Rettungsleitstelle Waldeck-Frankenberg

Durch Handy-Ortung kommen Retter schneller ans Ziel

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Handy-Ortung aus der Rettungsleitstelle des Landkreises Waldeck-Frankenberg: (von links) Jan Schmitz (schrieb die Software), Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick und Disponent Andreas Noll.

Wer mit dem Handy den Notruf 112 wählt, der kann jetzt von der Rettungsleitstelle des Landkreises Waldeck-Frankenberg geortet werden. 

Waldeck-Frankenberg – Bei der Leitstelle im Kreishaus in Korbach geht ein Anruf ein. Das passiert etwa 300 Mal am Tag. Davon wählen im Schnitt 45 Menschen pro Tag den Notruf 112 mit dem Handy. Oft können diese Anrufer nicht genau beschreiben, wo sie sich befinden. Manche Anrufer sind so schwer verletzt, dass sie sich nicht richtig artikulieren können. Dadurch verrinnen wichtige Minuten, die über Leben und Tod entscheiden können.

Jetzt ist es technisch möglich, Smartphones bis auf wenige Meter genau zu orten, wenn der Anrufer den Notruf 112 wählt. Juristisch ist das allerdings nicht ganz unproblematisch: Wenn beispielsweise die Polizei bei der Strafverfolgung ein Handy orten möchte, benötigt sie dafür eine richterliche Anordnung.

„Wenn sich hilflose Personen in Gefahr befinden, können leitende Polizeibeamte eine Handyortung anordnen. Dadurch wurden schon mehrfach Menschenleben gerettet“, sagt Dirk Richter, Sprecher der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg.

„Im Zweifel gilt der mutmaßliche Wille“, sagt Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick. Sprich: Wenn jemand den Notruf 112 wählt, ergebe sich daraus, dass er Hilfe benötigt und wünscht. Biederbick nennt ein Beispiel: „Wenn ein Wanderer oder Mountainbike-Fahrer auf dem Knorreichenstieg am Edersee stürzt, haben wir diese Verletzten oft schon stundenlang gesucht. Über die Handy-Ortung wissen wir jetzt in Sekunden, wo sich der Anrufer befindet.“

Die für die Ortung notwendige Technologie nennt sich „Advanced Mobile Location“ (AML). AML übermittelt während des Notrufes die Standortdaten des Anrufers. Der mehrzeilige „Datensalat“ konnte bisher nicht ausgelesen bzw. „übersetzt“ werden. Dafür hat EDV-Spezialist Jan Schmitz aus dem Fachdienst Rettungsdienst ein kleines Programm geschrieben. Die Disponenten in der Leitstelle kopieren nun die Handy-Nummer des Anrufers in das AML-Programm und sehen Sekunden später den Standort des Anrufers. „Für die Sicherheit der Menschen in unserem Landkreis ist das ein Quantensprung“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese. 

Ortung funktioniert mit Android und Apple

Der Handy-Ortungsdienst AML ist auf Smartphones beschränkt. Während die Ortung über das Android-Betriebssystem schon seit April in Waldeck-Frankenberg möglich ist, können Menschen mit Apple-Handys (ios-Betriebssystem) erst seit wenigen Tagen von der Rettungsleitstelle lokalisiert werden, wenn sie den Notruf 112 gewählt haben. Über diese beiden Betriebssysteme würden etwa 80 Prozent aller Handybesitzer erreicht, sagt Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick.

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