Haina

Vor Depressionen ist niemand gefeit

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- Haina/Kloster (apa). Das subjektiv empfundene Leid durch Depressionen ist bundesweit fast viermal so hoch wie etwa durch Diabetes. Jede vierte Frau und jeder achte Mann erkranken im Lauf ihres Lebens an einer Depression.

Gegen das Stigma der psychischen Krankheit und das fehlende Wissen kämpft seit 2003 der Verein „Bündnis gegen Depression“, das auch eine nordhessische Regionalgruppe hat. Ihr Ziel ist es, durch Information die Symptome von Depressionen auch für Laien erkennbar zu machen und dadurch letztendlich die Suizidraten zu senken. Am Mittwoch fand ein Vortrag zum Thema im Kapitelsaal des Klosters statt. Positiv überrascht von der großen Resonanz auf ihren Vortrag zeigten sich die Vorstandsmitglieder Petra Sonnauer, Oberärztin der Vitos Psychiatrischen Tagesklinik in Korbach, und Dr. Manfred Schäfer, Ärztlicher Direktor der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten. Knapp 100 Interessierte waren gekommen, darunter Betroffene und Angehörige von Patienten, aber auch Fachpersonal aus verschiedenen heimischen Einrichtungen.

Depressionen treten in allen Altersgruppen auf, Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen wie Männer, informierte Petra Sonnauer. Fehlende Information, Scham und Angst vor der Therapie sind Faktoren, die dazu führen, dass lediglich zehn Prozent der rund vier Millionen Betroffenen in Deutschland adäquat behandelt werden, erläuterte die Fachärztin. Sie informierte über die Symptome des Körpers, der Seele und im Verhalten und erläuterte verschiedene Ursachen einer Depression.

„Wir gehen davon aus, dass nicht eine Ursache allein für die Krankheit verantwortlich ist, sondern dass meistens mehrere Faktoren zusammenkommen.“ Dabei spielen psychosoziale Gründe wie die persönliche Lebensgeschichte ebenso eine Rolle wie die genetische Vorbelastung oder eine Dysfunktion der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin. Da die Ursachen von Patient zu Patient differieren, ist auch die Behandlung unterschiedlich, betonte Petra Sonnauer: „Ein Patient mit einer langen Heimkarriere ist anders zu behandeln als eine Patientin mit einer Wochenbettdepression.“

An dieser Stelle übernahm Dr. Manfred Schäfer den Vortrag. Er betonte, dass bei einer akuten schweren Depression eine stationäre Behandlung unabdingbar sei. Darin würden die Patienten enorm entlastet, weil ihre Erkrankung ernst genommen werde, die häufig auftretenden Schlafstörungen behandelt würden und sie zudem Hilfe bei der Strukturierung des Tages bekämen. Schäfer unterstrich, dass entgegen den Vorurteilen Antidepressiva nicht per se abhängig machten und auch nicht die Persönlichkeit veränderten. Zudem wirkten die Medikamente nicht sofort: Rund zwei Wochen müssten die Patienten sie mindestens einnehmen, bis die Wirkung einsetze, informierte Schäfer. Weitere Informationen erteilt Klaus Gräbe per Telefon 05621/806211 und per E-Mail unter nordhessen@buendnis-­depression.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 11. März

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