Bottendorf

Denkmalpflege unterstützt Sanierung des Alten Kindergartens

- Burgwald-Bottendorf (rou). Während die Zimmerleute zu Hammer, Axt und Kettensäge greifen und Mitglieder der örtlichen Vereine viel Eigenleistung einbringen, machen in Bottendorf Gerüchte die Runde, wonach der Alte Kindergarten abgerissen wird. Das Gegenteil ist der Fall: Mit vereinten Kräften wird an der Sanierung des ortsbildprägenden Fachwerkgebäudes gearbeitet.

Mit einem neuen verantwortlichen Architekten und neuem Elan ist in den vergangenen Tagen die Sanierung des Alten Kindergartens an der Bottendorfer Dorfbrücke fortgesetzt worden. Nachdem bekannt geworden war, dass die Arbeiten 100 000 Euro mehr kosten als ursprünglich kalkuliert, hatte Bürgermeister Lothar Koch einen Baustopp verhängt (FZ berichtete).

Klein betreut Sanierung

Doch seitdem die Finanzierung gesichert ist, ist bereits wieder jede Menge Schweiß geflossen. Denn die Bottendorfer Vereine stehen voll hinter der Sanierung, berichtete Koch gestern dem Denkmalpfleger Dr. Bernhard Buchstab, der Geld mit nach Bottendorf gebracht hatte. Das Landesamt unterstützt die Sanierung in diesem und im nächsten Jahr mit jeweils 10 000 Euro. Die Gemeinde bringt sich mit rund 27 000 Euro ein, die Eigenleistung der Dorfgemeinschaft soll sich auf einen vergleichbaren Betrag summieren. Der Rest soll aus dem Verkauf von Puzzleteilen (FZ berichtete) erwirtschaftet werden.

Die Arbeiten der Bottendorfer Bürger und der beauftragten Fachfirmen koordiniert Sebastian Klein, der die Aufgabe von Adam-Willi Finger übernommen hat. Er hat laut Koch den Auftrag aus „persönlichen Gründen“ zurückgegeben. Klein ist gebürtiger Bottendorfer, unter anderem im Motorradclub aktiv und betreibt in Mainz ein Architekturbüro. Das Projekt in seinem Heimatdorf wird er vor Ort betreuen. So fand in der vergangenen Woche bereits ein Rundgang mit Sachverständigen und Handwerkern statt, gestern Abend war eine Absprache der Vereine geplant. „Denn die Vereinsmitglieder stehen in den Startlöchern und wollen weiterarbeiten“, erläuterte Dieter Klein vom Bottendorfer Männergesangverein, der im Erdgeschoss des Alten Kindergartens seinen Übungsraum hatte und dort auch nach Abschluss der Arbeiten wieder einziehen will.

Erhebliche Eigenleistung

Eine Heimat finden wollen in dem dreigeschossigen Gebäude außerdem die Landfrauen, der Frauenchor ProMusica und der Heimat- und Kulturverein. Während die Gemeinde die Grundsanierung bezahlt, sind die Vereine für die Arbeiten in den Räumen zuständig, die sie künftig auch nutzen wollen.

In unzähligen Stunden hätten die Bottendorfer bereits Bauschuttcontainer gefüllt und laut Heinz Klem, Vorsitzender der Gemeindevertretung, einen Beitrag geleistet, ohne den die Rettung des Fachwerkgebäudes vermutlich nicht möglich gewesen wäre. Dies stellte auch Bürgermeister Koch klar. Er lobte das große Engagement und rechtfertige unter anderem damit die Investition in das Gebäude. „Der Rückbau und die Neugestaltung des Platzes hätte vermutlich nicht weniger Geld gekostet als die Sanierung.“

Auch Denkmalpfleger Buchstab lobte das Engagement. Er stellte die Ensemblewirkung des Alten Kindergartens, der Martinskirche und des Pfarrhauses mit dem August-Winnig-Heim heraus. Es sei wichtig, das Gebäude zu erhalten und mit Leben zu erfüllen. Seiner Überzeugung nach sei der Alte Kindergarten ein wichtiger Baustein im dörflichen Leben. Der Abriss wäre eine falsche Signalwirkung gewesen, gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. „Wenn so viel Herzblut einfließt, hat dieses Projekt auch Vorbildcharakter für andere Ortschaften“, sagte Buchstab. „Nur wenn Orte zusammenstehen, können sie sich auch für die Zukunft rüsten.“

Eine Zimmerei, die sich auf die Sanierung alter Fachwerkhäuser spezialisiert hat, hat bereits mit dem Austausch maroder Balken begonnen. Und auch die ersten 1,2 Tonnen Lehmziegel wurden in das Haus eingebracht. Der Bürgermeister ist trotz dieser teuren Baustoffe überzeugt, dass der Kostenrahmen eingehalten werden kann. Bei einer neuerlichen Überprüfung stellte sich unter anderem heraus, dass die Giebelseite doch nicht komplett erneuert, sondern nur in Teilen neu aufgebaut werden muss. Auch dies führt voraussichtlich zu Einsparungen.

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