Fall aus dem Frankenberger Land

DPD-Bote lässt sich selbst ins Haus – und erschreckt junge Frau 

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Ein Mitarbeiter des Paketlieferdienstes DPD (Symbolbild) ist einfach durch den Keller in ein Haus gegangen, um sein Paket abzugeben.

Ein DPD-Paketbote hat den Servicegedanken zu weit getrieben und einer jungen Mutter einen riesigen Schreck eingejagt.

Wenn der Postmann zweimal klingelt ... und niemand aufmacht, legt er in der Regel einen Zettel in den Briefkasten, dass er am nächsten Tag wiederkommt oder das Paket beim Nachbarn abgegeben hat. Anders in diesem Fall aus dem Frankenberger Land.

Weil eine 32-Jährige das Klingeln des Paketboten an der Haustür nicht hörte – sie war gerade im Dachgeschoss bei ihrem einjährigen Sohn –, betrat der Bote das Einfamilienhaus durch die nicht abgeschlossene Kellertür und kam über die Treppe ins Erdgeschoss.

DPD: Paketbote steht plötzlich mitten Raum - Junge Mutter bekommt Schreck ihres Lebens

„Ich habe einen riesigen Schrecken gekriegt, als der plötzlich vor mir stand“, erzählt die 32-Jährige. „Ich habe erst gar nicht realisiert, dass es der Paketbote war.“ Die Mutter war mit ihrem Sohn auf dem Arm gerade die Treppe vom Obergeschoss nach unten gekommen, als der Mann die Kellertreppe hochkam.

War der DPD-Paketbote einfach nur dreist oder freundlich?

Einerseits sei sie natürlich empört darüber, dass der Mann einfach so ins Haus gegangen sei. Ihre vierjährige Tochter spielte gerade im Wohnzimmer und hätte sich sicherlich gefürchtet, hätte sie den fremden Mann im Haus bemerkt. „Andererseits wollte er vielleicht einfach nur freundlich sein“, vermutet sie. Der Mann habe ihr schon zuvor einige Male Pakete gebracht. „Vielleicht wusste er, dass ich zu Hause bin, aber wegen der Kinder nicht an die Tür gehen kann.“

DPDPaketbote hat sich entschuldigt

Der Paketbote habe sich nach dem Vorfall bei ihr entschuldigt, sagt die Frau. Sie möchte deshalb auch nicht ihren Namen und ihren Wohnort nennen, damit der Paketbote keinen Ärger von seinem Arbeitgeber bekommt.

Der Bote arbeitet für den Paketdienstleister DPD. Das Unternehmen mit Sitz in Aschaffenburg entschuldigte sich auf Nachfrage der HNA „aufrichtig“ für den Vorfall. „Das Verhalten des Zustellers ist inakzeptabel und widerspricht klar den Richtlinien unseres Unternehmens“, sagt DPD-Sprecher Sebastian Zeh.

Da die HNA auf Wunsch der betroffenen Frau gegenüber DPD nicht ihren Wohnort mitgeteilt hat, habe DPD vorsorglich alle Zusteller im Raum Frankenberg an die geltenden Regeln erinnert, sagt Zeh.

Ein Paketbote von DPD hat im Frankenberger Land ein Päckchen direkt ins Haus geliefert - ohne die Besitzer vorher zu fragen.

Was dürfen Paketzusteller - und was nicht: Fragen und Antworten

Wie weit – im wahrsten Sinne – dürfen Paketzusteller gehen, wenn Sie ein Paket abliefern wollen? 

„Das unbefugte Betreten von Privateigentum ist den Zustellern grundlegend untersagt“, teilte Sebastian Kaltofen, Sprecher der Hermes-Versand GmbH, mit. Es gebe nur eine Ausnahme: Sollte eine schriftliche Abstellgenehmigung für die Ablage der Pakete vorliegen, dürfen die Boten die Sendung an dem vom Kunden benannten Ort ablegen – beispielsweise eine Garage. 

Das gilt auch bei anderen Paketdienstleistern wie DPD oder Deutsche Post DHL. Post-Sprecher Thomas Kutsch sagt: „Jeder unserer bundesweit über 100.000 Paket- und Briefzusteller hat klare Regelungen für die Zustellung einzuhalten, und dazu gehört auch, nicht einfach Wohnungen von Kunden zu betreten, sondern sich durch Klingeln, Klopfen oder ähnliches bemerkbar zu machen.“ 

Darf der Bote ein Paket einfach beim Nachbarn abgeben? 

„DPD ist berechtigt, nach dem ersten erfolglosen Zustellversuch Pakete bei einem empfangsbereiten Nachbarn im selben Haus oder einem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Nachbarhaus – jedoch nicht weiter als 50 Meter entfernt – zuzustellen“, sagt DPD-Sprecher Sebastian Zeh. Hermes-Boten unternehmen in der Regel vier Zustellversuche an der Haustür des Kunden. Bleiben alle erfolglos, wird die Sendung in einen Paketshop geliefert. 

„Ein Blick in die Realität zeigt aber, dass Boten – beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus – Pakete bei einem Nachbarn abgeben, wenn dieser damit einverstanden ist“, sagt Hermes-Sprecher Kaltofen. Bei Hermes können Kunden zudem einen Wunsch-Nachbarn für die Zustellung bei Abwesenheit angeben oder andere Nachbarn ausschließen. „Außerdem kann mit der Umleitung auf einen Paketshop verhindert werden, dass Nachbarn das Paket annehmen müssen, wenn man selber am Liefertag nicht zu Hause ist“, sagt Kaltofen. Auch bei anderen Paket-Diensten kann man solche Vereinbarungen abschließen. 

Wer kommt alles als Ersatzempfänger infrage? 

Dazu Thomas Kutsch von DHL: „Ersatzempfänger sind 1.) Angehörige des Empfängers, 2.) andere, auch in den Räumen des Empfängers anwesende Personen sowie 3.) Hausbewohner und Nachbarn des Empfängers, sofern den Umständen nach angenommen werden kann, dass sie zur Annahme der Sendungen berechtigt sind.“ 

Oft werden Pakete unter dem Vordach, in der offenen Garage oder auf der Terrasse abgelegt. Ist das zulässig? 

Dazu sagt Hermes: „Eine solche Ablage muss vom Empfänger schriftlich oder online beauftragt werden. Liegt ein Auftrag nicht vor, darf der Zusteller das Paket nicht ohne Unterschrift des Empfängers ablegen. Tut er es doch, handelt er zuwider klarer Arbeitsanweisungen.“ 

Geeignete Ablageorte sind laut Hermes eine überdachte Terrasse oder ein Carport, allerdings nicht eine Müll- oder Papiertonne. DPD-Sprecher Sebastian Zeh weist darauf hin, dass DPD in vielen Zustellgebieten seit Jahren dieselben Zusteller einsetze. „Sie kennen nicht nur ihre Routen, sondern auch viele Paketempfänger und deren Zustellpräferenzen.“ 

Wer haftet, wenn ein Paket, das der Bote auf der Terrasse abgelegt hat, nicht mehr da ist? 

Sebastian Kaltofen von Hermes: „Wer im Falle von Verlust oder Beschädigung haftet, hängt vom individuellen Fall ab. Dabei muss unterschieden werden, ob es sich bei dem Paket um eine Onlinebestellung handelt oder um ein privat verschicktes Paket.“ (siehe unten) Thomas Kutsch sagt: „DHL haftet für Schäden, die auf eine Handlung oder Unterlassung zurückzuführen sind, die ein DHL-Mitarbeiter vorsätzlich oder leichtfertig und in dem Bewusstsein, dass ein Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreten werde, begangen hat.“

Wer haftet bei Schaden oder Verlust?

Sebastian Kaltofen von Hermes nennt zwei Beispiele für Haftungsfragen: 

  • Beschädigung einer Onlinebestellung: Nehmen wir an, ein Paket trifft aufgerissen beim Kunden ein, die Ware ist beschädigt. In so einem Fall müssen Sie als Absender sich an Ihren Onlineshop wenden, von dem Sie die Ware bezogen haben, da dieser Shop Ihr Vertragspartner ist. In den meisten Fällen wird der Shop zunächst eine kostenfreie Neulieferung veranlassen und die weitere Regulierung des Falls mit uns gemeinsam unternehmen, ohne weiteres Zutun des Kunden. Dem Kundenkonto wird der Betrag in der Regel schnell gutgeschrieben oder, bei unklarer Lage, zumindest ein Zahlungsaufschub bis zur endgültigen Klärung gewährt. Dem Kunden entsteht also kein finanzieller Nachteil. 
  • Verlust eines Privatpakets: Regulär sind privat verschickte Pakete in zwei bis drei Werktagen beim Empfänger. Bei Personalengpässen, Verkehrsproblemen oder auch witterungsbedingten Störungen aber kann es bei einzelnen Sendungen durchaus etwas länger dauern. Ist ein Paket nach mehr als drei Werktagen nicht beim Empfänger eingetroffen, empfiehlt sich eine Kontaktaufnahme zum Kundenservice von Hermes. Falls nötig, beauftragt der Kundenservice eine Nachforschung. 

Bleibt ein Paket verschollen, ersetzt Hermes den Schaden: Alle privat verschickten Päckchen und Pakete sind bei Hermes automatisch und ohne Aufpreis versichert – Päckchen bis zu 50 Euro, Pakete bis zu 500 Euro. Werden teurere Artikel verschickt und geht tatsächlich einmal ein Paket verloren, können wir hierfür keine Haftung übernehmen. Zudem benötigen wir für eine Regulierung einen Nachweis über den Inhalt, also alte Rechnungen, Quittungen oder Bons.

Ein Paketbote in jetzt öffentlichen Spott auf sich gezogen: Beim Versuch, seine Fracht gut versteckt an einer Haustür zurückzulassen, ist er kläglich gescheitert. Dokumentiert wurde sein richtig mieses Versteck für das Paket auf der Facebook-Seite „Best of Paketzusteller“.

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