Frankenberg

Dialog von Muslimen, Christen und Bahai zum „Tag der Religionsstifter“

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- Frankenberg-Röddenau (sr). Friedliches Miteinander und gegenseitiges Verstehen waren die Ziele der muslimischen Reformgemeinde Ahmadiyya in einem Dialog mit anderen Religionen am Montagabend im Röddenauer Dorfgemeinschaftshaus.

Neben den Gastgebern nahmen auch evangelische Christen und Bahai-Gläubige an der Diskussion teil.

Der „Tag der Religionsstifter“ wurde vor rund 70 Jahren in Indien vom damaligen Oberhaupt der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde gegründet. Dabei erhielten die Vertreter der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam Gelegenheit, die Schönheit der jeweiligen Persönlichkeiten zu schildern, die ihrem Glauben zum Leben verhalfen.

Toleranz und Verständnis

Insbesondere sollte gezeigt werden, dass ein gemeinsames Miteinander von verschiedenen Religionen, Menschen und Ansichten auf der Basis von Toleranz und Verständnis überall auf der Erde möglich ist. Im Mittelpunkt steht das Motto der Ahmadiyya: „Liebe für alle, Hass für keinen“.

So auch in Röddenau: Erstmals hatte die Frankenberger Gemeinde der Ahmadiyya, Jamaat genannt, zu einem gemeinsamen Abend eingeladen. Fast 100 Interessierte kamen und hörten zuerst drei Referate von Mubarak Ahmad Tanweer aus Frankfurt, Pfarrer Uwe Hesse aus Rengershausen und Dr. Bernardo Fritzsche aus Marburg. Sie stellten die Heilsgestalten ihrer Religionen vor: Der heilige Prophet Mohammad, Jesus Christus und die Gottesoffenbarung der Bahai Bahaullah standen im Mittelpunkt. Vertreter der katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinde aus Marburg waren verhindert. Auch der seit 1984 amtierende Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinden, Abdullah Wagishauser, ehemaliger Katholik, ließ sich entschuldigen.

„Kein Zwang“

„In Glaubensdingen darf es keinen Zwang geben“, sagte der Initiator und Moderator der Abends, Tauqir Ahmad aus Allendorf. In der anschließenden Diskussion wurden einzelne Passagen der heiligen Schriften miteinander verglichen und gedeutet.

Vertreter aller drei Religionen werteten die Begegnung als sehr positiv. Pfarrer Uwe Hesse rief zu Toleranz auf. „Das Kennenlernen trägt schon dazu bei, sich mehr als Glaubensnachbarn zu sehen.“ Ohne Polemik würde viel Druck rausgenommen aus dem Nebeneinander der Religionen.

Dr. Fritzsche freute sich über das große Interesse. „Ich konnte hier offen sprechen über die Gottesoffenbarung im Bahai“.

Auch Tauqir Ahmad ist begeistert, dazu beigetragen zu haben, andere Religionen zu respektieren. Er will die Begegnung im nächsten Jahr wiederholen und auf andere Glaubensgemeinschaften ausdehnen.

Ahmadiyya ist eine islamische Reformgemeinde, der in Deutschland rund 30 000 Gläubige verschiedener Nationalitäten angehören. Im Frankenberger Land umfasst der Jamaat rund 40 Mitglieder, die sich in Allendorf in einem Gebetsraum treffen. Als Imam ist Munawar Hussain für die Region Mittelhessen zuständig. Die Lehre der Ahmadiyya basiert auf dem Koran.

Bahai nennen sich die Mitglieder einer weltweit verbreiteten Religion, die sich an dem aus Persien stammenden Stifter Bahaullah orientiert. Die Bahai vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision des sozialen Fortschritts verpflichtet. Dr. Bernardo Fritzsche, der als Referent der Bahai nach Röddenau gekommen war, ist seit zehn Jahren Hausarzt in Korbach. Durch die Konfrontation mit psychosomatischen Störungen sucht er nach Wegen, religiöses Wissen und medizinisch-psychologische Kenntnisse zu effektiven Werkzeugen der Therapie werden zu lassen.

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