Frankenberg

Drogensüchtiger Sozialpädagoge muss ins Gefängnis

- Frankenberg (jos). Weil er Medikamentenrezepte gefälscht hat und in eine Apotheke eingebrochen ist, wurde ein 44-jähriger Frankenberger am Montag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

Der Drogenabhängige war bereits seit Juli in Untersuchungshaft. Nach dem Urteil des Amtsgerichts legten ihn zwei Polizisten wieder in Handschellen und brachten den Mann in die Jusitzvollzugsanstalt nach Gießen.

Bereits vor der Verhandlung hatte der 44-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Richterin schilderte er die Umstände der von ihm begangenen Straftaten. Im Juni 2008 sei er nach Frankenberg gezogen, berichtete der Sozialpädagoge. Vorher habe er in einer antrophosophischen Gemeinschaft gelebt. Dort sei er im Streit gegangen. „Das war die erste Hypothek, die ich mitgenommen habe“, sagte der Angeklagte.

In Frankenberg habe er mit einer Frau zusammen gelebt, die psychisch krank gewesen sei. Zudem habe er keine Arbeit gefunden. Er habe sich als Sozialpädagoge um Stellen beworben, doch aufgrund seiner Drogenkarriere habe ihn kein Geschäftsführer eingestellt.

Bei einem Korbacher Arzt habe er dann eine Methadon-Behandlung begonnen. Doch die von dem Mediziner verschriebene Dosis habe nicht gereicht. „Um die Wirkung zu verstärken, habe ich mir Schmerzmittel besorgt“, schilderte der Angeklagte. Das habe der Arzt bemerkt. „Mir war klar, dass er mich deshalb rausschmeißt“, sagte der 44-Jährige. Als er alleine im Behandlungszimmer gewartet habe, seien ihm die Rezepte auf dem Schreibtisch des Arztes aufgefallen. Er stahl sie, samt eines Stempels der Praxis.

Im Juni und Juli dieses Jahres versuchte der Angeklagte schließlich in verschiedenen Apotheken in Frankenberg und in Gemünden mit von ihm gefälschten Rezepten Schmerzmittel zu bekommen – mal mit und mal ohne Erfolg. Schließlich nahm der Drogenabhängige sich die Medikamente in einer Frankenberger Apotheke dann einfach so, ohne Rezept. „Ich habe die Apothekerin bestohlen, wofür ich mich wirklich schäme. Da sieht man mal, wie moralisch verkommen ich war.“ Die besagte Apothekerin sei die einzige Frankenbergerin gewesen, die ihm habe helfen wollen, erklärte der Angeklagte.

In der Nacht zum 14. Juli ist der Drogenabhängige schließlich in zwei Apotheken eingebrochen, wobei er bei der ersten an der Tür scheiterte. Danach wurde er festgenommen.

Verurteilt wurde der Sozialpädagoge allerdings nicht nur wegen Urkundenfälschung und Diebstahl, sondern auch wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. „An dem Tag, als ich mein positives MPU-Zeugnis bekam, bin ich mit dem Auto zur Vernehmung bei der Polizei gefahren“, schilderte der Angeklagte und ergänzte kopfschüttelnd: „Das zeigt, in welchem Zustand ich war.“

Richterin Andrea Hülshorst stimmte dem von Staatsanwaltschaft und Verteidiger vorgeschlagenen Strafmaß von einem Jahr und sechs Monaten zu – ebenso gab sie „grünes Licht“ für eine Entzugstherapie.An einer Freiheitsstrafe führe kein Weg vorbei, erklärte Hülshorst. Denn von einer günstigen Sozialprognose sei angesichts der Vorstrafen nicht auszugehen. Seit 1985 ist der heute 44-Jährige in aller Regelmäßigkeit von Gerichten in Frankfurt, Mannheim, Neustadt/Weinstraße und einer Kammer in Belgien in aller Regelmäßigkeit wegen Drogenbesitzes und Beschaffungskriminalität verurteil worden. Daraus resultieren insgesamt 15 Einträge in das Bundeszentralregister.

Nach zuletzt vier Jahren ohne Verurteilung wäre am 1. August dieses Jahres die letzte Bewährungsstrafe ausgelaufen. Doch bereits im Frühjahr war der Sozialpädagoge rückfällig geworden. Damals sei seine Lebensgefährtig zur Behandlung ihrer Depression in die Hainar Psychiatrie gegangen. Dazu sagte der Angeklagte: „Unsere psychischen Krankheiten waren zur Geschäftsgrundlage unserer Beziehung geworden. Ich hatte Angst, sie kommt wieder, ist gesund und trennt sich dann.“

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