Frankenberg

„Der Beitritt der Türkei ist im Interesse der EU“

- Frankenberg (mba). Wie europäisch ist die Türkei? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Vortrags von Hans-Joachim Buth, ehemaliger Marineattaché in der Türkei, über die Perspektiven eines EU-Beitritts des Landes zwischen Europa und Asien. Er plädiert dafür, mehr Gewicht auf die strategische Bedeutung der Türkei zu legen.

Fregattenkapitän a.D. Hans-Joachim Buth war auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik nach Frankenberg gekommen, um seinen Zuhörern im Burgwaldkasino eine fundierte Lageeinschätzung der politischen Entwicklung der Türkei zu geben. Er skizzierte das komplizierte Verhältnis des Landes zu seinen Nachbarn aus der Europäischen Union, zu der es gern gehören würde. Der Ex-Militär plädierte dabei selbst entschieden für eine Aufnahme der Türkeri in die EU. Diese liegt seiner Meinung nach klar im strategischen Interesse der Union. Das Land, seit 1952 NATO-Mitglied, hat bereits seit 1963 ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). 1987 bat die Regierung von Turgut Özal erfolglos um Aufnahme in die EG. Seit 1999 hat die Türkei den Status eines EU-Beitrittskandidaten, seit 2005 ist sie es offiziell – das Ergebnis der Verhandlungen ist offen. „Am Beitrittskandidaten Türkei entzündet sich – reichlich spät – die Diskussion, ob er geeignet ist oder nicht“, sagte Buth. Bei den früheren Kandidaten, seien es ehemalige Diktaturen oder Ostblockstaaten, habe sich diese Frage offenbar nicht gestellt. Eine grundsätzliches Manko der ganzen Verhandlungen über die Türkei-Bewerbung sieht Buth in der mangelhaften Beteiligung der EU-Bürger. In Umfragen zeichne sich ein Patt von Befürwortern und Gegner ab, wobei sich viele einfach schlecht informiert fühlen würden.Als ehemaliger Marineattaché an der deutschen Botschaft in Ankara und später als Marineberater der Türkei habe er sich, wie er betonte, ein „objektives und vor allem faires Bild“ des türkischen Staates und auch der Gesellschaft machen können – diese Sachlichkeit und Fairness vermisse er oft in den Diskussionen über die Türkei und ihren Beitrittsantrag zur EU: „Als ich wieder nach Deutschland kam, war ich erstaunt, welches Bild man hier von der Türkei hat.“

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