Evangelische Gemeinden verlieren Prediger

Gleich drei Pfarrer verlassen das Obere Edertal im Sommer

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Engagierter Pfarrer: Gerald Rohrmann hatte im vergangenen Jahr bei einer HNA-Serie zum Luther-Jahr mitgemacht. Im Juli verlässt er Allendorf. 

Edertal. Gleich drei Pfarrer werden das Obere Edertal im Sommer verlassen: Gerald Rohrmann (Allendorf), Olaf Muntanjohl (Hatzfeld) und Iris Schneider-Ungar (Rennertehausen).

„Ich war 13 Jahre hier. Das war für beide Seiten bereichernd. Abschied nehmen tut weh. Aber es gibt auch Vorfreude auf das Neue.“ Das sagte der Allendorfer Pfarrer Gerald Rohrmann (50) zum bevorstehenden Wechsel seiner Familie an die Nordsee. Zum 1. August wird Gerald Rohrmann Pfarrer in der Kirchengemeinde Emmelsbüll/Neugalmsbüll. Sein künftiger Wirkungsbereich liegt etwa in Höhe der beiden Nordsee-Inseln Sylt und Föhr, jedoch auf dem Festland.

Der Wunsch, am Meer zu leben

Rohrmanns Wechsel hatte sich in den letzten Jahren wegen gesundheitlicher Probleme seiner Ehefrau angedeutet, die bereits mehrfach zur Kur und im Urlaub an der Nordsee war. Ärzte hatten Michaela Rohrmann geraten, möglichst am Meer zu leben.

Er habe sich deshalb an die Nordkirche gewandt. „Aber man kann nicht einfach die Landeskirche wechseln“, erklärte Rohrmann. Usedom sei zwischenzeitlich im Gespräch gewesen, dies habe sich jedoch zerschlagen. Schließlich sei die Gemeinde Emmelsbüll/Neugalmsbüll vorgeschlagen worden. 

Dort habe er sich beworben und einen Gottesdienst gehalten. Es gab zwei Bewerber für die vakante Pfarrstelle. Die Gemeinderäte aus drei Gemeinden entschieden sich jedoch einstimmig für Pfarrer Rohrmann, den sie als „spontanen und lebendigen Prediger“ erlebt hatten.

Die ältere der beiden Töchter, Martha-Louise (15), komme nach den Sommerferien in die Oberstufe. Tochter Tabea Estelle ist zwölf Jahre alt. Deshalb sei der Wechsel jetzt sinnvoll, sagte Pfarrer Rohrmann. Mit seiner Familie, zu der auch zwei Hunde, vier Katzen und zwei Schildkröten gehören, will Rohrmann im Juli an die Nordsee umziehen.

Er sei dankbar für die Zeit in Allendorf, sagte Gerald Rohrmann. Besonders im Freundeskreis sei es nicht leicht, Gründe für den Wechsel zu erklären. Sein Dank gilt auch dem Allendorfer Kirchenvorstand.

Verabschiedung am Spieltag der Fußball-WM

Verabschiedet wird Rohrmann voraussichtlich am 17. Juni. Die Feier werde rechtzeitig zum Spiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Russland gegen Mexiko beendet sein, kündigte Fußballfan Rohrmann augenzwinkernd an. 

Wenn ein Pfarrer geht, stellt das die Gemeinde vor Probleme. Wenn aber drei Pfarrer gleichzeitig das Obere Edertal verlassen, wird es richtig eng: Vor dieser Situation steht Andreas Friedrich, Dekan im evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach. 

Ihm sei schon länger bekannt, dass der Hatzfelder Pfarrer Olaf Muntanjohl (61) aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand versetzt werden möchte, sagte Dekan Friedrich auf Nachfrage der HNA. Eigentlich habe Muntanjohl noch zwei Jahre als Pfarrer arbeiten wollen.

"Unglückliche Häufung" von Weggängen

Vom bevorstehenden Wechsel des Allendorfer Pfarrers Gerald Rohrmann sowie Pfarrerin Iris Schneider-Ungar (Pfarrerin in Rennertehausen und Battenfeld) habe er am gleichen Tag erfahren. Das sei eine "unglückliche Häufung", sagte der Dekan. Iris Schneider-Ungar, die noch Pfarrerin im Probedienst ist, habe Elternzeit beantragt und werde zu ihrem Lebensgefährten nach Schwerin umziehen. Unklar sei, ob Schneider-Ungar im Anschluss nach Battenfeld/Rennertehausen zurückkehren werde.

Klar ist für den Dekan, dass alle drei Stellen ausgeschrieben werden und "so schnell wie möglich wieder besetzt" werden sollen. Das sei allerdings nicht so einfach, räumte Andreas Friedrich ein. "Meist gibt es keine Bewerbung auf die erste Ausschreibung, oft auch nicht auf die zweite."

Vakante Pfarrstellen mit Probedienstlern besetzt

In diesem Fall könnten vakante Pfarrstellen mit "Probedienstlern" besetzt werden, die dann von Pröpstin Puttkammer zugewiesen würden. Er habe am Mittwoch mit den übrigen sechs Pfarrern des Oberen Edertals  zusammen gesessen, berichtete der Dekan. Die ab dem Sommer bestehende Vakanz sei für alle eine "Herausforderung". Friedrich: "Aber es wird keine Hochzeit, keine Beerdigung und auch kein Gottesdienst ausfallen. Gemeinsam müssen wir es tragen - und das werden wir auch hinkriegen."

Er hoffe, dass "eine bis zwei" der drei vakant werdenden Pfarrstellen binnen eines Jahres wieder besetzt werden können.  

Quelle: HNA

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