir betreuen Menschen aller Altersstufen, wir investierten als Förderverein in Wohnheime und Kindergärten und sind Träger des Betreuungsvereins mit Beratungs- und Geschäftsstelle in Frankenberg, unser Dank gilt den vielen Spendern, ohne deren Unterstützung diese Arbeit nur schwer möglich wäre.“ Ganz besonders erinnerte er an die „Erfolgsgeschichte Weihnachtsmarkt“. Seit dem Beginn vor 42 Jahren sei dieser Markt anders und besonders gewesen und zog stets große Besuchermengen an. „Alle Einnahmen der Stände werden gemeinnützigen Organisationen gespendet, und oft sind wir das.“

Mit großer Freude würdigten die Bundesvorsitzende Ulla Schmidt und der Vorsitzende Helmut Klein an diesem Abend mit Urkunde und Goldener Ehrennadel für 50-jährige Mitgliedschaft im Verein die Frankenberger Bank, vertreten durch Heike Fleck, Dr. Hans-Hermann Diedrich, Maren Schäfer, Willi Reese, Ludwig Heid und die Viessmann-Werke, für die Manfred Greis die Ehrung entgegennahm.

Mit dem „Integrationspreis um die besonderen Belange der Lebenshilfe“ zeichneten sie Dr. Hans-Hermann Diedrich, die Viessmann-Werke und die NAJU Frankenberg unter Leitung von Frank Seumer aus.

Schließlich sollten auch Helmut Klein und Norbert Michel für ihren großen Einsatz für die Lebenshilfe geehrt werden. Sie erhielten aus der Hand des Landesvorsitzenden Frank Strothmann Urkunde und Silberne Ehrennadel für 25-jähriges Wirken zum Wohle des Vereins.

Bunte Akzente setzte an diesem Abend ein über 50 Meter langes Plakatbanner. Zusammengesetzt aus vielfältigen Beiträgen von Schulen und Kindergärten der Region, schmückte es die Halle. Die Band der Kegelbergschule unter Leitung von Schulleiter Harald Vogler und Stufenleiter Maik Möller heizte den Besuchern mit viel Rhythmus und Melodie kräftig ein. Die Stücke des Chors „Sounds of Viessmann“ unter Leitung von Dominic Zissel bereicherten den Abend.

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