Bottendorf

„Die Abgründe des Nils“

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- Burgwald-Bottendorf (mba). Er sang, er las, er rappte – und am Ende bekam er eine „Ahle Worscht“: Am Donnerstag taten sich in Bottendorf „Die Abgründe des Nils“ auf.

„Bekenntnisse eines 40-Jährigen“ lautete der Untertitel des Comedy-Programms von Nils Heinrich, mit dem er sein Bottendorfer Publikum im „Treppenhaus“ köstlich amüsierte. Mit „Treppenhaus“ meinte er die Alte Schmiede, die die Ausstellung der Firma Ernst Treppenbau beherbergt – von dieser skurrilen und reizvollen Bühne war der Künstler offenkundig beeindruckt.

Er selbst beeindruckte die Zuschauer nicht nur als wortgewandter Komiker und treffsicherer Kabarettist, sondern auch als ausgezeichneter Sänger und Gitarrist. Dabei spielte er auf einer auf das Wesentliche reduzierten Gitarre ohne Körper – nach eigenen Angaben ist es ein „griechisches Modell“.

Es folgte eine Spitze auf das südeuropäische Land, dass quasi die „City-BKK Europas“ sei. Angesichts des bevorstehenden Zusammenbruchs des Kapitalismus bot Heinrich sich als Berater in Sachen „Systemwechsel“ an – eine Erfahrung, die er als gebürtiger Sachsen-Anhaltiner selbst mit 18 Jahren gemacht hat. Er verarbeitete den Kollaps der DDR in seinem Hörbuch „Als ich ein FDJler war. Eine Kreisstadtjugend mit Systemwechsel.“ „Wir haben euch den Kohl damals nochmal acht Jahre verlängert. Für nur 100 Mark. Haben wir gern gemacht“, sagte er.

Seine Verhaltensempfehlung für die Zukunft: „Den wählen, der am dicksten ist.“ Wie der Titel des Programms andeutete, gab Heinrich vor allem Episoden aus seinem Leben zum Besten – beginnend mit der Kindheit „drieben“ in der DDR über den Bankrott des real-existierenden Sozialismus bis zu „acht Auslandssemestern“ in Stuttgart. Die Authentizität seiner Schilderungen darf aber aufgrund ihres absurd-komischen Charakters zumindest teilweise angezweifelt werden.

Mit Flitterwochen in Afghanistan, Terror-Schafen, die sich vor Schnellzüge werfen, und einem „Geriatrie-Rap“ anlässlich des demographischen Wandels endet eine überaus vergnüglicher Vorstellung in der Alten Schmiede. Wer wollte, konnte sich von Heinrich noch ein Autogramm in den Rücken kratzen lassen – mit seinen durch Kieselerde unzerbrechlich gewordenen Fingernägeln.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 18. Juni.

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