Flurkarte und Schmählied

Dorfarchiv statt Kegelbahn in Löhlbach - Heimatverein sucht Material

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Dorfarchiv statt Kegelbahn: Im Keller des Bürgerhauses Löhlbach hat der örtliche Heimatverein ein Dorfarchiv eingerichtet. Es wird vom Vorsitzenden Heinz Brück (links) betreut. Hier hält er mit Vorstandsmitglied Hermann Simon eine Gemarkungskarte mit den Löhlbacher Flurnamen hoch.

Löhlbach. Heinz Brück hält einen Stapel alter Bücher im Arm. „Kinderlieder deutscher Dichter“ lautet der Titel eines Bändchens. Innen steht: „Jugendbücherei Battenhausen 13.3.1919“.

Genau solche Schätzchen sucht der Vorsitzender des Löhlbacher Heimat- und Kulturvereins für das neue Ortsarchiv im Untergeschoss des örtlichen Bürgerhauses.

„Bevor die Leute alte Unterlagen, Akten, Fotos oder Stammbäume von Löhlbach und den umliegenden Dörfern wegwerfen, sollten sie dem Heimatverein Bescheid sagen“, sagt Heinz Brück. „Dann schauen wir, ob das ins Archiv passt.“ Der größte Teil des Archivbestandes stammt aber aus seinem eigenen Besitz. Der 64-Jährige ist leidenschaftlicher Heimatforscher. Er hat zur 800-Jahr-Feier Löhlbachs eine Ortschronik geschrieben, vorher schon ein Buch zur Mundart und einen Kalender mit historischen Fotos von Löhlbach herausgebracht. Sein gesammeltes historische Material stellt es dem Heimatverein zur Verfügung.

Zwei Regalreihen fast gefüllt

2010 bekam der Verein zunächst einen kleinen Raum im Bürgerhaus. Nun hat er die gesamte ehemalige Kegelbahn zur Verfügung. Aus dem vorderen Bereich wurde ein Versammlungs- und Vortragsraum, der hintere Teil ist für das Archiv reserviert. Zwei lange Reihen mit Stahlregalten sind schon fast gefüllt. Eine dritte Reihe kann noch hinzukommen.

Bis 1867 reichen die Bände der Reichsgesetzesblätter, die dort stehen, zurück, bis 1872 die der Frankenberger Zeitung und bis 1879 die Zeitschriften des Hessischen Geschichtsverein. Im Dorfarchiv lagern alte Flurkarten, auf die Brück mit dem Löhlbacher Konrad Hackel die Flurnamen eingezeichnet hat. Auch Rezesskarten, in denen Gebietszusammenlegungen dokumentiert sind. Der ehemalige Löhlbacher Förster und Vorstandsmitglied, Hermann Simon, hat eine Revierkarte aus dem 1960er Jahren beigesteuert. Und er will auch Fotos von der vor fast 50 Jahren gegründeten Löhlbacher Waldjugend zur Verfügung stellen.

Gedicht über die Häschenbar

Alte Schulfibeln, geschichtliche Bücher und Romane mit Bezug zu Löhlbach und Umgebung sind im Archiv zu finden. Auch Kurioses hat Heinz Brück gesammelt: das Gedicht, das in Löhlbach 2005 nach dem Brand des Bordells „Häschenbar“ kursierte, oder das Schmählied auf den Jäger, der 1993 statt eines Hirsches ein Rind erschoss. Zu den besonderen Schätzen gehört die Pickelhaube, die die Ortspolizisten bis nach dem Ersten Weltkrieg trugen. Bis in die 1960er Jahre gab es übrigens noch einen Dorfgendarmen im Ort. Und bis in diese Zeit wurden öffentliche Bekanntmachungen vom Ausrappler ausgerufen. Seine Glocke steht auch im Archiv.

Findbuch geplant

Derzeit ist Brück noch dabei, alles in die Regale einzuordnen. Später braucht er die Hilfe von Vereinsmitgliedern, dann soll ein Verzeichnis mit all dem, was im Archiv lagert, gemacht werden – ein Findbuch, damit auch Außenstehende sich zurechtfinden. „Das ist eine Arbeit für den Winter“, sagt. Brück.

Kontakt: Wer Angebote für das Archiv hat, meldet sich bei Heinz Brück, Tel 0 64 55/83 31.

Fünf Vereine bauten Bürgerschänke um

Fünf Löhlbacher Vereine haben die seit Jahren nicht mehr genutzte Bürgerschänke mit Kegelbahn im Untergeschoss des örtlichen Bürgerhauses für ihre Zwecke umgebaut. Das Gemeinschaftsprojekt wurde weitgehend mit Eigenleistung umgesetzt. Der Heimatverein steuerte 8000 Euro aus dem Erlös der 800-Jahr-Feier 2015 bei. Er nutzt den Bereich der ehemaligen Kegelbahn als Archiv und Versammlungsraum. Noch sind Arbeiten im Flur und der Küche im Untergeschoss im Gange. Wenn alles fertig ist, werden die Vereine zum Tag der offenen Tür einladen. Beteiligt sind: Heimat- und Kulturverein, Landfrauen, VdK, Dieselfreunde und die Gruppe „Die Rotte“. 

Flurnamen und Stammbücher im Blick

Drei größere Ziele will der Löhlbacher Heimat- und Kulturverein in nächster Zeit realisieren: 

Ortsfamilienbuch: Vorsitzender Heinz Brück will ein Ortsfamilienbuch für Löhlbach erstellen, analog der so genannten Ortsippenbücher, die der Waldeckische Geschichstverein für viele Orte herausgegeben hat. Enthalten sein sollen die ältesten Familien im Ort, die in Häusern mit den alten Hausnummern 1 bis 100 lebten. 

Rundwanderweg: Geschichte soll nicht nur im Archiv erfahrbar werden. Der Heimatverein plant einen Rundwanderweg um den Ort, auf dem die alten Flurbezeichnungen dargestellt werden. „Wer von den Jüngeren weiß heute noch, wo der Weißenrück, der Steinberg, Elftergrund oder Ringraben liegen?, fragt Brück.

Jugendarbeit: Der Heimatverein möchte die Jugend gewinnen: Als Ferienspielbeitrag veranstaltet er eine Kinderdisko. „Wir wollen auf die Wünsche der jungen Leute eingehen“, sagt Brück.

Quelle: HNA

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