Ausstellung „Grenzen überwinden: Von der Diktatur zur Demokratie“

„Deutsche Geschichte nicht vergessen“

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Zentrale Person: Ein Foto des Einheitskanzlers Dr. Helmut Kohl mit (von links) den beiden Frankenberger Bürgermeistern Thomas Firmenich und Rüdiger Heß sowie Dr. Manuel Lösel, Staatssekretär im Kultusministerium, und Dr. Johann Zilien, der für die hessische Staatskanzlei die Ausstellung organisiert.

Frankenberg - Eine sehenswerte Ausstellung über die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung vor 25 Jahren haben die Frankenberger verpasst. Bis auf geladene Gäste fanden nur wenige den Weg in die Rathausschirn.

Aufmerksamkeit erregen. Den jüngeren Hessen die deutsche Geschichte durch eine zeitgemäße Event-Ausstellung mit übersichtlichen Schaubildern, eindrucksvollen Fotos, bewegenden Filmsequenzen und einem sehenswerten Theaterstück über den Weg von der „Diktatur zur Demokratie“ vergegenwärtigen. Mit diesen Erwartungen hat die Landesregierung die Wanderausstellung zur Deutschen Einheit auf die Reise durch das Bundesland geschickt. Sie soll einstimmen auf das Fest der Deutschen, das am 3. Oktober in Frankfurt gefeiert wird. Frankenberg war die zweite Station nach Wiesbaden.

Rüdiger Heß: „Schampus statt Kalaschnikow“

„Wir wollen mit der Ausstellung zu den Bürgern gehen“, erklärte Dr. Johann Zilien aus der Staatskanzlei, der mit Wolfgang Danzeglocke aus der Stadtverwaltung die Veranstaltung vorbereitet hatte. Doch gestern – vielleicht dem Ferienbeginn und dem Wetter geschuldet – hatten die Frankenberger kein Interesse am Mauerfall. Trotz der an Schulen und Vereine verschickten Einladungen unternahmen jedenfalls kaum Bürger die spannende Reise durch die deutsche Geschichte, die auf nachgebildeten Mauerstücken zu verfolgen ist.

Mal richtet die Wanderausstellung den Fokus auf historische Momente, mal auf bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Trennungs- und Einheitsgeschichte.

In Erinnerung wird die Ausstellung dennoch bleiben; zumindest bei den Mitgliedern der Partnerschaftsvereinigung. Die Frankenberger aus Sachsen waren mit einer zwölfköpfigen Delegation um Bürgermeister Thomas Firmenich an die Eder gereist, „um die Partnerschaft weiter zu beleben“, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß. Vor 26 Jahren habe sich noch niemand vorstellen können, dass „wir heute 25 Jahre Wiedervereinigung feiern“.

Heß erinnerte während der Ausstellungseröffnung an die friedlichen Demonstrationen, an die Ausrufe „Wir sind das Volk, wir sind ein Volk“, die schließlich „das Volk vereinten“. Der frühere Oberstleutnant erzählte aber auch aus seiner eigenen Geschichte. „Während wir Monate zuvor noch mit Kalaschnikow und G3 aufeinander geschossen hätten, haben wir Bundeswehr- und NVA-Offiziere Ende 1990 gemeinsam Schampus getrunken.“ Obwohl beide Seiten eine Sprache gesprochen hätten, „haben wir uns nicht immer verstanden.“ Die Gesellschaft habe die Aufgabe, diesen Teil der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Das Bewusstsein dafür ist wichtig“, sagte Heß, „vor allem bei der heutigen Jugend, die die Mauer nur aus Bildern kennt.“

Auch sein sächsischer Amtskollege Thomas Firmenich forderte zu einer stärkeren Vergegenwärtigung der deutschen Geschichte auf. „Die Gesellschaft, vor allem aber die Jugend, vergisst zu schnell.“ Auf die Anfänge der Partnerschaft der hessischen und sächsischen Frankenberger ging er ebenfalls ein. Schon zwei Jahre vor der Wiedervereinigung hatte Johannes Roßberg Kontakt zur Stadt an der Eder aufgenommen.

Staatssekretär Dr. Manuel Lösel verwies auf die Jahrestage, die 2015 gefeiert werden: das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel vor 50 Jahren, das Schengener Abkommen am 14. Juni 1985, die Einheit Deutschlands am 3. Oktober vor 25 Jahren. „Die Mauer steht als Symbol der Unterdrückung, seit 1990 aber auch als Symbol der Überwindung“, sagte Lösel. Mit der Ausstellung solle die Teilung erfahrbar gemacht werden. Abgerundet wird sie durch ein begleitendes Theaterstück.

In der einstündigen Doku-Revue „Auf der Mauer – Szenen aus Innerdeutschland“ der Wiesbadener Kulturmanagerin Kathrin Schwedler verdeutlichten die drei Schauspieler auch Sonntag bei den zwei Aufführungen im Sitzungssaal des historischen Rathauses die verschiedenen Sichtweisen auf die Teilung und Vereinigung Deutschlands. (rou)

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