Schulleiter Hermes informiert Eltern über Folgen der Entscheidung

„Definitiv keine reine G8-Schule mehr“

Die Frankenberger Edertalschule unterrichtet derzeit nach dem G8-Modell. Damit soll schon im nächsten Jahr Schluss sein: Das Gymnasium strebt einen Wechsel an. Archivfoto: Pauly

Frankenberg - Noch ist nicht entschieden, ob die Edertalschule ab Sommer 2013 zurückkehrt zum neunjährigen Weg bis zum Abitur oder am Schulversuch mit einem kombinierten Angebot aus G8 und G9 teilnimmt. Nur eines scheint sicher: Es bleibt nicht so, wie es ist.

„Die Edertalschule wird nächstes Jahr definitiv keine reine G8-Schule mehr sein“, sagt Schulleiter Stefan Hermes. Die Abneigung gegen das aktuelle Konzept - der auf acht Jahre verkürzte Weg zum Abitur - ist groß am Frankenberger Gymnasium: Weder bei den Eltern, noch bei Schülern oder Lehrern findet sich eine Mehrheit für das G8-Modell.

Stattdessen habe sich in der Elternversammlung am Montagabend eine überwältigende Mehrheit für den Schulversuch ausgesprochen, sagt Hermes auf FZ-Nachfrage.

Dabei handelt es sich um ein Kombinationsmodell: Für gute, schnelle Schüler gibt es weiterhin das G8-Angebot. Ebenso ist aber der „alte“ Weg über neun Jahre wieder möglich. Nimmt die Edertalschule an diesem Schulversuch teil, werden die ersten beiden Schuljahre am Gymnasium nach G8-Lehrplan gestaltet. Ab der siebten Klasse gibt es getrennten Unterricht für G8- und G9-Absolventen.

Noch gibt es zu diesem Schulversuch offene Fragen, die aber bis zur Entscheidung im Dezember geklärt sein sollen. Besonders bewegt Schulleiter Hermes die bisherige Vorgabe, mindestens je zwei G8- und G9-Klassen pro Jahrgang zu schaffen. Das hält Hermes für unrealistisch. Allerdings gebe es „berechtigte Hoffnungen“, dass diese Vorgabe geändert wird, sagt der Schulleiter.

Zudem müsse die Organisation gewährleistet sein. Derzeit befassen sich zwei Arbeitsgruppen mit Konzepten: Die eine arbeitet für G9, die andere für das Mischmodell. „Da müssen wir noch einige Stolpersteine angehen und Lösungen finden“, erläutert Hermes.

Das Bild der Abstimmung beim Informationsabend spiegelt auch die Meinung im Schulelternbeirat wieder, sagt Ute Orthwein, die gemeinsam mit Andrea Binzer und Kerstin Engelhard den Vorsitz hat: „Wir drei haben uns dafür ausgesprochen, und auch bei der Vorstandssitzung war die Mehrheit für den Schulversuch“, berichtet sie. Für Orthwein hat das Mischmodell den Vorteil, dass es für jeden Schüler individuell „zugestrickt“ sei: Jeder könne die Form auswählen, mit der er am besten klarkäme. Auch die Schüler der jetzigen fünften und sechsten Klassen könnten, wenn sie wollten, noch zu G9 wechseln.

Nicht nur die Eltern sind mehrheitlich für das zweigleisige Modell. Auch die Schülerschaft hat sich in einer Vollversammlung bereits mit den drei Möglichkeiten - Fortführung von G8, Rückkehr zu G9 oder Schulversuch mit Kombination beider Angebote - befasst und abgestimmt. In den Jahrgangsstufen fünf bis sieben sprachen sich 56 Schüler für G8 aus, 42 waren für G9. Mit 153 Schülern war die deutliche Mehrheit bei den Jüngsten für das Mischmodell.

In den Jahrgangsstufen acht und neun stimmten mit 136 Schülern ebenfalls die meisten Kinder für den Schulversuch. Nur drei Schüler der Klassen, die gegenwärtig G8 durchlaufen, sprachen sich auch dafür aus. Für eine Rückkehr zu G9 stimmten 71 Jungen und Mädchen.

Lediglich die Schüler der Oberstufe waren mehrheitlich für die Rückkehr zu G9 (145). Auf die kombinierte Version entfielen 132 Stimmen. Von den ältesten Schülern sprachen sich nur wenige 16 für G8 aus.

Bei den Lehrern besteht nach Angaben von Stefan Hermes bisher eine knappe Mehrheit für die Rückkehr zu G9.

Die bisherigen Abstimmungen sind lediglich Meinungsbilder - es handelt sich dabei noch nicht um Beschlüsse. Theoretisch bräuchte die Schulleitung die Zustimmung der Gremien für den Schulversuch auch nicht. Dennoch wünscht sich die Schulleitung Einigkeit in der Frage, wie es am Gymnasium weitergehen soll. Deshalb sollen die Gesamtkonferenz, die Schulkonferenz, die Schülervertretung und der Schulelternbeirat in die Entscheidung einbezogen werden.

Am 1. Dezember soll das neue Schulgesetz vorliegen, Mitte Dezember sollen dann die nötigen Anträge für die Rückkehr zu G8 oder die Teilnahme am Schulversuch gestellt werden - je nachdem, wofür sich die Gremien entscheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare