Frankenberg

Eder-Galerie: Planungssicherheit bis Ende des Jahres

- Frankenberg (rou).Der Zeitplan wird eingehalten, stellt Bürgermeister Christian Engelhardt klar: Noch in diesem Jahr soll das Stadtparlament einen Beschluss zum Städtebaulichen Vertrag zur geplanten Eder-Galerie fassen.

Während es in den vergangenen Wochen in Frankenberg ruhig um die Bad Hersfelder Investorengruppe Rosco und um die in der Röddenauer Straße geplante Eder-Galeriegewesen ist, hat das Unternehmen in dem südlich von Dortmund gelegenen Herdecke für Nachrichten gesorgt. Die Centermanagement und Immobilienverwaltung hat das frühere Karstadt/Hertie-Haus erworbenund will es zu einem Einkaufszentrum für die Nahversorgung umbauen. In knapp einem Jahr soll das Mühlen-Center fertig sein, teilt die Stadt Herdecke auf ihrer Internetseite über die 20-Millionen-Euro-Investition mit.

In der Stadt an der Ruhr leben derzeit 25 000 Menschen, davon sind viele relativ einkommensstark. In der nordrhein-westfälischen „Reichen-Rangliste“ steht die Stadt im nördlichen Ennepe-Ruhr-Kreis an fünfter Stelle. 2001 lebten 39 „Einkommensmillionäre“ mit einem Einkommen von mehr als 500 000 Euro in Herdecke. Zu den bekanntesten Einwohnern zählen mittlerweile Fußballer und Funktionäre von Borussia Dortmund: von Neven Subotic über Lars Ricken bis zu Trainer Jürgen Klopp.

Aus den Augen verloren hat Rosco das Frankenberger Projekt aber nicht, wie Bürgermeister Christian Engelhardt auf FZ-Anfrage betonte. Am Mittwoch weilte der Projektverantwortliche Herbert Kramer in Frankenberg, um mit der Stadt weiter an dem Städtebaulichen Vertrag zu arbeiten. Dieser soll der Stadtverordnetenversammlung noch in diesem Jahr vorgelegt und von den Parlamentariern auch beschlossen werden. „An dem verkündeten Zeitplan halten wir fest“, sagte Engelhardt. „Wir wollen noch in diesem Jahr Planungssicherheit schaffen.“

In Zuge der Beratungen soll zudem die finale Änderung des Bebauungsplanes beschlossen werden. Den „Zwischenstand“ der Verhandlungen über den Städtebaulichen Vertrag wollte Engelhardt gestern, so wie in der Vergangenheit, nicht kommentieren. „Solange der Investor Interesse an dem Projekt hat, werden wir auch weiter verhandeln“, sagte der Bürgermeister.

Zwischen den Vorhaben von Rosco in Herdecke und in Frankenberg gibt es gleich mehrere Parallelen: eine ist die Höhe der Investition von etwa 20 Millionen Euro, eine andere das Erscheinungsbild der geplanten Einkaufszentren. Die dritte Gemeinsamkeit: Beide Städte befinden sich in einem gravierenden Entwicklungsprozess. So wie die Eder-Galerie am Rande des Stadtsanierungsbezirkes realisiert werden soll, befindet sich das Mühlen-Center in dem neu geplanten Stadtquartier „Westfalia-Gelände“.

Dabei handelt es sich um das brachliegende, ehemalige Betriebsareal der Firma Westfalia, einem der weltweit größten Hersteller von Melkanlagen. Die Freiflächen und Hallen sollen umgewidmet werden. Geplant ist, auf dem 100 000 Quadratmeter großen Areal mehrere hundert Wohnungen zu bauen, Einzelhandelsbetriebe anzusiedeln, Naherholungsflächen zu schaffen und die Ruhr für die Bewohner wieder erlebbar zu machen – die Eder in Frankenberg soll ebenfalls stärker ins Stadtbild eingebunden werden.

Zunächst seien Verwaltung und Politik nicht glücklich gewesen, als sie von den Rosco-Plänen gehört hätten, wird Bürgermeister Hans-Werner Koch auf der städtischen Internetseite zitiert. Ursprünglich sei die Aufwertung der Hertie-Immobilie erst als zweiter Schritt nach dem Bezug des neuen Stadtquartiers geplant gewesen. Der Niedergang von zunächst Karstadt und dann Hertie habe die Reihenfolge aber umgekehrt.

Heiß diskutiert wird in Herdecke die Frage, welche Folgen die für Sommer 2010 geplante Eröffnung auf die städtischen Pläne haben könnte. Koch befürchtet vor allem, dass die Investorengruppe für ihr Gebäude „Ankermieter“ an Land ziehen könnte, die dem Stadtquartier ebenfalls gut tun würden. „Aber es gibt keine Alternative. Wir haben zurzeit eine Unterversorgung im täglichen Bedarf, und es bietet sich jetzt die Chance, den Handel in der City zu ergänzen und wieder zu stabilisieren.“ Mehr als die Hälfte der Herdecker Kaufkraft in Höhe von 195 Millionen Euro fließt ab in die Großstädte in der Nachbarschaft, entsprechend schwer haben als die Einzelhändler.

Für das Herdecke-Projekt ist Rosco-Geschäftsführer Ruediger Pinno verantwortlich. Er sei sicher, dass sich die Vermarktungschancen für das Westfalia-Gelände eher erhöhen würden, wenn statt einer Kaufhaus-Ruine ein Einkaufszentrum im Eingangsbereich locke. Für den Einzelhandel bliebe mit mehr als 10 000 Quadratmetern noch genug Raum, wird Pinno auf der Internetseite zitiert.

Und er sollte wissen, wovon er spricht. Rosco gilt als einer der Interessenten für die übrigen Westfalia-Flächen. Bei der Vorstellung der Pläne der Bad Hersfelder Investorengruppe im November vergangenen Jahres war die Rede von einer Investitionssumme von insgesamt 120 Millionen Euro. Eine Einigung mit dem Eigentümer ist bislang jedoch nicht getroffen worden. Der Grund: Der Kaufpreis spiele eine Rolle, ganz stark aber auch die Tatsache, dass in der aktuellen Wirtschaftskrise die Zahl der Banken dramatisch schwinde, die ein solches Projekt in einer Stadt wie Herdecke finanzieren können, wird Pinno auf der städtischen Homepage zitiert.

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