Auszeichnung für Firma Mütze

"Den Jugendlichen eine Chance geben"

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Mütze

Frankenberg - Eine überdurchschnittlich hohe Ausbildungsquote und ein besonderes Engagement für Bewerber mit Unterstützungsbedarf bringen dem Bauunternehmen Mütze das „Zertifikat für Nachwuchsförderung“ der Agentur für Arbeit ein.

Auf den Baustellen der Firma Heinrich Mütze aus Frankenberg arbeiten 13 junge Männer - wenn sie nicht gerade im Lehrbauhof praktisch tätig sind oder die Berufsschule besuchen. Die Ausbildungsquote des Unternehmens liegt bei 15 bis 20 Prozent. Hinzu kommen regelmäßig Praktikanten, die eine Ausbildung in dem Unternehmen anstreben. „Das ist für ein Unternehmen dieser Größe eine bemerkenswerte Quote“, sagt Manfred Hamel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Korbach. Zusammen mit der Firma Diesel-Nonn aus Dorfitter erhält Mütze daher das „Zertifikat für Nachwuchsförderung“.

„Wir bilden allerdings nicht aus, um eine Auszeichnung zu bekommen, sondern um ein Fundament zu legen für den Betrieb und um Jugendlichen eine Chance zu geben“, sagt Geschäftsführer Ulrich Mütze bei der Übergabe der Urkunde bescheiden. Von den fertig ausgebildeten Straßenbauern, Maurern, Hoch- und Tiefbaufacharbeitern werden seiner Aussage zufolge etwa 70 Prozent übernommen - auch wenn einige Jahre später die meisten „den Duft der großen Welt“ schnuppern wollten und das Frankenberger Unternehmen verlassen: eine neue Perspektive, ein gutes Angebot, den Reiz der Meisterschule. Einige jedoch kämen später wieder, „etwa einer im nächsten Monat“, sagt Mütze und freut sich.

Es scheint also etwas richtig zu laufen bei dem Bauunternehmen aus der Siegener Straße. Möglicherweise hat es mit dem zweiten Grund zu tun, aus dem die Firma von der Agentur für Arbeit ausgezeichnet wurde: dem „besonderen Engagement für Bewerber mit Unterstützungsbedarf“, wie Hamel erklärt.

Chance für Schwächere

„Es hat sich oftmals gut entwickelt, was anfangs schlecht aussah“, so drückt es Ulrich Mütze aus. Sein Unternehmen gebe auch jenen eine Chance, deren Zeugnisse nicht unbedingt auf einen idealen Kandidaten hinweisen würden. „Das Ergebnis zeigt, dass auch Schwache zu leistungsfähigen Mitarbeitern werden können“, sagt Mütze und lobt die duale Ausbildung im Betrieb und der Berufschule.

Ein Kompliment richtet der Empfänger der Urkunde zurück an die Arbeitsagentur: Sie gebe ihm die Möglichkeit, Schwächeren zu helfen. Er berichtet von einem Auszubildenden, der in der Theorie große Probleme habe, in der Praxis aber hervorragende Arbeit abliefere - und der in der Schule durch die Agentur für Arbeit gefördert wird: „Ich bin sicher, der schafft seine Zwischenprüfung“, zeigt sich Mütze überzeugt. Den Dank von Hamel, dass sich in Mützes Unternehmen auch um schwächere Mitarbeiter gekümmert werde, reicht er umgehend an seine Angestellten weiter: Die würden sich an die Praktikanten und die jungen Auszubildenden wenden, sie auf der Baustelle an die Hand nehmen und sich um sie kümmern.

Bei dem Bauunternehmen habe sich inzwischen die zweijährige Ausbildung durchgesetzt. „Fast alle hängen dann das dritte Lehrjahr an“, erläutert der Geschäftsführer. In den ersten beiden Jahren werde hauptsächlich die Theorie vermittelt, im dritten Jahr ginge es meist um die Praxis. Der Vorteil: Selbst wer für Lehrjahr drei zu schwach ist, hat bereits nach zwei Jahren einen Berufsabschluss. Kritik äußert Mütze bei der Urkundenübergabe an den stetig steigenden Anforderungen an die Lehrlinge: „Wenn wir die Latte immer höher legen, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn sie immer häufiger gerissen wird“, sagt er.

Daher sei es umso wichtiger, sich die Bewerber um eine Stelle anzuschauen: „Es kommt eben nicht immer nur auf die Zweien im Zeugnis an“, erläutert er, sondern darauf, was der Bewerber am Bau leisten kann - daher die Praktika, die bei Mütze vor Ausbildungsbeginn die Regel sind. „Kollegen, die keine Praktika anbieten, haben oftmals ein Bewerberproblem“, berichtet Mütze, der auch stellvertretender Kreishandwerksmeister ist.

Mehr Bewerber als Stellen

Das Problem kennt auch Steven Schwarz, Teamleiter beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit: „Ausbildungsstellen sind genug da, Bewerber eher nicht“, benennt er den Mangel an Absolventen, die nicht studieren oder eine weiterführende Schule besuchen wollen: „Es werden immer weniger, die in betriebliche Ausbildungen gehen“, beklagt er - und zeigt sich verwundert über die Bewerberzahlen des Frankenberger Bauunternehmens.

„Auf unsere jährlich vier Stellen bewerben sich 16, 17 Menschen“, sagt Mütze. Davon alle „Alibi-Bewerbungen“ abgezogen - so nennt der Unternehmer Anschreiben, aus denen ersichtlich wird, dass es den Verfassern nicht um die Stelle, sondern einen Nachweis für die Arbeitsagentur geht - blieben knapp zehn „ernsthafte Bewerber“. Die geben dem Familienbetrieb den Vorzug vor großen Unternehmen - und bauen dann an den Straßen im Frankenberger Land. Derzeit ist die Firma etwa in Louisendorf für Hessen Mobil, in Rosenthal im Auftrag der Stadt, in Willersdorf für einen besseren Hochwasserschutz und in der Allendorfer Sudetenstraße tätig.

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