Dokumentarfilm schilderte im Frankenberger Rathaus das Leben der Israelin Sara Atzmon

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Beeindruckender Filmabend: Mit dem Schicksal der Holocaust-Überlebenden Sara Atzmon beschäftigten sich auf Initiative der Frankenbergerin Renate Vöpel (vorn Mitte mit einem Portrait der Zeitzeugin) die Vertreter verschiedener Waldeck-Frankenberger Gedenkinitiativen, Schulen und Gemeinden. Foto: Völker

Frankenberg. „Du Mensch, pass auf! So etwas darf nie wieder passieren!“ schreibt Sara Atzmon mit Kreide am Ende des Dokumentarfilms „Holocaust light - gibt es nicht“ auf die harte Betonwand.

Mit dem Schicksal der heute 81-jährigen israelischen Künstlerin, die ihre Kunst und ihre Lebenskraft dem Kampf gegen das Vergessen gewidmet hat, beschäftigten sich im historischen Frankenberger Rathaus bei einer Filmvorführung auf Einladung von Bürgermeister Rüdiger Heß Vertreter von Gedenkinitiativen in Waldeck-Frankenberg, Schulen und Religionsgemeinschaften, unter ihnen auch Amnon Orbach und Thorsten Schmermund von der jüdischen Gemeinde Marburg.

Ausgegangen war die Initiative von der ehemaligen Frankenbergerin Gudrun Ruhwedel (Hamburg), die Sara Atzmon persönlich begleitet hat, und Renate Vöpel (Frankenberg), die durch Schilderungen ihrer Mutter, Jahrgang 1929, auf das ähnliche Schicksal einer von den Nazis verschleppten Tochter aus einer Frankenberger jüdischen Familie aufmerksam geworden war.

„Für mich war das als Kind unfassbar“, berichtete sie. Sie verlas eine Grußbotschaft der zurzeit in Hongkong befindlichen Sara Atzmon an die Teilnehmer des Filmabends: „Ich bin sehr dankbar allen Menschen in Deutschland, die sich dafür einsetzen, aus der Geschichte zu lernen!“

Mit einem auf Hebräisch gesungenen Text aus den Klageliedern Jeremias leitete Joachim Vöpel in die Grundstimmung des Dokumentarfilms ein: Die Großmutter Sara Atzmon erzählt ihrer Enkelin die Geschichte von Orten mit merkwürdigen Namen wie Auschwitz, Bergen-Belsen oder Buchenwald.

Als sie selbst ein Kind war, jagten die Nazis sie und ihre Familie durch halb Europa. Der Film begleitete die damals 79-jährige Israelin noch einmal durch all jene Orte in Ungarn, Österreich und Deutschland, an denen die Nazis sie quälten, ihren Vater und drei ihrer Geschwister töteten. Sprecherin ist Iris Berben.

Deutlich wurde bei der Vorführung, dass Regisseurin Ilona Rothin nicht „nur“ eine Holocaustbiografie liefert, sondern bewusst einen Bogen zu den jungen Menschen heute, besonders zur Jugend in Deutschland schlägt. „Ich will keine Schuld zuweisen, ich will, dass sie Verantwortung übernehmen“, fordert ihr Protagonistin Sara Atzmon, die sich ungeachtet ihres Alters mit Schulklassen erzählend, zeichnend, singend oder tanzend auf den schwierigen Weg in die Vergangenheit und Gegenwart begibt.

Im Anschluss an den Film suchten die Initiatoren des Abends, darunter auch Martin Lehmann (Zierenberg), das Gespräch mit den Vertretern von Schulen und Gruppen, denen der Dokumentarfilm auch für Vorführungen und weitere Kontakte angeboten werden soll. Anfragen nimmt Renate Vöpel (T. 06351/21499) entgegen.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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