Der Borkenkäfer und der Klimawandel setzen den Bäumen zu

Domanialwälder in Waldeck-Frankenberg in schwieriger Lage

Begutachten die Schäden in den Domanialwäldern: Der Forstrevierleiter für Neerdar Andreas Mann (links) und Hendrik Block (rechts) gemeinsam mit zwei Forstarbeitern.
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Begutachten die Schäden in den Domanialwäldern: Der Forstrevierleiter für Neerdar Andreas Mann (links) und Hendrik Block (rechts) gemeinsam mit zwei Forstarbeitern.

Die Waldeckische Domanialverwaltung ist mit 19 000 Hektar Waldfläche der größte kommunale Waldbesitzer in ganz Deutschland. Klimawandel, Stürme und insbesondere Borkenkäfer setzen den Beständen jedoch mehr und mehr zu, sodass in den nächsten Jahren voraussichtlich nahezu keine Erträge erwirtschaftet werden können.

Waldeck-Frankenberg - Gemeinsam mit Landrat Dr. Reinhard Kubat und dem Ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese haben sich einige Bürgermeister vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Akutes Problem sind besonders rindenbrütende Borkenkäfer wie der sogenannte Buchdrucker, der die Fichtenbestände zusehends schädigt. Nach den vergangenen beiden Trockenjahren und dem trockenen Frühjahr 2020 ist der Ausgangs-Bestand an Borkenkäfern extrem hoch. Pro Jahr sind sogar zwei bis drei Generationen möglich: So können aus einem Weibchen im Laufe eines Jahres über 100 000 Nachkommen entstehen. Sie legen ihre Eier unter der Rinde ab und die Larven fressen sich durch die wasser- und nährstoffführende Schicht zwischen Holz und Rinde. Auf diese Weise wird dem Baum die Wasserversorgung in die Krone gekappt, was schließlich zum Absterben führt. „Wir haben so bereits 30 Prozent der Fichten verloren. Bis Ende des Jahres könnte es bereits die Hälfte sein“, erklärt der stellvertretende Leiter der Waldeckischen Domanialverwaltung, Hendrik Block. Leider habe die Trockenheit auch gravierende Auswirkungen auf andere Baumarten wie beispielsweise die Buchen, die in großem Maße absterben.

Wir haben bereits 30 Prozent der Fichten verloren.

Hendrik Block, Domanialverwaltung

Auch die Verwertung des sogenannten Kalamitätsholzes – also der Bäume, die durch Parasiten und Naturereignisse zerstört sind – ist schwierig. Der Marktpreis für Nadelholz ist eingebrochen und die Holzabnehmer sind übermäßig mit Holz versorgt. Einnahmen aus dem Verkauf des eigentlich wertvollen Holzes können so nicht mehr generiert werden. Im Gegenteil: 2019 wurde ein Verlust von fast vier Millionen Euro verzeichnet. Wobei rund drei Millionen Euro als Rückstellungen für den Wiederaufbau des Waldes gebildet wurden.

Die Folgen dieser Extremjahre hat deutliche Auswirkungen auf den Wald und das Domanialvermögen. Der Verlust von so großen Flächen alter und mittelalter Bestände reduziert die nachhaltig nutzbare Holzmenge aus dem Wald sehr deutlich und verursacht hohe Kosten für die Wiederbewaldung. Bis auf den jetzt entwaldeten Flächen wieder Einnahmen aus der Holznutzung zu erwarten sind, vergehen 40 bis 50 Jahre. „Wir müssen in den kommenden Jahren stark investieren, um das Domanialvermögen zu erhalten und wieder aufzubauen“, sagte Karl-Friedrich Frese. „Hier sind wir auch auf die Unterstützung der beteiligten Städte und Gemeinden angewiesen.“ Das Ziel: Eine nachhaltige, naturnahe und ökonomische Bewirtschaftung, um die Waldbestände möglichst vielfältig aufzuforsten und zu stabilisieren.

Der Borkenkäfer, der seine Eier unter die Rinde legt und sich ins Holz frisst, bringt ganze Fichtenbestände zum Absterben.

Das bedeutet, dass die Domanialwälder auf natürlichem Wege mit standortangepassten Baumarten verjüngt werden und darüber hinaus auch klimastabile Baumarten eingebracht werden, um die Risiken des Klimawandels für den Wald durch eine Vielfalt an Baumarten und Mischwaldstrukturen zu minimieren. Durch diese Art des Waldbaus wird ein Grundstein für einen anpassungsfähigen und vitalen Wald gelegt, der auch den zukünftigen Herausforderungen gewachsen ist.

„Bis es soweit ist, werden wir gemeinsam Zeit investieren und Mittel in die Hand nehmen müssen, um zukünftig wieder Erträge aus den Domanialwäldern erwirtschaften zu können“, sagte Frese. Der ökonomische Aspekt ist jedoch bei weitem nicht der Wichtigste: Die Domanialwälder stabilisieren das Ökosystem Wald. (red)

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