Frankenberg

Derbe Späße mit „Schoko-Flüchtlingen“

- Frankenberg (mba). Die beiden Dresdner Kabarettisten Rainer Bursche und Michael Rümmler testeten mit ihrem medienkritischen Programm die Grenzen der politischen Korrektheit aus – mit flachen Witzen und geschmacklosen Gags über ertrunkene Flüchtlinge.

„Wir alle gaffen – wie die Affen – in eine Art Mülleimer. Vor den Köpfern keine Bretter – nur Bohlen“. So begannen die beiden Dresdner Kabarettisten Rainer Bursche und Michael Rümmler vom Theater „Die Herkuleskeule“ am Donnerstag ihr gut zweistündiges Programm in der Ederberglandhalle. Das trug den Titel „Die nackte Wahrheit“ und wollte mit spitzer Zunge und politisch unkorrekt, wie es sich für Kabarett gehört, die deutschen Medien aufs Korn nehmen. Zu diesem Zweck gaben sie ihren Lachnummern den Rahmen eines imaginären Fernsehprogramms auf dem Sender „Nichts24“. Tatsächlich zogen die beiden Herren dann auch Privatfernsehen, Bild-Zeitung und Co. ordentlich durch den Kakao – einschließlich deren Publikum, das ihrer Ansicht nach offenbar nur aus verblödeten Hartz-4-Empfänger besteht, die sich gern von quotengeilen Fernsehmachern „verarschen“ lassen. Grundmelodie des Vortrags: „Uns verkaufen se für dumm, aber wir schalten nicht um, dafür sind wir zu faul“, so gesungen zum Abschluss des Programms. Mit dem mahnend erhobenen Zeigefinger hielten die Dredner dann der Medien-Gesellschaft den Spiegel vor. Ihr Ziel war es, dem Publikum zu medienkritischer Selbsterkenntnis zu verhelfen: Nach zwei Stunden Kalauern sollten die Leute darauf kommen, dass sie in und von den Medien permanent für dumm verkauft werden. Falls dies dem einen oder anderen nicht gelungen war, rieten sie zum Abschied: „Wenn Sie das Gefühl haben, in diesem Land 24 Stunden von morgens bis abends verarscht zu werden – vertrauen Sie ihren Gefühl .“ Ob Sprachwitz und Parodie die Stärke der beiden Komiker Bursch und Rümmler (oder ihrer Autoren) ist, darüber kann man sicher streiten. Ebenso darüber, über was man sich lustig machen kann, darf oder sollte – und über was besser nicht. Absolut grenzwertig und eigentlich ein humoristisches Armutszeugnis ist es, den Tod afrikanischer Flüchtlinge zum Aufhänger für einen lahmen Running-Gag zu machen. So geschehen auf „Nichts24“. Nachdem in den „Nachrichten“ über afrikanische Flüchtlinge berichtet worden war, die vor der spanischen Küste ertrunken waren, kamen die beiden Programmmacher zu einer ersten Redaktionsbesprechung zusammen und übten Selbstkritik: Diese Nachrichten sei ja viel zu intellektuell. „Wenn Du mit Nachrichten schockieren willst“, erklärten sie, „darfst Du nicht auf den Kopf zielen. Da ist bei den meisten nichts, was man treffen könnte.“ Ihr Rezept für höhere Einschaltquoten: „Du musst auf den Bauch zielen“. Also kulinarisch formulieren: „Vor der Küste der Tapas-Fresser ging ein Boot mit schokofarbenen Flüchtlingen unter.“ Das ist derb und geschmacklos. Ein weiterer Programmtiefpunkt war die „Johannes B. Kerner-Parodie“. Gast des Abends: der Führer. Wieso der von den Toten wieder aufgestanden war, wurde nicht erklärt. Bursche verkörperte Hitler mit grimmiger Miene und einer brauen Mütze. Und gestand seine historische Schuld ein: „De viersporigen Autobahnen waren ein Fähler.“ Um ihren selbsterklärten Anspruch des politischen Kabaretts zu unterstreichen, garnierten die „Herkuleskeulen“ ihr Programm mit aktuellen Stichworten aus dem Politikbetrieb, wie den unterschiedlichen Unterhaltungswert von Fußball-WM und Föderalismusreform: „Deutschland – ein Föderalismusmärchen. Ein Film von Sönke Wortmann“. Selbstverständlich war auch die alle Diskussionen beherrschende Wirtschafts- und Finanzkrise Thema. Es gab einen flachen Witz über verzweifelte Banker: „Ich wollte Geld abheben, da motzen die mich an, wir haben selbst nur noch so wenig.“ Auch die neue Bundesregierung („mit einer Second-Hand-Kanzlerin“) und ihren Steuersenkungsplänen fand Erwähnung: „Als ob man einen ausgetrockneten See leerpumpt, um einen Ertrinkenden zu retten und dann hofft, dass der dann mit dem ausgespuckten Wasser den See wieder auffüllt“ – ein durchaus treffender Vergleich. Bissig wurden die beiden Kabarettisten bei der Frage „Darf man ein von Terroristen entführtes Flugzeug abschießen?“. Ihre Antwort: „Es kommt darauf an, wer drinsitzt. Stell dir mal vor, Schröder und Schäuble auf einen Schlag! Und mit etwas Glück Kardinal Meißner am Steuer.“ Der Schlag saß: Den Ex-Bundeskanzler mit dem aktuellen Bundesfinanzminister und dem Kölner Erzbischof auf einen Streich abserviert, und dass ohne auch nur eine Silbe über die Gründe für diese Gehässigkeit zu verlieren. Die musste sich das aufgeklärte Publikum selbst denken (oder nachlesen). Es war halt ein anspruchsvolles Programm, genauer gesagt „Bildungskabarett - das können sie beim Finanzamt geltend machen“, empfahlen die „Herkuleskeulen“.

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