FDP-Kreisvorstände in Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder benennen Kandidaten für Wahlkreis 170

Dennis Majewski will in den Bundestag

Bromskirchen - Der Historiker aus Bromskirchen hat als Mitarbeiter von Björn Sänger bereits Erfahrungen im Bundestag gesammelt.

Rentenstreit, Mindestlöhne, Euro-Rettung, Haushaltsdebatte – der Ton wird schärfer in Berlin, die Bundestagswahl im nächsten Jahr wirft ihre Schatten voraus. Doch nicht nur in der Hauptstadt bereiten sich die Parteien auf den Urnengang vor: Die FDP-Kreisvorstände in Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder haben bereits einen Kandidaten für den Wahlkreis 170 benannt: Sie haben sich in getrennten Sitzungen für Dennis Majewski aus Bromskirchen ausgesprochen. Der Wahlkreis umfasst den Schwalm-Eder-Kreis und das Frankenberger Land. „Ich habe mich gefreut, dass die beiden Kreisverbände auf mich zugegangen sind“, sagte Majewski gestern im Gespräch mit der WLZ-FZ. „Die Kandidatur ist eine Herausforderung für mich.“ Aber „als jüngerer Mensch“ sei es ihm ein Anliegen, in der Politik Verantwortung zu übernehmen. „Nicht nur Ältere sollten sich engagieren, es ist auch für Jüngere wichtig, sich einzubringen“, sagte der 29-Jährige. Er wolle mit seiner Kandidatur „ein Zeichen setzen“ und „Politik mitgestalten“. Das macht er bereits seit Jahren bei den Liberalen, lokal und auf Landesebene. Von 2005 bis 2008 war Dennis Majewski Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen in Waldeck-Frankenberg, von 2006 bis 2009 war er auch stellvertretender Landesvorsitzender. In dieser Position vertrat er die Jugendorganisation auch im Landesvorstand der FDP. Dem Kreisvorstand der Partei gehörte er von 2005 bis 2007 als Vertreter der „Julis“ an, seitdem ist er gewählter Beisitzer. Und seit 2006 ist er Gemeindevertreter in Bromskirchen, er ist in der zweiten Wahlperiode Abgeordneter der Bürgerliste Somplar. Seine politischen Schwerpunkte seien bisher der „ländliche Raum“, die Umweltpolitik und besonders die Infrastruktur gewesen, erklärt er. Wichtig sei ihm die bessere Anbindung der Region an große Verkehrswege, ob es die Straßenverbindung von Olpe bis Hattenbach ist oder der „Lückenschluss“ der Bahnstrecke zwischen Frankenberg und Korbach. Auch in die Diskussion um die Abschaffung des gerade von Jugendlichen genutzten „Fifty-fifty-Taxis“ und den Ausbau des Anruf-Sammel-Taxis hat er sich eingemischt. Bildungsangebote vor Ort Auch Majewski engagiert sich dafür, dass junge Leute nach ihrer Schulzeit Bildungsangebote in der Region finden, sie müssten die Chance erhalten „hierzubleiben“. Denn oft genug kämen sie nach einem Studium auswärts nicht in den Kreis zurück – und den heimischen Unternehmen fehle der qualifizierte Nachwuchs. Deshalb begrüßt er zum Beispiel die Angebote des dualen Studiums im Kreis. „Dennis Majewski ist ein guter Mann, dem die Zukunft gehört“, urteilt der Vorsitzende der Waldeck-Frankenberger Liberalen, Dieter Schütz. Er kenne ihn seit sieben Jahren durch die Zusammenarbeit im Kreisvorstand. Majewski agiere „sehr zielorientiert“ und finde in Diskussionen „klare Worte“. Weil der Kreisvorsitzende der FDP in Schwalm-Eder, Nils Weigand, nicht mehr als Wahlkreis-Kandidat antreten will, habe es nahegelegen, Majewski zu benennen, erklärte Schütz. Die Delegierten aus Schwalm-Eder und dem Frankenberger Land kommen am Freitag, 12. Oktober, zur Wahlkreisversammlung in Neuental-Gilsa zusammen, um ihren Kandidaten offiziell aufstellen. Dennis Majewski ist bislang der einzige Kandidat. „Ich bin total optimistisch, dass er ein gutes Ergebnis erhält“, betont Schütz. Ob es für einen Einzug in den Bundestag reicht, ist allerdings fraglich – der Bromskirchener tritt im Wahlkreis gegen den 2009 siegreichen Sozialdemokraten Dr. Edgar Franke und gegen das CDU-Schwergewicht Bernd Siebert an. „Ich muss realistisch sein“, sagt Majewski. Zuletzt habe ein FDP-Bewerber in den 1950/60er-Jahren den Wahlkreis direkt gewonnen. Aussichtsreich wäre allein ein guter Platz auf der hessischen Landesliste der FDP. Doch den zu erreichen, sei „eher schwierig“ , schätzt er. Der Bezirk Nordhessen stellt seine Liste im November auf. Auf Platz eins ist der Bundestagsabgeordnete Björn Sänger gesetzt, Schütz hofft, dass Majewski auf Platz drei kommt. „Er hat meine volle Unterstützung.“ Doch auf der Landesliste dürfte Majewski nach hinten rutschen. Und dann wäre noch ein gutes Wahlergebnis erforderlich, damit es hessische Liberale erneut nach Berlin schaffen. Derzeit liegt die FDP in Umfragen wieder unter der Fünf-Prozent-Hürde – aber wie schnell sich das drehen kann, haben die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gezeigt. Deshalb rät Schütz abzuwarten. Doch der Kreisvorsitzende denkt schon über die Wahl 2013 hinaus: „Dennis ist ein Bewerber für die Zukunft“, der auch bei weiteren Wahlen noch antreten könne. Er könne die Partei „gut vertreten“. Arbeit in Berlin Der Bromskirchener hat nach dem Abitur an der Würzburger Universität Geschichte studiert. Von Oktober 2009 bis März 2012 war er im Berliner Bundestagsbüro von Björn Sänger Pressesprecher, dabei hat er erste Einblicke in die Parlamentsarbeit gewonnen. Die Regierungskoalition habe in Nordhessen stark investiert, stellt Majewski fest. Gerade bei der Infrastruktur hätten heimische Vertreter die Interessen der Region durchgesetzt. Seit seinem „Ausflug“ in die „große Politik“ sitzt Majewski wieder an seiner Doktorarbeit. Er forscht über den Ausbau der Herrschaft im Mittelalter, dabei vergleicht er die Entwicklung des Zisterzienserklosters in Haina mit einem Konvent in Südbrandenburg. Derzeit arbeitet er mit einem Stipendium am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte in Frankfurt. Bis Ostern 2013 will er das Manuskript fertig haben, das Promotionsverfahren will er möglichst im Sommer abschließen.Dazu kommt für Majewski voraussichtlich noch die zweite zeitintensive Herausforderung: der Wahlkampf fürs Mandat im Bundestag. Schließlich müsse Nordhessen auch weiter „Gehör in der Bundeshauptstadt“ finden, betont er.

von Dr. Karl Schilling

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