Post-Posse im Bromskirchener Ortsteil Seibelsbach an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen

Ein Dorf, zwei Postleitzahlen und zwei Briefträger

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Bromskirchen-Seibelsbach - Durch Diedenshausen verläuft die Grenze zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen. Der hessische Teil heißt Seibelsbach und gehört zu Bromskirchen. Doch nun sollen die hessischen Bewohner ihre Postadresse ändern - dagegen wehren sie sich.

Das Örtchen Diedenshausen bei Bad Berleburg liegt zum Teil in Nordrhein-Westfalen, zum Teil in Hessen. Seit Jahrzehnten fällt die Teilung im Dorfleben nicht weiter ins Gewicht. Aber in wenigen Tagen könnte es Schwierigkeiten geben. Ab 29. April soll eine Neuregelung in Kraft treten, die in Sachen Post Probleme mit sich bringt.

Derselbe Kindergarten, dieselbe Kirche, ein Abwassernetz, gemeinsame Vereine - jetzt aber bekommen 45 der 370 Einwohner des Dorfes Diedenshausen bei Bad Berleburg einen eigenen Briefträger. Der bedient künftig von Winterberg aus ein gutes Dutzend Haushalte auf der zur hessischen Gemeinde Bromskirchen gehörende Seite des Dorfes. Dort, im Seibelsbach, geht jetzt die Post ab. Die Bewohner sollen entgegen jahrzehntelanger Gepflogenheit künftig die Bromskirchener Postleitzahl 59969 benutzen anstatt wie bisher die Bad Berleburger 57319.

„Was über 50 Jahre gut funktioniert hat, wird nun über den Haufen geworfen“, ärgert sich Heinz Womelsdorf. Der 78-Jährige ist im Seibelsbach groß geworden und weiß: „Kirchlich, schulisch und postalisch haben wir immer zusammengehört. Das hat immer geklappt. Warum das Ganze?“ Das Ganze? Dahinter verbirgt sich eine Neuregelung, die am 29. April in Kraft treten soll. Ab dann nämlich werden Briefe und Pakete jenseits der Landesgrenze nicht mehr aus Bad Berleburg zugestellt, sondern ein Briefträger aus Winterberg hat die Post für den Bromskirchener Bereich in Diedenshausen in seinem Koffer. Das schwere Paket ins Rollen gebracht hat Hartmut Dienst. „Ungewollt!“, wie er mehrfach versichert. Der 66-jährige Bauingenieur wohnt direkt am Elsoffbach, der die Landesgrenze markiert.

Amtliche Post zu spät

Bereits vor über einem Jahr hatte sich Dienst darüber geärgert, dass „amtliche Post“ an seine im Melderegister festgehaltene Bromskirchener Adresse verspätet bei ihm eingetroffen war. Das nahm er zum Anlass, beim hessischen Innenministerium anzuregen, im Melderegister der Gemeinde zusätzlich die Zustellanschrift für Post - also 57319 Bad Berleburg-Diedenshausen - mit aufzunehmen. „Das gehe gar nicht, haben die mir mitgeteilt, aber meine Anfrage dann an die Bundesnetzagentur weitergeleitet“, erzählt Dr. Dienst den Start einer eher unglaublichen Geschichte. Denn nach Angaben des 66-Jährigen brachte die Netzagentur das Bundeswirtschaftsministerium ins Spiel. Beide Behörden ließen laut Dr. Dienst, die Thematik in einer Studie aufarbeiten - und der Diedenshäuser weiß inzwischen: „In Deutschland gibt es etliche dieser Situationen mit den gleichen Problemen. Und die sind nicht in den Griff zu bekommen.“

Oder doch? Nach Informationen unserer Zeitung hat das Bundeswirtschaftsministerium im Zusammenspiel mit hessischen Landesbehörden die Deutsche Post AG dazu gedrängt, sich an die „Zustellungsverordnung“ zu halten. Im Klartext: Alle hessischen Diedenshäuser müssen bis zum 29. April ihren Geschäftspartnern, Freunden, Kunden, Vereinen und Verbänden ihre neue Anschrift, nämlich 59969 Bromskirchen, mitteilen, sich neue Visitenkarten und Geschäftsbriefe drucken lassen. „Ein Unding! Wie soll das denn gehen?“ wettert der Seibelsbächer Georg Gernand. Der Schreinermeister befürchtet, „meine Kunden erklären mich für unzurechnungsfähig. Die haben alle meine Berleburger Adresse. Und das klappt reibungslos.“ Schier unglaublich, so der 54-Jährige, sei die künftige Situation, „wenn unser bisheriger Zusteller seine Tour am Elsoffbach zehn Meter vor dem nächsten Haus in Hessen beendet. Und dann kommt der Briefträger aus Winterberg...“. Ob dem künftig die verlängerte Route schmeckt? Bis jetzt war seine Zustelltour unweit von Hallenberg beendet. Künftig muss er über Berg und Tal in zwei hessische Siedlungen und dann rund 30 Kilometer wieder zurück.

„Müssen Kröte schlucken“

Die Deutsche Post AG kostet die Umstellung „Zeit und Geld“, räumt Post-Pressesprecher Alexander Böhm (Frankfurt) ein, aber: „Wir müssen diese Kröte schlucken und jede Sendung zweifelsfrei richtig zustellen.“

Was bisher also postintern unbürokratisch und pragmatisch gelöst war, vor allem in Sinne der Kunden, ist nun über den Haufen geworfen worden. Die neue Postleitzahl werde zu einer Fehl-Leitzahl, befürchten die Betroffenen und wollen nun Beschwerde einlegen.

Von Christoph Vetter

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