100 Mitarbeiter, 1000 Quarantäne-Fälle

Detektivarbeit im Korbacher Kreishaus: So werden Corona-Kontakte ermittelt

Mehr als 100 Mitarbeiter der Kreisverwaltung sind derzeit für die Kontaktermittlung und Quarantänebetreuung eingesetzt.
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Mehr als 100 Mitarbeiter der Kreisverwaltung sind derzeit für die Kontaktermittlung und Quarantänebetreuung eingesetzt.

Im Kampf gegen das Coronavirus ist die Unterbrechung von Infektionsketten das A und O. Das bedeutet: Begegnungen müssen nachverfolgt, Infizierte und deren Kontakte in Quarantäne gestellt und telefonisch betreut werden.

Das Gesundheitsamt des Landkreises in Korbach sieht sich damit nicht erst seit den rasant steigenden Infektionszahlen einer Mammutaufgabe gegenüber: Seit Beginn der Pandemie hat der Landkreis Waldeck-Frankenberg mehr als 5000 Menschen in Quarantäne gestellt; aktuell sind es rund 1000.

Nach Angaben der Kreisverwaltung sind derzeit mehr als 100 Mitarbeiter im Einsatz, um die Kontakte nachzuverfolgen. Dies geschehe nahezu 24 Stunden täglich, an sieben Tage in der Woche.

Fast rund um die Uhr treffen auch neue Befunde aus den Laboren beim Landkreis ein. Mit ihnen starte die Nachverfolgung der Infektionsketten: „Sobald wir einen positiven Fall registrieren, setzen wir uns mit dem Betroffenen in Verbindung, stellen ihn in Quarantäne und lassen uns seine sozialen Kontakte der letzten Tage auflisten“, berichtet Hygienekontrolleur Felix Schohr vom Fachdienst Gesundheit.

Dann werde nach für nach die Liste mit den angegebenen Kontaktpersonen abgearbeitet: „Manchmal ist das richtige Detektivarbeit, denn wir müssen genau ermitteln, welche Art von Kontakt die Menschen hatten und daraus das Infektionsrisiko ableiten“, sagt Schohr. Das sei nicht immer leicht – vor allem, weil die Kontaktlisten der Menschen länger und länger würden.

Bis zu 50 Kontakte pro Infiziertem

„Wir müssen teilweise pro Infiziertem bis zu 50 Menschen ausfindig machen, sie anrufen, beraten, entsprechende Maßnahmen einleiten und das alles auch nachvollziehbar dokumentieren.“

Gerade bei der außerordentlich gestiegenen Menge an Verwaltungsaufgaben könne es vorkommen, dass die Telefon-Hotline der Kreisverwaltung zeitweise überlastet sei oder beispielsweise auch Quarantäne-Bescheide mal mit zeitlicher Verzögerung in die Post gegeben würden, wofür der Landkreis um Verständnis bittet.

„Wenn wir die Quarantäne mündlich anordnen, ist sie genauso rechtswirksam wie ein Brief.“

Amtsärztin Karin Schönberger

An den Auflagen nach dem Infektionsschutzgesetz ändere dies aber nichts, wie Amtsärztin Karin Schönberger vom Fachdienst Gesundheit erklärt: „Wenn wir die Quarantäne mündlich anordnen, ist sie genauso rechtswirksam wie ein Brief.“ Natürlich bemühe man sich, dass alle Betroffenen ihre Bescheide trotzdem so schnell als möglich erhalten, weil viele diese beispielsweise auch für ihren Arbeitgeber benötigten.

Auch dafür seien die Landkreis-Mitarbeiter im Dauereinsatz: „Wir haben dazu Teams gebildet, die sich im Akkord durch die Berge von Arbeit kämpfen. Auch am Wochenende kommen viele freiwillig zu den Diensthabenden dazu, um die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Wir erfahren hier eine sehr große Solidarität“, berichtet Gesundheitsamts-Chef Thomas Hetche, den der Zusammenhalt seines Teams auch ein wenig stolz macht. red

Bis zu 80 Telefonate am Tag

Sind die Kontaktpersonen und Erkrankten ausfindig gemacht und in Quarantäne gestellt, wird jeder einzelne von ihnen 14 Tage lang persönlich betreut. Derzeit sind es nach Angaben der Kreisverwaltung rund 1000 Menschen in Waldeck-Frankenberg, Tendenz steigend.

„Wir rufen die Menschen einmal am Tag an, erkundigen uns; wie es ihnen geht und leiten – wenn nötig – weitere Schritte ein“, berichtet Elisabeth Engelhard, die wie zahlreiche andere Bedienstetes der Kreisverwaltung; eigentlich in einem anderen Fachdienst arbeitet, aber zurzeit das Gesundheitsamt unterstützt. Das seien locker bis zu 80 Telefonate pro Tag. „Viele Menschen reagieren in dieser Ausnahmesituation sehr emotional“, berichtet sie weiter. „Wir nehmen die Sorgen, Ängste und Probleme der Menschen ernst und versuchen ihnen bestmöglich zu helfen.“ Man müsse für die Menschen ein offenes Ohr haben.

„Wir schätzen das außerordentliche Engagement unserer Mitarbeitenden in dieser Extremsituation sehr“, betonen Landrat Dr. Reinhard Kubat und der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Karl-Friedrich Frese. „Wir alle im Landkreis müssen es jetzt schaffen, dass die Zahlen wieder sinken.“ Auch, wenn man sich derzeit bereits darauf vorbereite, die Kapazitäten vorsichtshalber noch weiter zu erhöhen. red

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