Bundesverdienstkreuz für ehemaligen Grüsener Bürgermeister

Diener seines Heimatdorfes

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Gemünden-Grüsen - Nach Jahrzehnten in Vereinen, Kirche und Politik hat Adam Parthesius gestern das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Ganz der alte Sozialdemokrat: Gleich zu Beginn seiner kurzen Begrüßung anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes hieß Adam Parthesius nicht nur seinen Laudator, den hessischen Staatssekretär Rudolf Kriszeleit willkommen, sondern auch dessen Fahrer. Parthesius wurde gestern Nachmittag für seine Verdienste und sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet - in einer kurzen, aber in ihrer launigen Art sehr würdigen Veranstaltung.

Kriszeleit, als FDP-Mann von von Natur aus nicht Parthsius‘ Klientel, nahm den kleinen Schnitt gelassen, gar amüsiert: „Auch wenn Sie sich für eine andere Richtung entschieden haben: Jede Entscheidung, sich in politischen, demokratischen Organisationen zu engagieren, ist richtig“, sagte er an den Geehrten gewandt. Parthesius war 17 Jahre lang Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Von 1960 bis 1964 war er Gemeindevertreter in Grüsen, anschließend acht Jahre dessen ehrenamtlicher Bürgermeister. Als Grüsen 1972 nach Gemünden kam, übernahm Parthesius das Amt des Ortsvorstehers. Acht Jahre lang war er zudem Stadtverordneter in Gemünden. Auch im Ortsbeirat wirkte Parthesius außerhalb seiner Amtszeit als Ortsvorsteher mit, bis er 1993 ausschied.

Auch die Politik des Altkreises Frankenberg gestaltete der 84-Jährige aktiv mit: Von 1964 bis 1968 war er Mitglied des Kreistages. In der darauffolgenden Wahlperiode saß er als Kreisbeigeordneter im Landratsamt. Darauf wies der Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl hin, auf dessen Initiative die Verleihung zurückging. „Adam Parthesius hat in Gemünden, in Grüsen und im Frankenberger Land viel geleistet und einen guten Namen“. Vielseitig engagiert sei dieser Mann: Nicht nur politisch, auch kirchlich war Adam Parthesius stets aktiv. Von 1964 bis 2002 war er Mitglied des Kirchenvorstands und Kastenmeister. Seit 1980 hatte er im Kirchspiel Grüsen-Mohnhausen zudem das Amt des Lektors inne. Wenn der Pfarrer verhindert war, erlebte die Gemeinde ihren ehemaligen Bürgermeister schon mal als Prediger. Auch kirchlich blieb sein Wirken nicht auf die Bunstruth beschränkt: Parthesius war Mitglied der Kreissynode und des Kreis-kirchenvorstands.

Kahl erinnerte auch daran, wie Parthesius es schaffte, im Wahlkampf 1967 Willy Brandt nach Grüsen zu holen. Geplant waren auf dessen Reise Stationen in Gemünden und Haina. Parthesius wollte seiner damals noch eigenständige Gemeinde ebenfalls hohen Besuch verschaffen - und Brandt sagte unter der Voraussetzungen zu, dass ganz Grüsen an der Straße stünde und winke. Grüsen tat, wie geheißen, der spätere Kanzler sprach vor der Kirche.

Wie die vorigen Jubilare auch hob Bürgermeister Frank Gleim das Wirken von Parthesius‘ Ehefrau Franziska hervor: „Engagement kostet Zeit und Nerven. Das geht nur in guter, starker Begleitung - gemeinsam seid ihr stark“, sagte er. Denn neben Kirche und Politik war der Geehrte auch jahrzehntelang in Vereinen tätig. So war Parthesius von 1958 bis 1964 Ortsbrandmeister. Auch als Jagdvorsteher war er in der Zeit von 1958 bis 1964 tätig. Dein Verschönerungsverein seines Heimatdorfes gründete der gelernte Schreiner im Jahre 1969 mit. Neben viel körperlicher Arbeit ließ er in diesen Verein auch viel Zeit einfließen: Vier Jahre lang war er Vorsitzender. Zudem war er auch Mitglied und Vorstandsmitglied des Wasserleitung-Zweckverbands, der Gemündener und Hainaer Dörfer mit Frischwasser versorgt.

„Es passierte, dass ich öfter weg war“, sagte der Geehrte. Um das Haus und die kleine Landwirtschaft habe sich dann Ehefrau Franziska gesorgt, erinnerte sich der dankbare Adam Parthesius, der mit fünf Kindern, neun Enkeln, Freunden und SPD-Genossen feierte.

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